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09.07.2014

15:20 Uhr

Neuer Billigflieger

Lufthansa fordert Ryanair heraus

Carsten Spohr setzt auf das „Wings-Konzept“: Neben der Germanwings will der Lufthansa-Chef weitere Billigflieger in die Luft schicken. Den Auftakt macht die Eurowings. Auch auf der Langstrecke könnte es bald soweit sein.

Der neue Lufthansa-Chef Carsten Spohr in Seeheim: Eurowings für den Europaverkehr und bald auch ein Billigangebot für die Langstrecke. dpa

Der neue Lufthansa-Chef Carsten Spohr in Seeheim: Eurowings für den Europaverkehr und bald auch ein Billigangebot für die Langstrecke.

Seeheim/FrankfurtIm Wald vor den Toren Darmstadts liegt das Schulungszentrum Seeheim der Lufthansa. Dort kann man den alten Geist der Kranich-Airline atmen. Draußen regnet es am Mittwoch in Strömen, als drinnen der neue Vorstandschef Carsten Spohr seine Pläne für Deutschlands größte Fluggesellschaft vorstellt. Die haben mit alten Zeiten allerdings wenig zu tun: Es geht darum, wie die Lufthansa auf die neuen Herausforderungen reagiert.

Die Airline will dazu in den kommenden Jahren vor allem ihr Billigangebot ausbauen. Neben der bereits an deutschen Flughäfen aktiven Germanwings soll es weitere Angebote auf europäischer und weltweitere Ebene nach dem „Wings-Konzept“ geben, erklärte Spohr. Sein Anspruch: „Wir wollen nicht zu den Getriebenen, sondern zu den Treibern in der Branche gehören.“

Anleger applaudierten: Das zuletzt arg gebeutelte Dax-Papier stieg in der Spitze um drei Prozent.

In Europa soll die Plattform „Eurowings“ bereits im Frühjahr 2015 an den Start gehen und dafür bis zu 27 Mittelstrecken-Jets vom Typ Airbus A320 erhalten. Die Airline soll zu einem Gegenspieler von Ryanair und Co. werden. Im Frühjahr sollen vom Schweizer Flughafen Basel die ersten Eurowings-Jets zu europäischen Zielen starten, kündigte Spohr an. Die Lufthansa-Tochter Swiss werde sich zeitgleich von dem Flughafen zurückziehen, wo zudem der britische Billigflieger Easyjet abhebt.

Die größten europäischen Billigflieger

Platz 10

Wizz Air: 42 Flugzeuge

Die ungarische Fluglinie Wizz Air hat ihr Streckennetz vor allem in Osteuropa. In Deutschland fliegt sie mit ihren 42 Airbus A320 die Flughäfen in Dortmund, Frankfurt-Hahn, Köln/Bonn, Lübeck und Memmingen an.

Quelle: DLR Low-Cost-Monitor 1/2014 (Stand: Frühjahr 2014). Es wurden ausschließlich in Deutschland operierende Airlines in das Ranking aufgenommen.

Platz 9

Jet 2: 49 Flugzeuge

Die britische Billig-Airline Jet 2 gibt es erst seit dem Jahr 2002, trotzdem hat sie mit 49 Flugzeugen eine der größten Flotten unter den europäischen Billig-Airlines. Mit ihren 38 Boeing 737-Maschinen und elf Boeing 757 fliegt die Airline viele Urlaubsziele im Mittelmeer und außerdem New York City an.

Platz 8

Germanwings: 55 Flugzeuge

Die Lufthansa-Tochter bleibt in den Top Ten der europäischen Billigflieger. Germanwings kommt der Aufstellung zufolge auf 55 Flugzeuge in der Flotte. Weil die Lufthansa allerdings noch weitere Flugverbindungen und Maschinen an die Tochter abgibt, wird die Zahl der Flieger noch zunehmen.

Platz 7

Flybe: 59 Flugzeuge

Die britische Airline Flybe betreibt mit 37 Maschinen die größte Flotte an Bombardier Dash Q8-400 Maschinen weltweit. Dazu kommen 22 Flieger von Embraer. Flybe hat seinen Sitz in Southampton und fliegt in Deutschland die Flughäfen in Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover und Stuttgart an.

Platz 6

Vueling: 72 Flugzeuge

Die spanische Fluggesellschaft Vueling startete im Jahr 2004. Die Flotte der Billig-Airline besteht aus Flugzeugen der Typen Airbus A320 und A319. Der Billigflieger gehört mittlerweile zur International Airline Group (IAG), der Mutter von British Airways und Iberia. Die Flotte wächst weiter – auch dank der Übernahme von Iberia-Verbindungen.

Platz 5

Air Berlin: 88 Flugzeuge

Die Netzwerk-Airline Air Berlin ist ebenfalls im Ranking vertreten – mit Strecken, die als Low-Cost-Flüge gelten (siehe Hinweis). Die Fluggesellschaft hat 41 Airbus A319, A320 und A321, 46 Boeing 737 und eine ATR in der Flotte.
Hinweis: Das DLR spricht bei Air Berlin von einer „Grauzone“, in der mehrere Geschäftsmodelle Anwendung finden. In das Ranking wurden nur die bisherigen Low-Cost-Strecken der in Air Berlin aufgegangenen Fluggesellschaften aufgenommen. Bei der Flotte verhält es sich offenbar ähnlich. Die komplette Flotte von Air Berlin finden Sie hier.

Platz 4

Norwegian: 91 Flugzeuge

Zu Norwegian gehören 87 Boeing 737 und vier 787, viele davon sind mit Portraits berühmter skandinavischer Persönlichkeiten geschmückt. Norwegian gehört damit mittlerweile zu den großen im europäischen Luftraum.

Platz 3

HOP!: 102 Flugzeuge

Die Fluggesellschaft ist neu im Ranking – und schießt gleich auf Rang drei vor. Das hat einen einfachen Grund: Der Zusammenschluss mehrerer ehemaliger französischer Regionalflieger unter dem Dach der Air France bedient erst seit kurzem den deutschen Markt.

Platz 2

Easyjet: 197 Flugzeuge

Die britische Fluglinie Easyjet ist die Nummer zwei der Billigflieger in Europa. Zu der wachsenden Flotte gehören 138 Airbus A319 und 59 Airbus A320.

Platz 1

Ryanair: 297 Flugzeuge

Mit einer Flotte von mehr als knapp 300 Flugzeugen ist Ryanair unumstritten die größte Billig-Airline in Europa. Und die Flotte wird noch größer: Bei Boeing haben die Iren zuletzt 175 neue Flugzeuge bestellt.

Germanwings bleibt für die Verkehre von und nach Deutschland außerhalb der Drehkreuze Frankfurt und München zuständig. Die Flotte der Tochter solle bis Frühjahr 2015 von derzeit 23 auf 60 Flugzeuge anwachsen – weniger, als ursprünglich geplant.

Lufthansa plant, die verschiedenen „Wings“-Gesellschaften in einer Holding zusammenzufassen, die ihren Sitz wahrscheinlich nicht in Deutschland haben werde. In Frage kämen die Kernmärkte Schweiz, Österreich oder Belgien, sagte Spohr. Bislang fliegt Eurowings mit kleineren Bombardier-Jets ausschließlich im Auftrag der Germanwings und ist laut Spohr wegen geringerer Pilotengehälter noch einmal kostengünstiger als diese. Germanwings operiert zu etwa 20 Prozent geringeren Kosten als die Lufthansa-Passage und soll 2015 in die schwarzen Zahlen fliegen.

Mit dem breiteren Billig-Konzept und dem besseren Luxus der Hauptmarke will der Konzern auf der Langstrecke den staatlichen Golf-Airlines Paroli bieten und auf den kürzeren Strecken günstigen Anbietern wie Ryanair oder Easyjet entgegentreten.

Kommentare (5)

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Herr Eugen Schmidt

09.07.2014, 14:32 Uhr

Mindestsitzgrößen und -abstände
Es ist wohl an der Zeit, dass der Gestzgeber international gültige Mindeststandards für die Sitze und den Beinabstand vorgibt. Die einzelnen Klassen können sich ja dann nach der Weinsorte oder den Kaviarbrötchen unterscheiden. Das eine ist Komfort, dass andere ist Gesundheitsgefährdung. Außerdem sollte auch berücksichtigt werden dass die allgemeine Erkenntniss dass die Bevölkerung immer dicker wird ebenfalls in die Mindeststandards einfließt. Es hat keinen Sinn das alles auf idealgewichtige Menschen zu standardisieren wenn dann 100 kg Brummer einen von beiden Seiten in die Zange nehmen. Von selbst kommen diese hochbezahlten Manager ja wohl nicht auf solche Gedanken. Dann muss eben mal wieder der Gesetzgeber ran. Auch würde ich meine Leidensgenossen gerne auffordern einmal etwas mehr lautstark zu mosern wenn ihnen mal wieder die Luft abgeschnürt wird, man nicht weiß wohin mit den Ellebogen, und die Knie kurz vorm Kinn hängen.

Herr Dietrich Thielenhaus

09.07.2014, 15:00 Uhr

Statt in den Wettbewerb mit Billigheimern einzusteigen, sollte die Lufthansa erst einmal ihre Hausaufgaben bei Service und Kundennähe machen. Vor allem die saturierte Bräsigkeit, der inflexible Bürokratismus und die schnippische Mißachtung der Kundeninteressen vieler Lufthansis vertreiben immer öfter selbst langjährig verbundene Passagiere. Ein aktuelles Beispiel: Auf dem Airport Rom versuchte ich kürzlich, meinem infolge einer LH-Verspätung vermissten Koffer auf die Spur zu kommen. Die
von mir angesprochene Bodenstewardess zeigte sich ebenso
hilfbereit wie ratlos. Daher telefonierte sie in meinem Beisein etwa 15 Minuten mit ihrem Vorgesetzten, um mir dann in dessen Namen auszurichten, man sei "nicht zuständig" und könne daher nichts tun.

Herr D. Dino54

09.07.2014, 15:12 Uhr

"..... vor allem ihr Billigangebot ausbauen. "

Ein fataler Irrweg, von kranken Gehirnen !

Wenn ein Flug nach Rom günstiger ist, als eine Taxifahrt von Düsseldorf nach Köln, dann ist einiges im argen !

Es muss seinen Preis haben, um die Verschmutzung/Gefährdung unserer Atmosphäre einzudämmen !

Mittlerweile zuwider, diese Ideen, Wachstum zu "erkämpfen" !

Wir benötigen weniger Flugzeuge, egal welcher Art, im Himmel !

Das Geschichtsbuch in 200 Jahren würde ich gerne heute lesen, über diesen Zeitraum !

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