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09.05.2015

10:46 Uhr

Neue Offenheit bei Aldi

Discounter eröffnet erste Stromtankstelle

VonGeorg Weishaupt

Selten treten Aldi-Manager öffentlich auf, jahrelang gab der Discounter kaum etwas von sich preis. Nun hat das Imperium in Kooperation mit RWE seine erste Elektroladestation eröffnet – und über Strategie gesprochen.

Kunden müssen sich nicht registrieren und nichts zahlen, wenn sie bei Aldi ihr E-Auto laden wollen. obs

Die erste Aldi-Elektroladestation

Kunden müssen sich nicht registrieren und nichts zahlen, wenn sie bei Aldi ihr E-Auto laden wollen.

DüsseldorfEigentlich ist es ein normaler, langweiliger Parkplatz irgendwo in Düsseldorf. Doch ein Teil der Fläche aus grauen Betonsteinen ist abgesperrt, streng bewacht von Security-Leuten. Denn an diesem späten Freitagnachmittag findet auf dem Parkplatz der Aldi-Filiale im Norden der rheinischen Metropole etwas höchst Seltenes statt: Manager aus dem verschwiegenen Aldi-Imperium haben zu einem Pressetermin geladen.

Drei Herren, korrekt gekleidet in dunklen Anzügen, sind von Aldi Süd gekommen, um eine Premiere zu feiern: Sie eröffnen die erste Stromtankstelle für E-Autos und Elektrofahrräder in ihrem Discount-Reich. „Wir finden es faszinierend, dass wir mit dem Solarstrom vom Dach unserer Filiale die Autos unserer Kunden laden können“, sagt Karl-Heinz Kehl, Geschäftsführer Energiemanagement von Aldi im hessischen Mörfelden.

So überrascht er mit der Nachricht, dass die Kunden dafür nichts zahlen und sich nicht einmal registrieren müssen. Die Aldi-Manager haben sich für einen ihrer seltenen Auftritte in der Öffentlichkeit gut vorbereitet. Sie halten Zettel oder Kärtchen mit aufgeklebten Zetteln in der Hand, um ihre Reden bei der Pressekonferenz unter freiem Himmel reibungslos über die Bühne zu bringen. Als Bundesumweltministerin Barbara Hendricks spricht, eigens aus Berlin angereist, stehen sie artig im Halbkreis und lauschen der routiniert freien Rede des Politprofis, der „die Vorbildfunktion von Aldi bei der Elektromobilität“ lobt.

Aldi und die Öffentlichkeit sind ein schwieriges Kapitel. Jahrelang gab Deutschlands größter Discounter kaum etwas von sich preis. Im vergangenen Jahr war es schon fast eine Sensation, als Aldi-Manager nach Düsseldorf kamen, um eine Filiale am hinteren, weniger glamourösen Ende der Düsseldorfer Prachtmeile Königs-Allee einzuweihen.

Aldi Süd in Zahlen

Nettoumsatz in Deutschland

2013: 13,8 Milliarden Euro
2012: 12,35 Milliarden Euro
2011: 11,4 Milliarden Euro

Nettoumsatz in anderen Ländern 2012

USA: 6,09 Milliarden Euro
Großbritannien: 2,65 Milliarden Euro
Österreich: 2,51 Milliarden Euro

Verkaufsstellen in Deutschland

2013: 1830
2012: 1812
2011: 1800

Anzahl der Verkaufsstellen in anderen Ländern

USA: 1230
Großbritannien: 485
Österreich: 442

Nettoumsatz pro Quadratmeter

7900 Euro pro Quadratmeter
(in Deutschland im Jahr 2012)

Kundenzufriedenheit

Wert 2013: 2,14
Wert 2012: 2,16

Auf einer Skala von (1) sehr zufrieden bis (5) unzufrieden. Der Branchendurchschnitt lag bei der Umfrage bei 2,34, insgesamt lag Aldi mit der Wertung von 2,14 auf Platz eins.

Quelle

EHI Retail Institute

Dass sich Aldi Süd in kleinen Schritten der Öffentlichkeit öffnet, erklärt die Pressesprecherin mit dem „Wandel in der Gesellschaft, an dem wir teilnehmen“. Sie meint die größere Transparenz durch die sozialen Medien. Immerhin, betont sie, habe Aldi Süd im vergangenen Jahr schon 35 Pressemitteilungen veröffentlicht.

Die neue Offenheit geht soweit, dass die Aldi-Manager in Düsseldorf, bislang ungewöhnlich für den Discounter, sogar etwas von ihrer Strategie preisgeben: „Wir werden bis Juni insgesamt 50 Elektrotankstellen in Deutschland eröffnen“, kündigte Kehl an und verriet, dass der Handelsriese dafür 2,2 Millionen Euro investiere. Eine Schnellladung von rund 30 Minuten koste Aldi „rund sechs Euro“.

Aber ansonsten bleiben sie auch beim Düsseldorfer Auftritt ihrer alten Firmenphilosophie treu: Sparsamkeit und Bescheidenheit werden großgeschrieben. Ein paar weiße Stehtische und Windfahnen mit dem Aufdruck „Sonne tanken“ müssen als Dekoration auf dem Parkplatz reichen. Auch beim Catering bleiben sie sparsam. In einem kleinen Zelt gibt es Wasser aus Plastikflaschen der Aldi-Marke „Aqua Culinaris“ sowie Kaffee und Kuchen vom Aldi-Supermarkt nebenan.

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