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10.03.2014

13:49 Uhr

Neue Zahlen

Karstadt mit Riesenverlusten

Die Warenhauskette Karstadt ist im Geschäftsjahr 2011/12 tief in die roten Zahlen gerutscht. Das geht aus neuen Zahlen des Bundesanzeigers hervor. Der Fehlbetrag belief sich auf mehr als 150 Millionen Euro.

Karstadt in Schieflage: Auch dreieinhalb Jahre nach der Übernahme durch den Investor Nicolas Berggruen steckt die Warenhauskette Karstadt noch immer in der Krise. dpa

Karstadt in Schieflage: Auch dreieinhalb Jahre nach der Übernahme durch den Investor Nicolas Berggruen steckt die Warenhauskette Karstadt noch immer in der Krise.

DüsseldorfDer Warenhausriese Karstadt steckt tief in der Verlustzone. Im Bundesanzeiger veröffentlichte Zahlen für das Geschäftsjahr 2011/12 belegen, dass das Traditionsunternehmen sein Minus sogar deutlich ausgeweitet hat. Zugleich ging der Umsatz zurück, wie dem Zahlenwerk der Karstadt Warenhaus GmbH am Montag zu entnehmen war. Die Erlöse sanken von Oktober 2011 bis September 2012 auf 2,93 (Vorjahr: 3,26) Milliarden Euro. Auch beim Betriebsergebnis rutsche Karstadt in die roten Zahlen: Der Verlust im gewöhnlichen Geschäft belief sich auf 30 Millionen Euro, im Jahr davor war noch ein Betriebsgewinn von 16,3 Millionen Euro verbucht worden. Unter dem Strich wies Karstadt für 2011/12 mit damals 84 Warenhäusern einen Fehlbetrag von 158 Millionen Euro aus - nach einem Minus von 20,81 Millionen Euro im Vorjahr. Aber auch die Premiumhäuser um das Berliner KaDeWe erwirtschafteten einen Verlust.

Der Warenhauskonzern hatte 2009 Insolvenz angemeldet und wurde im Herbst 2010 vom Milliardär Nicolas Berggruen übernommen. Bilanzen werden seitdem nur noch im Bundesanzeiger veröffentlicht - zuletzt hatte Karstadt nur ein Umsatzrückgang für das Weihnachtsgeschäft eingeräumt. Absolute Zahlen nannte der Konzern nicht.

Die seit Ende Februar amtierende neue Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt soll den Traditionskonzern nun zügig auf Kurs bringen. Es müsse sich rasch ändern, dass Karstadt nicht profitabel sei, hatte die ehemalige Ikea-Managerin angekündigt. Sie hat ein schweres Erbe übernommen - neben Verlusten und Umsatzrückgängen macht Karstadt auch ein Dauerstreit mit der Gewerkschaft Verdi um einen vorübergehenden Ausstieg aus der Tarifbindung zu schaffen. Der Konzern will sich damit Lohnerhöhungen sparen.

Im Jahr 2011/12 hatte aber noch Sjöstedts Vorgänger Andrew Jennings das Sagen. Er hatte Karstadt vor allem auf Mode ausgerichtet, unter anderem Unterhaltungselektronik verschwand unter seiner Regie aus den Regalen - auch das habe zu Umsatzeinbußen geführt, hieß es nun.

Karstadts Krisen-Chronik (Teil 1)

Keine Wende

Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Im Juni 2010 stieg Investor Nicolas Berggruen ein. Von seinem Einspringen wurde die Wende erhofft. Die Chronik der Krise.

1. September 2009

Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH - wird das Insolvenzverfahren eröffnet.

1. Dezember

Zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern sollen nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.

15. März 2010

Beim Essener Amtsgericht wird ein Insolvenzplan vorgelegt. Am 12. April stimmen die Gläubiger dem Plan zu.

1. Juni

Von bundesweit 94 Kommunen haben bis auf drei alle einem Verzicht auf Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher.

7. Juni

Die vom Privatinvestor Nicolas Berggruen gesteuerte Berggruen Holding erhält vom Gläubigerausschuss den Zuschlag zur Übernahme. Einen Tag später unterschreibt Berggruen den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert vom Karstadt-Standortvermieter Highstreet deutliche Mietsenkungen.

14. Juni

Eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten endet ohne Ergebnis. Am 20. Juni lehnt Berggruen ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.

26. August

Berggruen hat sich mit der Essener Valovis-Bank geeinigt. Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es.

2. September

Die Highstreet-Gläubiger stimmen den von Investor Berggruen geforderten Mietsenkungen zu.

30. September

Das Essener Amtsgericht hebt das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.

In der Ära Jennings hatte sich Eigner Berggruen auch von der Mehrheit an zwei Filetstücken des Konzerns getrennt. Der österreichische Investor Rene Benko hatte die Mehrheit am operativen Geschäft von Karstadt Sports und der Premium Group übernommen - in ihr sind die Luxuswarenhäuser rund um das KaDeWe gebündelt. Benko besitzt zudem zahlreiche Karstadt-Immobilien. Berggruen hat nunmehr nur noch die Mehrheit am traditionellen Warenhausgeschäft. Die Aufspaltung hatte in der Belegschaft Sorgen befeuert, Karstadt könnte endgültig zerschlagen und mit der Metro -Tochter Kaufhof verschmolzen werden. Benko hatte schon erfolglos bei Metro wegen einer Kaufhof-Übernahme angeklopft. Aber auch Benkos Luxushäuser arbeiteten nicht profitabel. Die Karstadt Premium GmbH wies dem im Bundesanzeiger veröffentlichen Zahlenwerk zufolge für die Zeit von Oktober 2011 bis September 2012 einen Fehlbetrag von 7,59 Millionen Euro aus.

Interview

„Braucht Deutschland Karstadt überhaupt?“

Interview: „Braucht Deutschland Karstadt überhaupt?“

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Von

rtr

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

10.03.2014, 17:51 Uhr

die Sahne wurde schon zu Zeiten von Middelhof abgeschöpft,
den Rest wird sich jetzt der - ach so gute - Herr Berggruen einverleiben.
Heuschrecken par excellance.

Account gelöscht!

10.03.2014, 18:57 Uhr

Verluste? Dies, wo doch Experten am Werk sind? Spitzenmanager mit Spitzengehälter. Eine hervorragende Ausbildung müssen die Manager an Deutschlands universitäten genießen!

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