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13.05.2016

17:46 Uhr

Neue Lufthansa-Baustelle

Fluggesellschaft will Kündigungsschutz lockern

Eine neue Tarifbaustelle für die Lufthansa: Weil sie den Kündigungsschutz für bestimmte Mitarbeiter loswerden möchte, kündigte die Fluggesellschaft ein Tarifvertragschutzabkommen. Verdi kündigte Protest an.

Der Fluggesellschaft droht neuer Ärger mit der Gewerkschaft Verdi. dpa

Lufthansa

Der Fluggesellschaft droht neuer Ärger mit der Gewerkschaft Verdi.

Frankfurt/BerlinDie Lufthansa steht vor dem nächsten Konflikt mit ihren Arbeitnehmern. „Wir haben das Tarifvertragschutzabkommen Boden gekündigt, mit Wirkung zum Juli 2016“, sagte ein Konzernsprecher am Freitag und bestätigte damit Informationen des Nachrichtenmagazins „Spiegel“. Demnach geht es darum, den Kündigungsschutz von langjährigen Beschäftigten einzuschränken.

Der Lufthansa-Vertreter sprach von einem „notwendigen Schritt“, um ein neues System mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi auszuhandeln. „Wir wollen es nicht loswerden, sondern reformieren.“ Verdi kündigte bereits Protest an. „Das ist ein klarer Angriff auf die Arbeitnehmer im Lufthansa-Konzern und wir werden das nicht hinnehmen“, sagte Verdi-Vorstandsmitglied Christine Behle der Nachrichtenagentur Reuters.

Der Lufthansa geht es vor allem darum, eine Klausel zu streichen, die bestimmten Mitarbeitern hohen Kündigungsschutz garantiert. Denn Angestellte in der Passagierabfertigung, Ticketabrechnung oder Wartung dürfen nicht betriebsbedingt gekündigt werden, wenn sie länger als 15 Jahre im Unternehmen sind und ihr Job oder ihre Abteilung wegfallen soll.

Die vielen Baustellen der Lufthansa

Schwieriger Konzernumbau

Carsten Spohr will die Lufthansa wetterfest machen für die Zukunft, denn der Konkurrenzkampf über den Wolken ist hart. Der Umbau des größten europäischen Luftverkehrskonzerns ist eine Mammutaufgabe. Längst noch nicht alle Probleme sind gelöst. Das sind die Baustellen der Lufthansa.

Quelle: dpa

Billig-Airlines

Vor allem der größte europäische Player im Billigsegment, Ryanair, heizt den Wettbewerb an. Nachdem die Iren über Jahre vor allem auf kleinere Flughäfen in der Provinz gesetzt hatten, bedienen sie nun zunehmend auch große Flughäfen wie Berlin oder Köln. Zudem bieten inzwischen auch Billig-Airlines gegen entsprechenden Preisaufschlag Leistungen an, die sich vor allem an Geschäftsreisende richten – ein Segment, in dem vor allem etablierte Fluggesellschaften unterwegs sind.

Expansive arabische Konkurrenten

Emirates, Qatar Airways und Etihad punkten vor allem auf der lukrativen Langstrecke. Die Airlines vom arabischen Golf haben rasante, von den Herrscher-Familien unterstützte Wachstumspläne. Weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien haben sie bereits fest im Griff und bei einigen europäischen Airlines sitzen sie mit am Steuerknüppel – zum Beispiel Etihad bei Air Berlin oder Alitalia.

Probleme mit dem Personal

Ein Tarifkonflikt ist nach wie vor ungelöst: Der Dauerstreit mit den Piloten kann nach bisher 13 Streikrunden jederzeit wieder eskalieren. Die Kabinengewerkschaft UFO war im November in einen einwöchigen Streik getreten, einigte sich mit Lufthansa im Januar aber auf Eckpunkte eines neuen Tarifvertrags. Für das Bodenpersonal gab es zuvor schon eine Einigung mit der Gewerkschaft Verdi.

Das komplizierteste Thema bei den Piloten sind die vom Unternehmen zum Jahresende 2013 gekündigten Betriebs- und Übergangsrenten. Lufthansa will künftig nur noch feste Arbeitgeberbeiträge zahlen, aber nicht mehr für die endgültige Rentenhöhe garantieren.

Eurowings-Konzept

Neben der klassischen Premium-Lufthansa baut Lufthansa-Chef Spohr eine Billigschiene mit Eurowings auf, die im Europa-Verkehr Ryanair oder Easyjet Paroli bieten soll. Kern des Konzepts ist „Eurowings Europe“ mit Sitz in Wien. Derzeit stellt sie Piloten zu deutlich geringeren Gehältern ein, als bei der Lufthansa-Mutter gezahlt werden.

Der Konzernumbau belastet die Tarifverhandlungen, insbesondere mit den Piloten. Außerdem läuft es bei Eurowings selbst noch nicht rund. Die neue Billig-Airline hat mit Verspätungen auf ihren Fernflügen zu kämpfen.

Germanwings-Absturz

Der vom Co-Piloten Andreas L. im Frühjahr herbeigeführte Absturz einer Germanwings-Maschine mit 150 Toten war das größte Unglück in der Geschichte des Lufthansa-Konzerns. Finanzielle Soforthilfe von zunächst 50.000 Euro pro Opfer wurde schnell auf den Weg gebracht. Um Schmerzensgeldzahlungen ist allerdings ein Millionenpoker entbrannt. Opfer-Anwälte lehnten die Lufthansa-Vorschläge als zu niedrig ab.

Wie der „Spiegel“ weiter berichtete, muss die Airline sie stattdessen bis zu drei Jahre weiterbeschäftigen und versuchen, ihnen in dieser Zeit einen Ersatzarbeitsplatz zu vermitteln. Erst wenn dies scheitert, können die Mitarbeiter entlassen werden. Ziel sei es, diese Klausel zu „reformieren“, sagte der Konzernsprecher. Er fügte hinzu, der Manteltarifvertrag bleibe in Kraft und die Lufthansa werde sozialverträgliche Standards aufrechterhalten.

Bei der Airline hatten die Tarifkonflikte mit den Piloten und Flugbegleitern wiederholt zu Streiks mit massiven Flugausfällen geführt. Im November gab es den größten Ausstand in der Geschichte der Lufthansa.

Von

rtr

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