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22.10.2013

10:20 Uhr

Neue Gewinnprognose

Lufthansa enttäuscht die Anleger

Die größte deutsche Fluggesellschaft Lufthansa will die bisherige Gewinnprognose übertreffen. Trotz hoher Sonderposten für den Konzernumbau erwartet man einen deutlichen Gewinn. Die Anleger sind skeptisch.

Bilanzmäßig im Landeanflug: Die Lufthansa kann ihre Erwartungen konkretisieren. dpa

Bilanzmäßig im Landeanflug: Die Lufthansa kann ihre Erwartungen konkretisieren.

FrankfurtDie Lufthansa erwartet für das Geschäftsjahr ein operatives Ergebnis von 600 bis 700 Millionen Euro. Das ist mehr als das ursprünglich ausgegeben Ziel, den operativen Ergebnis des Vorjahres von 524 Millionen Euro zu übertreffen. Dabei dürfte das Ergebnis immer noch von Ausgaben für den Konzernumbau in Höhe von 300 Millionen Euro belastet werden.

Nach den nun veröffentlichten Zahlen für die ersten drei Quartale blieb der Umsatz zuletzt mit 22,8 Milliarden Euro auf dem Niveau des Vorjahres. Der operative Gewinn ging allerdings auf 660 Millionen Euro zurück, rund 250 Millionen Euro weniger als im Vorjahr. Dafür macht die Lufthansa in erster Linie Sondereffekte verantwortlich. Allein das Umbauprogramm Score schlägt mit 168 Millionen Euro zu Buche. Die Airline baut derzeit 3500 Stellen ab, um die Kosten zu drosseln.

Das sind die neuen Flieger der Lufthansa

Spritsparende Modelle

Die Lufthansa hat im Herbst 2013 für 14 Milliarden Euro die neuesten Langstrecken-Jets von Boeing und Airbus bestellt. Die Airline deckt sich mit zweistrahligen Langstrecken-Jets ein, die wesentlich weniger Sprit verbrauchen sollen als derzeitige Modelle. Das ist wichtig, da die Tankrechnung einer der größten Kostenposten der Airline ist. Mit 300 bis gut 400 Sitzen sind die neuen Flieger eine Nummer kleiner als das Lufthansa-Flaggschiff, der Airbus A380.

A350 – Leichtbauweise und neue Triebwerke

Der A350 ist das neueste Kind des europäischen Flugzeugbauers: Erstmals hob der Jet mit zwei Triebwerken im Juni ab. Das vollkommen neu konstruierte Flugzeug besteht zur Hälfte aus Verbundwerkstoffen, die das Gewicht senken. Die Leichtbauweise und neue Triebwerke sollen dafür sorgen, dass der Spritverbrauch im Vergleich zu heutigen Maschinen um ein Viertel sinkt.

A350 – Platz für bis zu 350 Passagiere

Im A350 haben je nach Variante 270 bis 350 Passagiere Platz. Der von der Lufthansa bestellte Typ A350-900 zählt 314 Sitze. Derzeit liegen 707 Bestellungen für den laut Listenpreis bis zu gut 320 Millionen Dollar teuren Prestigeflieger vor. Das erste Exemplar soll 2014 an Qatar Airways ausgeliefert werden.

777X – Lufthansa Erstkunde?

So weit wie Airbus ist Boeing mit seinem Nachfolger des Bestsellers 777 lange nicht. Offiziell ist der Bau der zweistrahligen Maschinen noch nicht beschlossen - der US-Hersteller sammelt derzeit noch Bestellungen ein. Die Lufthansa hat gute Chancen, Erstkunde für die sogenannte 777-9X zu werden. Auch Emirates spielt eine Großorder durch. Die Auslieferung der Jets dürfte erst Ende des Jahrzehnts starten.

777X – 20 Prozent weniger Kerosinverbrauch

Die von der Lufthansa favorisierte Variante zählt 414 Sitze. Nach der Pannenserie beim Dreamliner 787 setzten die Boeing-Ingenieure aber nicht ganz so viel neue Technologie ein. Nicht das ganze Flugzeuge, sondern lediglich die Flügel und die Triebwerke werden neu konstruiert. Damit soll der Kerosinverbrauch um 20 Prozent sinken. Das Flugzeug ist eine Fortentwicklung des Bestsellers 777, der seit den 90er Jahren fliegt.

Im Vorjahr hatte zudem die Übertragung der Austrian Airlines Strecken auf die Billigtochter Tyrolean Airways und abgegoltene Pensionsverpflichtungen der verkauften britischen Tochter British Midland (bmi) das Ergebnis um 325 Millionen Euro nach oben geschraubt.

Obwohl die Lufthansa die Anzahl der Flüge in den ersten neun Monaten reduziert hat, blieb die Passagierzahl konstant. Die Auslastung der Maschinen konnte nach Angaben der Lufthansa verbessert werden.. Negativ wirken sich nach Angaben des Unternehmens aber Wechselkurseffekte aus.

Auch an der Börse sind die Anleger von den neuesten Ankündigungen enttäuscht. Nach der Bekanntgabe der neuen Zahlen verlor die Lufthansa-Aktie rund 3,7 Prozent. Analysten waren von aber einem operativen Gewinn von durchschnittlich 973 Millionen Euro ausgegangen „Die Investoren hatten mehr erwartet,“ sagte ein Händler. „Das war jetzt kein Riesenschocker, aber erfreulich sind die Zahlen nicht.“ Da in der Prognose aber auch Sondereffekte enthalten seien, halte sich die Enttäuschung noch in Grenzen und der Kurs stabilisiere sich schon wieder etwas, ergänzte ein zweiter Börsianer.

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