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07.02.2013

16:35 Uhr

Neuer Fernbus-Anbieter

Flixbus plant 300 Verbindungen in Deutschland

In den USA sind Fernbusse seit Jahrzehnten ein Klassiker. In Deutschland geht es jetzt erst los: Nach dem Wegfall der Marktbeschränkungen sind die ersten Linienbusse unterwegs. Nächste Woche fährt Flixbus los.

André Schwämmlein (rechts), Geschäftsführer von FlixBus, und Harald Baumann, Geschäftsführer der Baumann-Busbetrieb GmbH, stehen vor einem Flixbus-Bus. dpa

André Schwämmlein (rechts), Geschäftsführer von FlixBus, und Harald Baumann, Geschäftsführer der Baumann-Busbetrieb GmbH, stehen vor einem Flixbus-Bus.

MünchenFür Fahrten zwischen Großstädten in Deutschland können Reisende aus immer mehr Bus-Anbietern wählen. Wenige Wochen nach dem Wegfall der strengen Marktbeschränkungen für Fernbusse im Inland geht in der kommenden Woche das neue Unternehmen Flixbus an den Start. Geplant seien 300 Direktverbindungen zwischen deutschen Städten, sagte Geschäftsführer Jochen Engert am Donnerstag in München. Die Preise für die Tickets sollen im Schnitt 60 bis 80 Prozent unter den Normalfahrpreisen der Bahn liegen. Die Fahrt von München nach Frankfurt beispielsweise koste je nach Zeitpunkt der Buchung 15 bis 29 Euro.

Bei der Fahrzeit können die Busse die Bahn allerdings nicht schlagen: Für die Fahrt von München nach Nürnberg rechnet Flixbus mit zweieinhalb Stunden - mit der Bahn dauert diese Fahrt nur gut eine Stunde. Für die Strecke von München nach Berlin geht das Unternehmen von mehr als acht Stunden Fahrzeit aus - ohne Staus.

Wie der Fernbus-Markt funktioniert

Mehr Alternativen

Konkurrenz von Billigfliegern am Himmel haben die ICE und Intercity der Bahn schon länger. Künftig sollen Reisende auch zu Lande mehr Alternativen haben, wenn es für längere Inlandsstrecken nicht das Auto sein soll. Fernbusse, die das Gesetz seit mehr als 70 Jahren bremst, bekommen von 2013 an bundesweit freie Fahrt auf Linien von Stadt zu Stadt. Günstigere Tickets sollen Kunden locken. Wie schnell ein großer neuer Markt entsteht, muss sich aber erst zeigen.

Was hemmt Fernbuslinien bisher in Deutschland?

Für Busse gelten historische Beschränkungen, die bis in die 1930er Jahre zurückreichen. Damit sollte einst die Entwicklung der Eisenbahn geschützt werden. Fernbuslinien werden deswegen in der Regel noch immer nicht genehmigt, wenn es parallel eine Zugverbindung gibt. Ausnahme ist seit der deutschen Teilung Berlin, dessen Westteil gut erreichbar sein sollte. Auch ins Ausland gibt es Reisebusfahrten schon länger. Zuletzt hatten Fernbusse laut Statistischem Bundesamt zwei Millionen Inlandskunden im Jahr, Fernzüge aber 125 Millionen.

Was soll sich 2013 ändern?

„Zukünftig sind überall in Deutschland Fernbuslinien möglich, die untereinander und auch mit dem Eisenbahnfernverkehr konkurrieren dürfen“, verkündete eine ganz große Bus-Koalition im September. Nach langem Streit fanden Union, FDP, SPD und Grüne einen Kompromiss, den der Bundesrat absegnete. Die K.o.-Klausel zum Schutz der Bahn fällt weg, ein gewisser Rahmen soll aber bleiben. Busunternehmer müssen Fernlinien weiterhin bei den Länderbehörden beantragen. Für die Haltestellen gilt ein Mindestabstand von 50 Kilometern. Das soll verhindern, dass Fernbusse in Wirklichkeit lukrative Strecken im Nahverkehr ins Visier nehmen, der mit Steuergeld mitfinanziert wird.

Für welche Kunden könnten Fernbusse interessant sein?

Schon jetzt sind Busse eine Alternative für Schnäppchenjäger. So kostet die knapp dreieinhalb Stunden lange ICE-Reise von Berlin nach Dortmund 96 Euro zum Normaltarif, eine Busfahrt ist für regulär 38 Euro zu haben - dauert aber gut sieben Stunden. Geschäftsleute dürfte das kaum zum Umsteigen bewegen. Die neuen Angebote richten sich denn auch zuerst an „preissensible Pkw-Nutzer“, denen eine Mitfahrzentrale nicht verlässlich genug ist oder ihr Auto wegen hoher Spritprise schlicht zu teuer, wie der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer erwartet. Am attraktivsten dürften Routen bis 400 Kilometer sein.

Stehen Busfirmen schon in den Startlöchern?

Etwa 50 bis 100 mittelständische Busfirmen interessieren sich für den neuen Markt, wie es beim Verband heißt. Dass zum 1. Januar sofort etliche neue Linien starten, wird in der Branche aber nicht erwartet. Nach der langen politischen Unsicherheit sind Investitionen etwa ins Marketing nötig, kleinere Anbieter könnten sich für Kooperationen zusammentun. Der größte private Bahn-Konkurrent Veolia Verkehr hatte schon 2010 drei Buslinien von Mönchengladbach nach München sowie von Essen nach Hamburg und München beantragt - nach alter Rechtslage. Sie würden nun nochmals neu bewertet, wie eine Sprecherin sagt. „Insofern können wir heute noch nicht sagen, wie, wann und wo wir starten.“

Was sagt die Deutsche Bahn?

Der bundeseigene Konzern wartet zunächst ab. „Wir beobachten die Entwicklungen des Fernbusmarktes und werden entsprechend reagieren“, sagt ein Sprecher. Dabei wollte die Bahn als größter Anbieter der Republik (rund 14.000 Busse/30 Fernlinien) bei einer Marktöffnung eigentlich selbst in die Offensive gehen. Im vergangenen Jahr entschied der Vorstand aber erst einmal, sich auf das Kerngeschäft mit Zügen zu konzentrieren. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) betont, es gehe nicht darum, der Schiene Kunden abzujagen. Statt 25 oder 50 Pkws auf der Autobahn sei aber ein Bus mit 50 Gästen wirtschaftlich und auch für die Umwelt besser.

Trotzdem ist das Potenzial für Fernbusse aus Sicht von Flixbus da. „Wir sind sicher, dass die Fernbusse ihre Nische finden werden“, sagte André Schwämmlein, ebenfalls Geschäftsführer des Unternehmens. Durch Kooperationen mit mehreren Busunternehmen will sich Flixbus an die Nachfrage anpassen - eine eigene Flotte hat der Anbieter nicht.

Bis Januar galt zum Schutz der Bahn ein Gesetz aus den 1930er Jahren, wonach Fernbuslinien in der Regel nicht genehmigt wurden, wenn es parallel eine Zugverbindung gab. Seitdem die alte Regelung aufgehoben wurde, ist Bewegung in den Fernbus-Markt gekommen. Einige junge Unternehmen wie Mein-Fernbus oder Dein-Bus sind bereits von Stadt zu Stadt unterwegs und auch etablierte Unternehmen haben Pläne in der Schublade: Der ADAC prüft zusammen mit der Deutschen Post den Einstieg in ein bundesweites Fernbusnetz, das von 2014 an einige Dutzend Großstädte verbindet. Das grundsätzliche Konzept stehe, sagte ein ADAC-Sprecher auf Anfrage in München. Viele Details sind in den nächsten Monaten aber noch zu klären - und die obersten Gremien der beiden Unternehmen müssten dann auch noch zustimmen.

Bislang spielten Busse im Fernverkehr keine große Rolle: Laut Statistischem Bundesamt kamen sie zuletzt auf 2 Millionen Fahrgäste im Jahr, Fernzüge hingegen auf 125 Millionen. Eine Konkurrenz zur Bahn werden die Busse nach Einschätzung der Omnibusunternehmer auch in Zukunft nicht werden. „Der typische Bahnkunde wird nicht umsteigen“, sagte Monika Steffen vom Landesverband der bayerischen Omnibusunternehmen. „Der Schienenfernverkehr muss sich nicht vor dem Fernbus fürchten.“ Zielsetzung sei es vielmehr, ein eigenständiges, umweltfreundliches und preisgünstiges Verkehrssystem zu etablieren.

Deutschlands größte Reiseveranstalter

Platz 7

Schauinsland Reisen - 701 Millionen Euro Umsatz (Stand: 2012)

Die Duisburger haben sich von einem Transportunternehmen zu einem der größten Reiseunternehmer gemausert. Mittlerweile beschäftigt das Unternehmen 220 Mitarbeiter.

Platz 6

Aida Cruises - 1,1 Milliarden Euro Umsatz

Der Kreuzfahrtkonzern ist nicht nur der größte Arbeitgeber Mecklenburg-Vorpommerns, sondern auch einer der größten deutschen Reisekonzern. Zur Flotte des Unternehmens gehören derzeit zehn Kreuzfahrtschiffe.

Platz 5

Alltours - 1,4 Milliarden Euro Umsatz

Aus einem kleinen Reisebüro in Kleve hat Willi Verhuven einen der größten deutschen Reisekonzerne geformt. Heute sitzt die Firma in Duisburg.

Platz 4

FTI - 1,62 Milliarden Euro Umsatz

Als das Unternehmen in München gegründet wurde, konzentrierte es sich auf Reisen in den Mittelmeerraum. Inzwischen stehen über 80 Länder im FTI-Katalog.

Platz 3

Rewe-Touristik - 3,18 Milliarden Euro Umsatz

Jahn Reisen, Tjaereborg und Meier's Weltreisen - so heißen die großen Marken, die zum Rewe-Konzern gehören. Gemeinsam erwirtschaften Sie einen großen Teil des Umsatzes des Handelskonzerns.

Platz 2

Thomas Cook - 3,2 Milliarden Euro Umsatz

Durch Condor gehört das Reiseunternehmen aus London auch in Deutschland zu den größten Reiseveranstaltern.

Platz 1

Tui Deutschland - 4,47 Milliarden Euro Umsatz

Kein Touristikkonzern ist breiter aufgestellt als die Tui. Allein in Europa betreiben die Hannoveraner 3500 Reisebüros.

Eine wichtige Zielgruppe für die Anbieter sind junge Leute, die kein eigenes Auto haben und günstig reisen wollen. „Fernbeziehung, Numerus-Clausus-Opfer oder für ein Praktikum weit weg von Zuhause - die moderne Welt verlangt viel Mobilität“, heißt es etwa bei Dein-Bus. Gebucht werden die Tickets im Internet, der Fahrschein kann gleich ausgedruckt werden.

Von

dpa

Kommentare (12)

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Morjan

07.02.2013, 18:02 Uhr

Und wie oft steht man dann im Stau und ist den anderen (minderbemittelten) Mitreisenden ausgeliefert?

Die Flixbus Homepage mit entsprechendem Foto eines Kapuzenjugendlichen, der seine Füße auf die Sitze legt, wirkt da nicht sehr einladend.

Wahrscheinlich dann noch Techno oder sonst eine Affenmusik über die stundenlange Fahrt hinweg.

Dann doch lieber die Bahn, die kommt nicht nur pünktlich an, man kann sich auch vor Punks, Studenten und Ausländern in der 1. Klasse einigermaßen abschotten.

AnjaMurt

07.02.2013, 18:25 Uhr

An Morjan

vermute auch so. Preise ab 1 Euro. Wird so eine Billigsache für Leute mit wenig Geld sein(Schüler, Studenten etc.) So wirds dann auch bei so mancher Fahrt zugehen wenn sich so eine Gruppe Rotznasen aufmacht quer durch Deutschland zu fahren.

Wahrscheinlich kreist dann die Bierflasche und Wodka Cola Mix dazu.

Stau, da haben Sie auch Recht. Um Frankfurt steht man ständig im Stau.

Studi

07.02.2013, 20:26 Uhr

@ Morjan / Anja
Immer diese armen und minderbemittelten Mitreisenden wie zum Beispiel Studenten...
Ihre Kommentare sind nicht nur abwertend Ihren Mitmenschen gegenüber, sondern lassen auch vermuten, dass Sie nie jung waren und erst recht nicht Studenten.
Ich kann Ihnen sagen, dass es sehr wohl recht intelligente und nette Studenten/ junge Leute gibt, die sich benehmen können und mit denen man sich auf so einer Zugfahrt/ Busfahrt auch wunderbar unterhalten kann. (Es gibt immer Ausnahmen sicher auch in Ihrer Alters-/ 1.-Klasse) Achja, @ Morjan -> der Absatz mit dem Schützen vor Punks, Studenten und Ausländern lässt mich wirklich an Ihnen zweifeln. Vielleicht sollten sich diese Gruppen eher vor Ihnen und Ihren Verallgemeinerungen schützen!

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