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14.12.2015

21:45 Uhr

Neue Metro-Strategie

Olaf Koch will wieder Spaß haben

Metro vor dem Neustart: Olaf Koch verpasst dem Konzern eine neue Strategie. Das Geld aus dem Kaufhof-Deal soll in Start-ups gesteckt werden – um im knallharten Wettbewerb mit der Internet-Konkurrenz zu bestehen.

Der Manager hat den Handelskonzern neu aufgestellt. dpa

Metro-Chef Olaf Koch

Der Manager hat den Handelskonzern neu aufgestellt.

FrankfurtNach zwei Jahren stagnierender Gewinne und einem vereitelten Börsengang der Russland-Tochter sieht Metro-Chef Olaf Koch wieder bessere Zeiten auf den größten Handelskonzern Deutschlands zukommen. In Kürze beginnt sein fünftes Jahr an der Konzernspitze, und Koch freut sich darauf, die Früchte der Initiativen, die er angestoßen hat, zu ernten: dem Verkauf der Kaufhauskette Galeria Kaufhof, aber auch von Investitionen in Start-ups und einem Vorstoß in den E-Commerce. Daneben schaut sich Koch nach Zukäufen um.

„Jetzt fängt der Spaß an“, sagte der 45-Jährige, der früher Manager bei Daimler war, in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Die letzten zwei Jahre waren alles andere als ein Vergnügen. Nach Jahren der Anpassung befinden wir uns jetzt in einer starken und gesunden Verfassung.“

Karstadt und Kaufhof - Zwei Warenhäuser mit Tradition

Keine Deutsche Warenhaus AG

Das Rennen um die größte deutsche Warenhauskette Galeria Kaufhof ist gelaufen. Der Metro-Konzern hat im Juni 2015 seine Tochter für 2,8 Milliarden Euro an den kanadischen Handelskonzern Hudson's Bay verkauft. Das Nachsehen hat damit der Eigner der Konkurrenz-Kette Karstadt, Rene Benko, der ebenfalls an Kaufhof interessiert war. Für den angeschlagenen Karstadt-Konzern könnte es nun noch schwieriger werden, im Wettbewerb zu bestehen. Hudson's Bay will Kaufhof als Sprungbrett für eine weitere Expansion in Europa nutzen.

Galeria Kaufhof

Kaufhof erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2013/2014 mit rund 21.500 Mitarbeiter gut drei Milliarden Euro Umsatz und verdiente operativ fast 200 Millionen Euro. Rund zwei Millionen Kunden besuchen täglich eines der 104 Waren- und 16 Sporthäuser in mehr als 80 Städten in ganz Deutschland. In Belgien betreibt Kaufhof zudem 16 Filialen unter dem Namen „Galeria Inno“. Kaufhof mit Sitz in Köln blickt auf eine fast 140-jährige Geschichte zurück: 1879 eröffnete der Kaufmann Leonhard Tietz in Stralsund ein kleines Textilgeschäft und legte damit den Grundstein für das Warenhaus. Metro-Chef Olaf Koch hatte Kaufhof zum Verkauf gestellt, weil er für das Warenhaus-Konzept unter dem Dach der Metro keine ausreichenden Expansionschancen sieht.

Karstadt

Eine fast ebensolange Tradition wie Kaufhof hat Karstadt. 1881 gründete Rudolph Karstadt sein erstes Ladengeschäft in Wismar. Das Filialnetz wuchs schnell. Karstadt verleibte sich den Neckermann Versand mehrheitlich ein, übernahm Hertie und fusionierte Ende der 1990er Jahre mit dem Versandhaus Quelle zu KarstadtQuelle. Doch das Geschäftsmodell begann zu kriseln. Karstadt schloss Häuser, verkaufte seine Immobilien, schlidderte aber dennoch 2009 zusammen mit seinem damaligen Mutterkonzern Arcandor in die Insolvenz. 2010 übernahm dann der Milliardär Nicolas Berggruen Karstadt aus der Insolvenz heraus. Vier Jahre später reichte er Karstadt dann komplett an den österreichischen Immobilien-Investor Rene Benko weiter. Der Essener Konzern betreibt heute mit etwa 16.000 Mitarbeitern noch 81 Warenhäuser, bis spätestens 2016 sollen fünf weitere geschlossen werden. 2012/2013 häufte Karstadt einen Verlust von 131 Millionen Euro an, der Umsatz sank um neun Prozent auf 2,67 Milliarden Euro.

Hudson's Bay

Hudson's Bay wurde 1670 gegründet und gilt als ältestes Unternehmen Nordamerikas. Bislang operiert der in Toronto ansässige und einst durch den Pelzhandel groß gewordene Konzern nur in Kanada und den Vereinigten Staaten. Das börsennotierte Unternehmen bietet unter seinen Marken Hudson Bay, Lord & Taylor und Saks Fifth Avenue Bekleidung, Accessoires, Schuhe, Schönheitsprodukte und Haushaltswaren an. In Kanada und den USA betreibt Hudson's Bay über 300 Geschäfte. 2014 betrug der Umsatz des Konzerns 8,2 Milliarden Kanadische Dollar (etwa 5,8 Milliarden Euro), der Gewinn erreichte unter dem Strich beinahe 240 Millionen Dollar.

Konkurrenz in Europa

Kaufhof soll für die Kanadier Sprungbrett sein für eine Expansion in Europa. Hier müssen sie sich vorrangig mit der italienischen Traditionskette La Rinascente sowie der größten europäischen Warenhauskette, der spanischen El Corte Ingles, auseinandersetzen. La Rinascente war 2011 mehrheitlich von der thailändischen Central Group übernommen worden. Die übernahm jüngst zudem 50,1 Prozent des operativen Geschäftes der Karstadt-Luxushäuser von Benko: das KaDeWe in Berlin, das Hamburger Alsterhaus und das Warenhaus Oberpollinger in München.

Investoren erhalten am Dienstag einen Eindruck davon, wie weit der Vorstandschef gekommen ist, wenn Metro die Umsätze im Weihnachtsgeschäft vorlegt. Nachdem internationale Sanktionen im vergangenen Jahr einen Börsengang des russischen Cash & Carry-Geschäftsverhinderten, fielen die jüngsten Neuigkeiten wieder besser aus. Das Unternehmen signalisierte robuste Geschäfte vor den Feiertagen. Eine überraschende Dividendenerhöhung am 25. November trug zu einem Kursgewinn von 5,6 Prozent seit Jahresbeginn bei.

Nach Jahren, in denen zu wenig investiert wurde, ist Metro in einer Aufholjagd – in einem Markt, der sich durch den Siegeszug des Online-Handels gewandelt hat. Koch nutzt die 1,75 Milliarden Euro aus dem Verkauf von Galeria Kaufhof, um die Schulden zu verringern, in E-Commerce zu investieren und die 2000 Läden von Metro attraktiver zu gestalten.

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Auch Übernahmen sind Teil von Kochs Plan. Anfang kommenden Jahres will Metro eine konzernweite Initiative ausrufen, um Start-ups auszumachen, in die der Konzern investieren kann, um Kunden wie Restaurants, Hotelbetreibern und unabhängigen Lebensmittelhändlern näher zu kommen. „So wie der Einzelhandel früher funktionierte, kontrollierten wir die Daten- und Informationskette“, sagte Koch. „Heute steht ist es genau anders herum“, weil Verbraucher nun auf ihren Smartphones Produkte recherchieren und Preise vergleichen könnten.

„In dieser Branche hat es sehr lange an der Modernisierung gehapert“, sagte Richard Clarke, Analyst bei Sanford C. Bernstein. „Sie tun gut daran, so schnell zu modernisieren, wie sie können, um ihren Wettbewerbern voraus zu sein.“

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