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16.01.2011

10:00 Uhr

Neue Vertriebswege

Grüner Strom wird salonfähig

VonGeorg Weishaupt

Die Anbieter von umweltfreundlichem Strom verlassen ihre Marktnische. Sie testen ganz neue Vertriebswege wie Media-Märkte oder die Postbank. Außerdem steigen auch immer mehr Firmenkunden auf grünen Strom um. Trotz des Erfolgs ist der Ökostrom noch weit entfernt vom Massenmarkt.

Sonnenkollektoren im Solarkraftwerk: Die Anbieter von Ökostrom verlassen ihre Marktnische und testen ganz neue Vertriebswege aus. dpa

Sonnenkollektoren im Solarkraftwerk: Die Anbieter von Ökostrom verlassen ihre Marktnische und testen ganz neue Vertriebswege aus.

DÜSSELDORF. Die Ökostromanbieter haben große Ziele. "Wir werden diese Woche unseren 100 000sten Kunden begrüßen", freut sich Thomas E. Banning, Vorstand der Naturstrom AG - ein gewaltiger Sprung. Ende 2009 hatte das Düsseldorfer Stromhandels-Unternehmen erst 55 000 Kunden. Und im laufenden Jahr erwartet er "noch einmal ein kräftiges Wachstum auf 150 000 Kunden", wie er dem Handelsblatt sagte.

Auch die Konkurrenten von Naturstrom wie die Nummer eins, Lichtblick, sowie Greenpeace Energy, beide Hamburg, rechnen dieses Jahr mit vielen Neukunden. "Wir werden 2011 deutlich wachsen", prognostiziert der Lichtblick-Sprecher. "Wir wollen die 100000-Kunden-Marke überspringen", sagte Robert Werner, Vorstand von Greenpeace Energy. Woher kommt der Erfolg? "Das Öko-Bewusstsein der Bevölkerung ist in den vergangenen Jahren gestiegen", sagt Anderas Stender, Energieexperte der Unternehmensberatung A.T.Kearney in Berlin. "Außerdem sind viele Ökostromanbieter in den vergangenen Jahren professioneller geworden".

Und sie wollen noch mehr. Die Nummer eins Lichtblick versucht ganz neue Vertriebswege. "Wir testen derzeit den Verkauf über Media-Märkte", verrät der Unternehmenssprecher. Sollte der Versuch für beide Seiten gut verlaufen, würde sich für die Hamburger die Tür zur bundesweiten Elektronikkette öffnen. Außerdem arbeiten die Hamburger bereits mit der Postbank und dem Händler von Outdoor-Produkten, Globetrotter, zusammen.

Viele Stadtwerke sind für Greenpeace tabu

Konkurrent Greenpeace Energy geht einen anderen Weg. Er testet gerade den Vertrieb über Stadtwerke. "Damit wollen wir Kunden gewinnen, die wir über klassische Vertriebswege nicht erreichen", sagt Vorstand Robert Werner. Aber viele Stadtwerke sind als Verkaufsstellen für Greenpeace tabu: Solche, an denen einer der vier großen deutschen Energiekonzerne beteiligt ist, die auch Atomkraftwerke betreiben.

Ökostromanbieter hatten nicht immer einen solchen Zulauf. "Anfangs hat Naturstrom, aus Gutmenschen-Gedanken heraus gegründet, die Regeln der Betriebswirtschaft etwas vernachlässigt", sagt Banning. Er stieg selbst zu einer Zeit bei Naturstrom ein, als die Firma noch kein Geld verdiente. Das hat sich geändert. Für 2010 nennt er bei rund "50 bis 60 Millionen Euro Umsatz" einen Gewinn vor Steuern von rund "1,5 bis zwei Millionen Euro".

Vor allem Firmenkunden wechseln inzwischen zu Ökostromanbietern. So hat Naturstrom vor kurzem eine Biomarkt- und eine Reformhauskette unter Vertrag genommen. Und Lichtblick freut sich über Kunden wie etwa das Umweltbundesamt oder den Sportartikelhersteller Puma. Doch die unabhängigen grünen Unternehmen, die ihren Strom nur aus Wasser- und Windkraftwerken beziehen, bekommen mehr und mehr Konkurrenz von etablierten Versorgern, die auch noch Ökoprodukte anbieten. Die Unterscheidung zwischen den Anbietern ist für die Kunden nach Ansicht von Fachleuten oft schwierig.

Trotz des Erfolgs ist der Ökostrommarkt vom Massenmarkt noch weit entfernt. Aber immerhin sind nach Berechnungen von A.T.Kearney bisher schon rund 15 Prozent aller Kunden zu einem alternativen Anbieter gewechselt. Und das sind bis heute

Kommentare (5)

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tomtomtoy

16.01.2011, 13:33 Uhr

Gewinn vor Steuern von rund "1,5 bis zwei Millionen Euro".
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Kunststück , bei den Subventionen !

norbert

16.01.2011, 13:39 Uhr

27% der Naturstrom-Aktien gehören der eco eco AG, deren Aktionär in der Schweiz zu sitzen scheint. Wäre ja mal interessant, wer dahinter steckt ...

norbert

16.01.2011, 13:52 Uhr

@tomtomtoy
Das sind max. 4% vor Steuern. Das ist nicht besonders viel.

EOn zahlt über 5% (auf jetzigen Kurs) Dividende (und behält dabei noch 'ne Menge für sich).

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