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18.04.2013

10:03 Uhr

Neue Supermarktkette Dayli

Keine Chance für den „Schlecker-Nachfolger“?

Rudolf Haberleitner will vielen Schlecker-Filialen neues Leben einhauchen. Seine Dayli-Märkte sollen kleine Alleskönner werden. Doch die Konkurrenz schmunzelt über den Newcomer – denn bisher ist wenig passiert.

Einkaufswagen eines geschlossenen Schlecker-Marktes. Schafft es die neue Kette Dayli sich durchzusetzen? dpa

Einkaufswagen eines geschlossenen Schlecker-Marktes. Schafft es die neue Kette Dayli sich durchzusetzen?

WienDie Pläne des österreichischen Investors Rudolf Haberleitner sind mindestens ambitioniert. Er will Europa mit tausenden Dayli-Märkten überziehen und damit Hunderte Schlecker-Märkte wiederbeleben. Spätestens 2017 soll sein Unternehmen an die Börse. Doch Experten wie Konkurrenten sind skeptisch. Bisher ist kaum etwas umgesetzt, der Dayli-Start in Deutschland wurde bereits mehrfach verschoben. In der Handelsbranche gilt der 68-Jährige als Newcomer.

„Das Konzept ist neu, aber der dahinterstehende Gedanke nicht“, sagt der Geschäftsführer der Sektion Handel der Wirtschaftskammer Österreich, René Tritscher. Haberleitner schwebt eine Art moderner Tante-Emma-Laden vor, in dem die Menschen vor Ort von Lebensmitteln bis zu Drogerieartikeln alles für das tägliche Leben bekommen. Dazu soll es ein Bistro und zahlreiche weitere Dienstleistungen wie eine Autovermietung und einen Reinigungsservice geben. Alles, was nicht lagernd ist, kann über das Internet bestellt werden.

Die Lehren aus der Schlecker-Pleite

Der Fachmann

Roland Alter hat das erste Buch über die Schleckerpleite geschrieben. Die frühere Siemens-Führungskraft ist heute Professor für Betriebswirtschaft und erfolgreicher Autor. In seinem Buch „Schlecker oder: Geiz ist dumm“ (Rotbuch Verlag) hat er die Gründe für den Niedergang analysiert und acht Lehren daraus gezogen...

Kultur des Vertrauens

Mitarbeiter bringen auf Dauer nur Top-Leistungen, wenn die Vertrauens- und Wertekultur in einem Unternehmen stimmt. Das gilt besonders in Krisenzeiten. Anton Schlecker entsprach nicht dem Leitbild des ehrbaren Kaufmanns. Selbst das Prinzip der Wahrheit wurde bei Schlecker mit Füßen getreten.

Kritischer Input von außen

Meinungen von außen sind wie frische Luft. Doch statt eines offenes Fensters gab es bei Schlecker nur Mauern. Dabei kann ein Familienunternehmen mit einem gut besetzten Beirat viel erreichen, ohne nennenswert Geld ausgeben zu müssen oder Geheimnisverrat fürchten zu müssen.

Uhren aufhängen statt Zeit ansagen

Studien haben bewiesen: In langfristig erfolgreichen Unternehmen sind die Strukturen so, dass es nur bedingt auf Einzelpersonen ankommt. Um ein Bild zu benutzen: Lieber Uhren aufhängen als ständig die Zeit anzusagen.

Professionalität im strategischen Management

Ein Unternehmen braucht nicht eine Strategie – es braucht für jede Situation die richtige Strategie. Daran ist Schlecker brutal gescheitert. Es braucht einen Mix aus Erfahrung, Intuition und Branchenkenntnis. In dieses Know-how muss ein Unternehmen entsprechend investieren.

Entscheiden, solange entschieden werden kann

Bei Schlecker passierte vieles viel zu spät. Die Medizin wurde verabreicht, als der Patient nicht mehr zu retten war. Rechtzeitig die richtigen Entscheidung vorzubereiten klingt trivial, ist aber ein Kardinalfehler vieler kriselnden Unternehmen á la Schlecker.

Ressourcen für eine neue Strategie bereitstellen

Die beste Strategie, die wirklich zur Rettung taugen könnte, nützt nichts, wenn die Mittel fehlen, um sie umzusetzen. Gerade während einer Aufholjagd braucht es alle möglichen Ressourcen. Auch die wurden bei Schlecker nicht bereitgestellt.

Mit der Öffentlichkeit professionell kommunizieren

Image ist immer mit Vertrauen verbunden. Und Schlecker ging mit seiner Imagekrise alles andere als professionell um. Die Öffentlichkeit sollte das Handelns eines Unternehmens verstehen. Dazu gehört auch eine effektive Kommunikation mit den Medien. Das alles gab es bei Schlecker nicht.

Den richtigen Zeitpunkt zum Gehen finden

Wenn Investoren und Mitarbeiter neues Vertrauen schöpfen sollen, braucht es bisweilen auch personelle Veränderungen. Bei Schlecker war das fraglos so, doch Anton Schlecker verpasste den Abschied gleich mehrfach. Dabei sollte eine Firmenübergabe immer dann stattfinden, wen es dem Unternehmen möglichst gut geht.

In Österreich hat Haberleitner bereits mehrere Testmärkte eröffnet. Mit seiner Wiener Investmentgesellschaft TAP 09 kaufte er 2012 die Schlecker-Auslandsgesellschaft in Österreich mit Filialen in weiteren Ländern. Im Mai sollen in Bayern die ersten Versuchsfilialen folgen. Bis Ende des Jahre sollen 400 angemietete ehemalige Schlecker-Filialen in Baden-Württemberg, Bayern und Rheinland-Pfalz wieder offen sein. Europaweit plant Haberleitner 4800 Filialen bis 2016.

Dass das Sortiment gemischter und breiter wird, passiere momentan überall, sagte Tritscher. Supermärkte bieten beispielsweise unter anderem Systemgastronomie an, viele Drogerien auch Lebensmittel oder einen Reinigungsservice und kleine Einzelhändler frischgebrühten Kaffee. Nicht nur deshalb ist es für Neulinge schwer, im hart umkämpften Drogerie- und Lebensmittelmarkt noch einen Platz zu finden, sind sich deutsche wie österreichische Experten einig.

In Österreich gebe es bereits deutlich zu viele Läden, er glaube nicht an den Erfolg des Vorhabens, sagt der Handelsexperte der Wirtschaftsuniversität Wien, Peter Schnedlitz.

„Alle Waren, die ich bisher bei Dayli gesehen habe, werden auch wo anders angeboten“, sagt Tritscher. Allein durch die Nähe lasse sich heute kaum ein Kunde binden: Wenn das Sortiment austauschbar und die Ware womöglich wo anders auch noch billiger sei, sei der Kunde durchaus bereit, auch weiter zu fahren. „Gerade auf dem Land hat die Mobilität zugenommen“, sagt Tritscher.

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