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04.11.2014

01:58 Uhr

Neue Streiks bei der Bahn

„Die GDL sägt am eigenen Ast“

Schaden sich die Lokführer selbst? Der Fahrgastverband Pro Bahn befürchtet, dass viele Menschen wegen der Streiks der Gewerkschaft GDL dauerhaft auf Fernbusse umsteigen. Das eigene Lager unterstützt den Arbeitskampf.

Geplanter Lokführer-Arbeitskampf

91-Stunden-Streik würde Logistik massiv stören

Geplanter Lokführer-Arbeitskampf: 91-Stunden-Streik würde Logistik massiv stören

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BerlinDer Fahrgastverband „Pro Bahn“ hat die Lokführer-Gewerkschaft GDL wegen ihrer erneuten Streikandrohung massiv kritisiert. „Die Fahrgäste haben immer weniger Verständnis für die Lokführer“, sagte „Pro Bahn“-Sprecher Gerd Aschoff der „Rheinischen Post“.

Vor allem Berufstätige spürten die Folgen unmittelbar, wenn sie nicht oder verspätet zu wichtigen Terminen kämen. Zudem schädigten die Streiks die Bahn auch langfristig, weil ein Teil der Fahrgäste, die wegen der Zugausfälle auf Fernbusse umsteigen müssten, als Kunden dauerhaft verloren ginge. Auch im Güterverkehr drohe ein dauerhafter Umsatzverlust, weil die Logistik-Branche ihre auf Lkw umgestellten Transporte nicht so einfach wieder ändern werde. „Die GDL sägt am eigenen Ast“, sagte Aschoff.

Dagegen sicherte der Deutsche Beamtenbund (DBB) der GDL seine Unterstützung zu. Angesichts dessen, was die Bahn als Tarifvertrag vorgeschlagen habe, sei die fehlende Unterschrift nachvollziehbar, sagte DBB-Vorsitzende Klaus Dauderstädt der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Die Bahn fordere faktisch eine Art Unterwerfungserklärung von der GDL. Die Gewerkschaft hatte am Montag mit einem neuen Arbeitskampf gedroht, weil erneut ein Lösungsversuch im Tarifkonflikt scheiterte.

Der Tarifkonflikt bei der Bahn

Die GDL-Forderungen

Die GDL verlangt fünf Prozent mehr Lohn und Gehalt sowie eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit von 39 auf 37 Stunden. Daneben müsse es insgesamt familienfreundlichere Schichtregelungen geben.

Für wen die GDL verhandeln will

Das ist der Kern des Konflikts: Bislang schloss sie Tarifverträge für die 20.000 Lokführer, bei denen sie die stärkste Arbeitnehmervertretung ist. Die übrigen Berufsgruppen, insgesamt rund 140.000 Beschäftigte, vertrat die größere Eisenbahn-und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Zwischen beiden Gewerkschaften gab es ein Abkommen, das dies regelte. Dies ist jedoch im Juni ausgelaufen und wurde nicht verlängert.

Die GDL will nun auch für rund 17.000 Mitarbeiter des Bordpersonals wie Zugbegleiter und Restaurantkräfte sowie Rangierführer verhandeln. In der Gruppe des Zugpersonals insgesamt, also mit Lokführern, sei man die stärkste Gewerkschaft, argumentiert die GDL.

Die Position der Bahn

Die Bahn will mit der GDL einen Lokführer-Vertrag abschließen, lehnt aber konkurrierende Verhandlungen mit zwei Gewerkschaften zur gleichen Berufsgruppe strikt ab. Denn die EVG will im Gegenzug zur GDL nun auch für ihre Mitglieder unter den Lokführer einen eigenen Vertrag. Dies kann den Konflikt weiter verschärfen: Die EVG will am Mittwoch mit der Bahn verhandeln.

Rivalität zwischen GDL und EVG

Eine neue Verständigung zwischen GDL und EVG könnte den Konflikt entschärfen. Dies ist jedoch unwahrscheinlich. Zum einen will die GDL ihren Einfluss ausdehnen. Zum anderen verläuft ein tiefer Riss zwischen den Organisationen, da die Vorgängerorganisation der EVG die Börsenpläne von Ex-Bahnchef Hartmut Mehdorn unterstützt hatte. Dies gipfelte im Wechsel von Gewerkschaftschef Norbert Hansen in den Bahn-Vorstand. Seitdem sieht sich die GDL als einzige wirkliche Arbeitnehmervertretung.

Tarifeinheitsgesetz

Die GDL fürchtet, dass die Politik der Bahn mit dem geplanten Tarifeinheitsgesetz beispringt. Damit soll der Einfluss von Spartengewerkschaften wie der GDL oder der Pilotenvereinigung Cockpit begrenzt werden. Die GDL wirft der Bahn vor, mit ihrer Haltung Streiks provozieren zu wollen, damit das Gesetz schneller und schärfer kommt. Ein Entwurf soll im November vorgestellt werden.

Dabei will sie bei ihrem Kurs bleiben, die Streikdauer zu steigern. Vor zwei Wochen hatte die GDL für insgesamt 60 Stunden bundesweit den Reise- und Güterverkehr zu großen Teilen lahmgelegt. Der längste Arbeitskampf fand 2007 mit 62 Stunden statt. Die „Bild“-Zeitung berichtete zuletzt von Planungen für einen Ausstand über 91 Stunden.

Die GDL verlangt fünf Prozent mehr Lohn im Jahr bei kürzeren Arbeitszeiten. Kern des Konflikts ist aber, dass sie dies nicht mehr allein für die 20.000 Lokführer fordert, sondern auch für rund 17.000 Zugbegleiter und Rangierführer. Die Vertretung dieser Gruppe beansprucht allerdings die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) für sich. Die Bahn lehnt konkurrierende Tarifabschlüsse ab.

Von

rtr

Kommentare (5)

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Herr Teito Klein

04.11.2014, 07:56 Uhr

Streik um des Streikes Willen
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Schaden sich die Lokführer selbst? Der Fahrgastverband Pro Bahn befürchtet, dass viele Menschen wegen der Streiks der Gewerkschaft GDL dauerhaft auf Fernbusse umsteigen.

Das ist die beste Werbung für die Fernbusse, Privatbahnen, LKWs, Taxis, Mietwagen, etc.
Wer einmal von der Bahn weg ist, der kommt nie mehr zurück.
Somit macht sich die Bahn selbst überflüssig.
Für diese Streiks hat niemand mehr Verständnis außer die GDL selbst.
Hier sollte sich Nahles mit ihrem Gesetz zur Tarifeinheit beeilen!

Herr thomas oldendorp

04.11.2014, 08:43 Uhr

GDL IM ABSEITS
::::::::::::::
es wird einsam um den vorsitzenden der GDL:
DGB - PRO BAHN - bahnfahrer und weitere teile
der Bevölkerung haben kein Verständnis mehr
für für das verhalten der GDL.
..
selbst ein teil der eigenen Mitglieder wollen
dem kurs des vorsitzenden nicht mehr folgen.
..
es wird zeit, einsicht zu zeigen.!!
..

Herr Markus Gerle

04.11.2014, 08:44 Uhr

Beruflich bin ich vor vielen Jahren sehr oft mit der Bahn gefahren. In Deutschland habe ich der Bahn jedoch schon vor vielen Jahren den Rücken gekehrt und bin komplett auf Auto und Flugzeug umgestiegen. Dies jedoch wegen ständiger Verspätungen und verpasster Anschlusszüge, kostenpflichtiger Siztplatzreservierungen, ohne einen Sitzplatz zu bekommen und den ganzen anderen Mist bei diesem Chaos-Unternehmen. Die Streikerei wird jetzt sicher bei anderen, die noch durchgehalten haben, das Fass zum Überlaufen bringen.
Im August war ich in Japan. Die haben ein funktionierendes Eisenbahnsystem mit phantastischen Zügen. Aber da sind wir noch Jahrhunderte von entfernt.

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