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13.07.2012

10:59 Uhr

Neue Rettungsidee

Schlecker-Läden als Genossenschaften

In einem Wohngebiet im thüringischen Meinigen wächst eine neue Idee zu einer kleinen Schlecker-Rettung. Eine ehemalige Mitarbeiterin will eine Filiale zu einem Genossenschaftsladen machen.

Die freigestellte Schlecker-Mitarbeiterin Doreen Krieg will eine Schlecker-Filiale genossenschaftlich organisieren. dpa

Die freigestellte Schlecker-Mitarbeiterin Doreen Krieg will eine Schlecker-Filiale genossenschaftlich organisieren.

MeiningenDoreen Krieg glaubt an die Idee. „Es muss einer anfangen, diesen Weg zu gehen. Und dann werden andere Mutige folgen“, sagt die Thüringerin. Die 37-Jährige hat zwölf Jahre lang in der Schlecker-Filiale im Meininger Wohngebiet Jerusalem an der Kasse gestanden. Sie hat den Laden mit aufgebaut - und die Hoffnung nicht aufgegeben, dass es irgendwie weiter geht. Am Montag steht ein Treffen im Thüringer Wirtschaftsministerium an. „Wir wollen dort die Idee beraten, wie Beschäftigte ihre Schlecker-Filialen übernehmen und selbst weiterführen könnten“, heißt es im Einladungsschreiben der Gewerkschaft Verdi.

Doreen Krieg hofft, möglichst viele ihrer Ex-Kolleginnen zu treffen - knapp 900 haben allein in Thüringen durch die Pleite der Drogeriekette ihren Job verloren, bundesweit war bis Ende Juni für rund 13 000 Frauen Schluss. Ihre Filialen selbst zu übernehmen, „dazu fehlt uns allein das Geld“, sagt Krieg. Nötig seien möglichst viele Kunden, die Anteile an einer neuen Genossenschaft zeichnen - und zugleich durch ihre Treue zum Laden für die nötigen Umsätze sorgten.


Neben Verdi steht auch der Mitteldeutsche Genossenschaftsverband beratend zur Seite. „Die Voraussetzungen sind günstig: Wir haben kompetente Verkäuferinnen und zumindest im ländlichem Raum Läden, die sonst leerstehen“, sagt Verbandschef Gerald Thalheim. Er warnt aber davor, allein die Beschäftigungsperspektive für die Schlecker-Frauen in den Mittelpunkt zu stellen. Grundlage könne nur ein „tragfähiges Geschäftsmodell“ sein. „Wenn die Bevölkerung das Geschäft nicht als eigenen Laden empfindet, dann funktioniert das nicht langfristig“, sagt er.

Was seit der Insolvenz bei Schlecker passiert ist

20. Januar 2012

Schlecker verkündet seine Zahlungsunfähigkeit. Für 30.000 Mitarbeiter beginnt das Bangen um den Arbeitsplatz.

23. Januar 2012

Der Insolvenzantrag geht beim Ulmer Amtsgericht ein. Als vorläufigen Insolvenzverwalter bestimmt das Gericht den Wirtschaftsprüfer Arndt Geiwitz.

26. Januar 2012

Die Unternehmenstochter Ihr Platz stellt Insolvenzantrag.

29. Februar 2012

Geiwitz kündigt an, dass Schlecker Ende März mehr als 2000 Filialen in Deutschland schließen wird und über 11.000 Mitarbeiter gehen müssen.

5. März 2012

Das Land Baden-Württemberg stellt erstmals eine Kreditbürgschaft in Aussicht. Andere Länder und der Bund sollen mitmachen. Mit Hilfe der Bürgschaft soll Schlecker einen Kredit aufnehmen, um damit eine Auffanggesellschaft für entlassene Mitarbeiter zu finanzieren.

11. März 2012

Das Bundeswirtschaftsministerium lehnt eine Beteiligung an der rund 70 Millionen Euro schweren Kreditbürgschaft ab.

29. März 2012

Eine von den Bundesländern getragene Bürgschaft scheitert am Widerstand der FDP. Gut 10.000 Beschäftigte werden damit ab April arbeitslos.

2. Mai 2012

Die Aufteilung von Schlecker beginnt: Das tschechische Handelsunternehmen PKS kauft die dortige Schlecker-Tochter. Auch für andere Auslandsableger und für Ihr Platz soll es Investoren geben.

23. Mai 2012

Die Interessenten für das Gesamtunternehmen werden weniger: Nach Penta springt Medienberichten zufolge auch das Emirat Katar als möglicher Investor ab. Rund 4000 Kündigungsschutzklagen entlassener Mitarbeiter erschweren die Investorensuche, weil sie Zusatzkosten verursachen könnten. Außerdem gibt es noch keinen Sanierungstarifvertrag für die verbliebenen gut 13.000 Beschäftigten.

24. Mai 2012

Es wird bekannt, dass der Karstadt-Käufer Nicolas Berggruen sich angeblich für Schlecker interessiert.

1. Juni 2012

Die Gläubigerversammlung ist zusammentreten - und hat beschlossen, dass Schlecker abgewickelt werden soll.

8. Juni 2012

Bei Schlecker beginnt der Ausverkauf. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen zum Monatsende die Kündigung erhalten.

27. Juni 2012

Der Ausverkauf endet: Bis auf die XL- und die Ihr Platz-Märkte schließen sämtliche Schlecker-Filialen. Es wird bekannt, dass Anton Schlecker sein Privathaus im Wert von zwei Millionen Euro vor der Insolvenz an seine Frau übertragen hat. Ein weiteres Grundstück soll an seinen Sohn gegangen sein.

8. Juli 2012

Frühere Berater werfen Anton Schlecker schwere Fehler vor. Der Unternehmer habe bei einem Restrukturierungsprogramm nicht über Finanzierungsfragen sprechen wollen. Außerdem habe er die Schließung unrentabler Filialen verhindert.

18. Juli 2012

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart leitet ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Untreue, Insolvenzverschleppung und Bankrott gegen Anton Schlecker und 13 weitere Beschuldigte ein.

Nach Verbandsangaben könnte ein Anteil an einem solchen Bürgerkonsum beispielsweise 50 Euro betragen - je nach dem Willen der Mitglieder. Das Prinzip ist „ein Mitglied, eine Stimme“ - jeder kann mitreden, völlig unabhängig vom eingebrachten Kapital. Thalheim sieht darin den Gegenentwurf zum ausschließlich auf Rendite ausgerichteten Kapitalismus. Die sozialistische Tageszeitung „Neues Deutschland“ frohlockt bereits. „Wie Schlecker, nur besser“, schreibt sie über die Meininger Idee.

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

13.07.2012, 12:42 Uhr

Hallo,

gibt es eine Möglichkeit mit der Dame in Kontakt zu treten?

Account gelöscht!

13.07.2012, 12:59 Uhr

Gute Sache!!!

So lange keine Subventionen gezahlt werden, wünsche ich den Genossen viel Glück!!!

unikat

16.07.2012, 12:59 Uhr

so etwas kann in keiner weise überleben....willkommen in der wirklichkeit! es gibt nur eine handvoll gute mitarbeiter von schlecker, die auch über genügend wirtschaftliche strukturen bescheid wissen! hier wurde alles per papier erledigt, kein geschlossenes warenwirtschaftssystem usw. sorry aber einen tante emma laden brauchen wir nicht! es gibt müller, dm und rossmann und alle anderen stocken ihre drogerieartikel auf....jeder lieferrant lacht sich bereits jetzt schon schlapp.....sorry hier geht man an der zukunft vorbei - wie anton schlecker halt!!!!!!

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