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17.08.2015

20:45 Uhr

Neuer Betrugsverdacht am BER

Siemens schaltet Staatsanwaltschaft ein

Der Pannenflughafen BER kommt nicht aus den Negativschlagzeilen: Siemens und die Flughafengesellschaft FBB haben die Staatsanwaltschaft Cottbus eingeschaltet. Es gebe Hinweise auf Betrug und Untreue.

Die Staatsanwaltschaft Cottbus prüft, ob es einen Anfangsverdacht gibt und Ermittlungen aufgenommen werden. AFP

Pannenflughafen BER

Die Staatsanwaltschaft Cottbus prüft, ob es einen Anfangsverdacht gibt und Ermittlungen aufgenommen werden.

DüsseldorfEin neuer Betrugsverdacht erreicht den skandalgeschüttelten Hauptstadtflughafen BER. Wie das Handelsblatt (Dienstagausgabe) berichtet, haben der Technologiekonzern Siemens und die Flughafengesellschaft FBB vor einer Woche die Staatsanwaltschaft Cottbus eingeschaltet. 1500 Seiten war die Anzeige lang, die von der FBB-Compliance-Chefin Elke Schafer gemeinsam mit ihrem Siemens-Kollegen eingereicht wurde.

Der Inhalt war pikant: Es geht um den Vorwurf „überhöhter“ Rechnungen. Forderungen für Leistungen also, die so gar nicht erbracht worden sind – und dennoch von der Flughafengesellschaft bereitwillig beglichen wurden. Die Ermittler in Cottbus kennen den Sachverhalt bereits. Die Prüfung könne allerdings bis Mitte des kommenden Monats andauern, heißt es aus der Behörde.

Das sind die größten Probleme des BER

Dauerbaustelle

Bis zu 400 Bauarbeiter sind derzeit im Terminal des neuen Hauptstadtflughafens im Einsatz. Woran sie nach Angaben der Betreiber arbeiten und was darüber hinaus zu tun ist.

Brandschutz

Weil die Anlage nicht funktionierte, platzte die Eröffnung 2012. Zwei Jahre später glauben die Betreiber, die Lösung zu kennen. Sie teilen die Anlage im kritischen Bereich in drei Abschnitte, das soll die Steuerung einfacher machen.

Kabeltrassen

Weil die Firmen zeitweise bauen konnten wie sie wollten, sind viele Kabelbrücken über- oder fehlbelegt. Nun werden Kabel kilometerweise neu gezogen. Zudem ist ein Teil der 4000 Räume im Flughafen falsch nummeriert, was zu Chaos führen könnte, weil die Lüftungsklappen den Nummern folgen. Auch hier wird nachgearbeitet.

Restarbeiten

Von der gerissenen Kachel bis zu handfestem Baupfusch haben die Betreiber 150.000 Mängel gefunden. Hier arbeiten Firmen nach.

Schallschutz

Die Großbaustelle jenseits der Baustelle: Lange bekamen die Anwohner zu schwachen Schallschutz. Ein Gericht schritt 2013 ein, die Arbeit begann weitgehend von vorn. Es geht um Fenster, Dämmungen und Lüfter für bis zu 25.500 Wohnungen.

Sanierung Nordbahn

Der Neubau übernimmt die Piste vom benachbarten Altflughafen Schönefeld. Sie muss saniert werden, doch die Behörden verlangen zunächst den Schallschutz für die Anwohner. Geplanter Baubeginn: März 2015.

Korruptionsaffäre

Wegen des Bestechlichkeitsvorwurfs gegen den bisherigen Technikchef Jochen Großmann werden nun alle Vergabeverfahren überprüft, mit denen dieser zu tun hatte. Unterlegene Bewerber könnten auf Schadenersatz klagen.

Finanzierung

4,3 Milliarden Euro sind bislang bewilligt, doch das Geld geht im Frühjahr aus. Mehdorn fordert mehr als 1,1 Milliarde Euro zusätzlich. Die Flughafeneigentümer Berlin, Brandenburg und der Bund dürfen aber nur Geld nachschießen, wenn die EU-Kommission das genehmigt. Dafür wird die Zeit langsam knapp.

Bereits am Wochenende hatte die „Bild am Sonntag“ berichtet, am Flughafen kursiere der Vorwurf „überhöhter“ Nachzahlungen, die Siemens, aber auch Bosch und die Telekom-Tochter T-Systems vor der ursprünglich geplanten Eröffnung im Mai 2012 gefordert haben sollen. Die Forderungen seien laut der Sonntagszeitung vom BER-Management „auffällig großzügig“ bedient worden.

Und so prüften neben Siemens auch die Telekom und Bosch den Sachverhalt. T-Systems hatte am Montag Kontakt zum Flughafenmanagement aufgenommen. Dabei hätten sich die Vorwürfe als haltlos erwiesen, sagt ein Sprecher. Die Flughafengesellschaft habe bestätigt, dass sie nicht gegen T-Systems ermittelt. Sie habe auch keine anlassbezogenen Compliance-Untersuchungen gegen T-Systems veranlasst.

Bosch gibt ebenfalls Entwarnung. Der Verdacht habe sich nicht erhärtet, das habe die Flughafengesellschaft inzwischen bestätigt, heißt es aus dem Unternehmen.

Wieder Negativschlagzeilen

Betrugsverdacht am Baustellen-Flughafen BER

Wieder Negativschlagzeilen: Betrugsverdacht am Baustellen-Flughafen BER

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Von

bog

Kommentare (2)

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Herr Wolfgang Trantow

17.08.2015, 19:04 Uhr

Bestimmt kommen unsere Politiker wieder unbeschadet davon. Sie sitzen doch im Aufsichtsrat und sollen kontrollieren. Dafür werden sie bezahlt. Warum weigern sich die Politiker ihren Aufgaben nach zu kommen oder sehe ich als Laie dies falsch?

Herr Ingo Ulrich

18.08.2015, 12:08 Uhr

Herr Wolfgang Trantow,

Vielleicht erhält man nach der politischen "Karriere" eine angemessene "Belohnung" !
Millionäre durch die Politik-Laufbahn könnte man einige Schmarotzer aufzählen !

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