Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.05.2015

17:21 Uhr

Neue Streiks abgewendet

Bahn und EVG einigen sich auf Tarifabschluss

Im Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn ist eine wichtige Etappe geschafft: Der Konzern einigt sich mit der EVG, der größeren der beiden Gewerkschaften. Doch vor der Schlichtung mit der GDL bleibt die Lage schwierig.

Tarifkonflikt beendet

Bahn und EVG einigen sich: 3,6 Prozent mehr Lohn

Tarifkonflikt beendet: Bahn und EVG einigen sich: 3,6 Prozent mehr Lohn

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

BerlinFür die Fahrgäste der Deutschen Bahn bleiben die nächsten Wochen streikfrei. Nach fast einem Jahr Verhandlungen einigte sich der Konzern am Mittwoch mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) auf einen Tarifabschluss.

Zudem begann in Berlin die Schlichtung mit der zweiten Bahn-Gewerkschaft, der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL). Deren Mitglieder hatten in der laufenden Tarifrunde bereits neun Mal die Arbeit niedergelegt. Während der bis zum 17. Juni angesetzten Schlichtung sind weitere Streiks ausgeschlossen.

Der Tarifabschluss mit der EVG bedeutet für rund 160.000 Beschäftigte des Konzerns eine Einkommenserhöhung um 3,5 Prozent zum 1. Juli, mindestens jedoch 80 Euro mehr. Am 1. Mai 2016 steigen die Löhne dann noch einmal um 1,6 Prozent, mindestens um 40 Euro.

Der Tarifvertrag läuft bis Ende September 2016. Außerdem erhalten die Eisenbahner für den elfmonatigen Zeitraum der Tarifverhandlungen eine Einmalzahlung von 1100 Euro, wovon 750 Euro bereits als Abschlag ausbezahlt wurden.

Die Streiks der GDL

1. Warnstreik am 1. September

Drei Stunden im Personen- und Güterverkehr.

2. Warnstreik am 6. September

Drei Stunden im Personen- und Güterverkehr.

1. regulärer Streik am 7. und 8. Oktober

Neun Stunden im Personen- und Güterverkehr.

2. Streik am 15. und 16. Oktober

14 Stunden im Personen- und Güterverkehr.

3. Streik vom 17. bis 20. Oktober

50 Stunden im Personenverkehr und 61 Stunden im Güterverkehr.

4. Streik vom 6. bis 8. November

64 Stunden im Personenverkehr und 75 Stunden im Güterverkehr.

5. Streik vom 21. bis 24. April

66 Stunden im Güterverkehr, Dienstag (15 Uhr) bis Freitag (9 Uhr) und 44 Stunden im Personenverkehr, Mittwoch (2 Uhr) bis Donnerstag (21 Uhr).

6. Streik vom 4. bis 10. Mai

Bislang längster Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn AG - 127 Stunden im Personenverkehr und 138 Streikstunden im Güterverkehr

7. Streik vom 19. bis 21. Mai

Die GDL streikt zunächst, ohne einen Endpunkt zu nennen – einigt sich aber am 21. Mai mit der Bahn auf eine Schlichtung.

EVG-Verhandlungsführerin Regina Rusch-Ziemba zeigte sich mit dem Abschluss zufrieden. Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber sagte: „Wir sind an die Grenze dessen gegangen, was unsere Geschäfte hergeben. Damit erkennen wir die gute Leistung unserer Mitarbeiter an.“

Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) zeigte sich erfreut über den Abschluss bei dem Bundesunternehmen, der zustande kam, ohne dass die EVG zu Warnstreiks oder gar regulären Streiks aufrufen musste. „Das könnte ein Muster für die anstehenden Tarifgespräche zwischen der Deutschen Bahn und der GDL sein“, meinte Dobrindt.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Sergio Puntila

27.05.2015, 12:24 Uhr

Kein Wort zu Arbeitsbedingungen, zu denen sich die GDL bundesweit angefeindet sehen musste aufgrund ihres Engagements.

Es wird darauf ankommen, ob es überhaupt noch Schlichtungsverhandlungen geben kann angesichts der zusehends verfahrener wirkenden Situation für die MA des staatsmehrheitlich geführten Unternehmens namens Deutsche Bahn.

Herr Niccolo Machiavelli

27.05.2015, 12:26 Uhr

Wie hoch ist denn effektive durchschnittliche Lohnerhöhung p.a.? Ist für mich so anhand der Angaben nicht erkennbar.

Ich wäre hier insofern für eine Ergänzung dankbar.

Herr Niccolo Machiavelli

27.05.2015, 13:33 Uhr

Ich habe mich inzwischen anderweitig kundig gemacht.

Wenn wir die Zeit der Verhandlungen hinzunehmen, haben wir eine Gesamtlaufzeit von 25 Monaten.

Darin wurden für 11 Monate zusätzliche Festbeträge von EUR 100 pro Monat und Mitarbeiter gezahlt.

Unter Berücksichtigung der niedrigeren Lohngruppen ergibt sich effektiv im Durchschnitt eine Lohnerhöhung p.a. von gut 4 %.

Dies zeigt, wie dem Vorstand der Deutschen Bahn das Wasser bis zum Hals stehen muss, dass sich die EVG mit ihren Vorstellungen fast vollständig durchsetzen konnte.

Wirtschaftlich vertretbar und sozialpolitisch gerechtfertigt ist dieses Ergebnis sicher nicht.

Zusammengenommen mit den von GDL-Seite streikbedingten temporären und dauerhaften Schäden dürfte die Deutsche Bahn in 2015 ein deutlich negatives Ergebnis erzielen.

Angesichts des massiven Konkurrenzdrucks und des Imageschadens wird die Deutsche Bahn die massiven Lohnerhöhungen nicht annähernd vollständig an die Kunden durchreichen können.

Die Deutsche Bahn steht nun unter massivem Kostendruck. Stellenstreichungen erscheinen unausweichlich.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×