Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.12.2016

16:54 Uhr

Neuer Chef für Lebensmittelriesen

Kommt der Oetker-Clan jetzt zur Ruhe?

Erst die Reederei Hamburg Süd verkauft, jetzt auch die Führungsfrage geklärt: Albert Christmann wird der erste familienfremde Manager an der Oetker-Spitze. Kann er den heftigen Streit im Puddingclan schlichten?

Das Familienunternehmen sorgt Ende des Jahres für Aufsehen. dpa

Pizza von Dr. Oetker

Das Familienunternehmen sorgt Ende des Jahres für Aufsehen.

Bielefeld/DüsseldorfDie Zukunft bei Dr. Oetker kann kommen – doch unter welchen Bedingungen? Bei den Bielefeldern ist eine seit Jahren umstrittene Personalfrage geklärt. Mit Albert Christmann (53) folgt zum ersten Mal ein familienfremder Manager auf einen Oetker an der Konzernspitze. Das teilte der Beirat (Aufsichtsrat) am Montagabend überraschend mit.

Damit lieferte das Familienunternehmen innerhalb von zwei Wochen neue Schlagzeilen. Für die ansonsten zurückhaltende Firma mit 125 Jahren Tradition eher ungewöhnlich. Denn vor der Personal-Entscheidung hatte Oetker – Deutschlands bekannter Markenanbieter für Pudding, Backpulver und Pizza – Anfang Dezember den geplanten Verkauf der Schifffahrtstochter Hamburg Süd im kommenden Jahr an einen dänischen Mitbewerber verkündet.

Oetker-Gruppe: Nicht nur Pudding, Pizza und Backmischung

Containerschifffahrt

Die Reederei Hamburg Süd hat 2015 mit knapp 6000 Beschäftigen über sechs Milliarden Euro umgesetzt. Dabei steht das Süd nicht für einen südlichen Stadtteil der Hansestadt sondern für das ursprüngliche Liniengeschäft zwischen Hamburg und Südamerika. 1871 wurde das Unternehmen unter dem Namen „Hamburg Südamerikanischen Dampfschifffahrts-Gesellschaft“ von Hamburger Handelshäusern gegründet. Dr. Oetker stieg in den 1930er-Jahren als Investor ein.

Nahrungsmittel

Tiefkühlpizza, Backpulver und Backmischungen, Pudding – kaum ein deutscher Haushalt kommt ohne Produkte aus Bielefeld aus. 2015 setzte Dr. Oetker in dieser Sparte knapp 3 Milliarden Euro um. Und das mit fast 15.000 Mitarbeitern. Wachstum generiert Dr. Oetker vor allem durch Zukäufe im Ausland wie in Nordamerika, Australien und Mexiko. Aber auch auf dem heimischen Markt hat Dr. Oetker in den vergangenen Jahren Marken übernommen. So zählt der Tiefkühlanbieter Coppenrath & Wiese aus Osnabrück seit 2015 zum Konzern und liefert im laufenden Jahr voraussichtlich rund 400 Millionen Euro Umsatz zu.

Getränke

Mit der Tochter Radeberger Gruppe in Frankfurt/Main ist Oetker Marktführer auf dem deutschen Biermarkt. Zu den mehr als 40 Marken gehören Radeberger, Jever, Schöfferhofer und Clausthaler. Die Tochter Henkell stellt Sekt und Spirituosen her (Fürst von Metternich, Wodka Gorbatschow). Im vergangenen Jahr setzte die Gruppe knapp 690 Millionen Euro mit rund 2000 Mitarbeitern um.

Bank, Hotels und Chemie

Das Bankhaus Lampe, Luxushotels und eine Chemiefabrik gehören ebenfalls zu den 417 Unternehmen der Oetker-Gruppe.

Sowohl die offene Leitungsfrage als auch der Verkauf der weltweit schwächelnden Container-Schifffahrt gelten als Befreiungsschlag. Zwar fällt durch den Verkauf die Hälfte des Umsatzes von zwölf Milliarden Euro weg. Aber der Erlös, über den Stillschweigen vereinbart wurde, soll im Lebensmittelbereich wieder investiert werden.

Christmann als Oetker-Eigengewächs hat in fast allen Unternehmensbereichen Erfahrung gesammelt und war schon länger für diesen Posten im Gespräch. Schon heute ist Christmann als Finanzchef der bestimmende Mann im Tagesgeschäft. Doch er muss sich noch mit einem Kartellbußgeldverfahren herumschlagen. In seiner Zeit bei der Oetker-Tochter Radeberger war ein Bierkartell aufgeflogen. Sowohl der Konzern als auch Christmann persönlich sollten ein Bußgeld zahlen.

Albert Christmann ist schon heute der bestimmende Mann im Tagesgeschäft. dpa

Neuer Oetker-Chef

Albert Christmann ist schon heute der bestimmende Mann im Tagesgeschäft.

Anders als andere Brauer wollte sich Oetker nicht mit dem Kartellamt einigen und hat Einspruch eingelegt. Die Erwartung von Beobachtern, Christmanns Karriere könnte durch das schwebende Verfahren Schaden nehmen, hat sich bislang nicht erfüllt.

„Beworben habe ich mich nicht“, sagte Christmann im Juni zur Nachfolgefrage bei Dr. Oetker. Diesen Satz sagte er mit großem Selbstbewusstsein auf Fragen von Journalisten zum Nachfolgestreit. Kurz zuvor hatte der verheiratete Vater von zwei Kindern eloquent und selbstsicher die Bilanz-Pressekonferenz des Konzerns geleitet. Auf dem Weg zu der Veranstaltung war Richard Oetker vor seinem Wohnhaus gestürzt, sein Stuhl blieb leer. Christmann musste ohne lange Vorbereitung einspringen. Künftig soll er als erster Manager, der nicht aus der Familie kommt, das Unternehmen führen. Ambitionen wurden auch Alfred und Carl-Ferdinand Oetker nachgesagt. Alfred bleibt der Posten des stellvertretenden Vorsitzenden im Beirat.

Offen bleibt, ob in diesem Gremium Einigkeit bei der Entscheidung für Christmann herrschte. Oetker-Sprecher Jörg Schillinger will das nicht kommentieren. Die Entscheidung gegen das Geschäft mit Container-Schiffen und für einen familienfremden Manager an der Spitze deutet Beobachtern zufolge darauf hin, dass sich die ältere Generation in zwei entscheidenden Fragen durchgesetzt hat.

Und warum Streit der Generationen?

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

13.12.2016, 17:33 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.
http://www.handelsblatt.com/netiquette

Account gelöscht!

13.12.2016, 17:57 Uhr

Müssen wir den Pudding in Zukunft mit Stäbchen essen ?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×