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19.12.2011

14:07 Uhr

Neuer Großaktionär

Etihad steigt bei Air Berlin ein

Das angeschlagene Luftfahrtunternehmen Air Berlin hat einen Retter gefunden: Die arabische Airline Etihad steigt bei Deutschlands zweitgrößter Fluglinie ein. Doch noch ist Air Berlin nicht über den Winter.

Etihad will offenbar bei Air Berlin einsteigen. ap

Etihad will offenbar bei Air Berlin einsteigen.

Frankfurt.

Rettung aus dem Morgenland: Die arabische Fluggesellschaft Etihad kauft sich im großen Stil bei Air Berlin ein. Deutschlands zweitgrößte Airline erhält so eine dringend benötigte Geldspritze und Konzernchef Hartmut Mehdorn mehr Zeit für die Sanierung. Etihad wiederum schafft sich einen Brückenkopf in Europa. Ärgern dürfte das die Lufthansa : Einer ihrer größten Konkurrenten aus dem Golf macht sich nun in Deutschland breit.

Etihad werde ihre Aktienbeteiligung an Air Berlin für 73 Millionen Euro auf 29 Prozent aufstocken, teilten die beiden Gesellschaften am Montag mit. Air Berlin werde dazu neue Aktien ausgeben. Die Araber, die bereits drei Prozent an Air Berlin halten, legen pro neuem Anteilsschein 2,31 Euro auf den Tisch. Dabei bleibt es aber nicht: Etihad räumt den Berlinern noch ein 200 Millionen Euro schweres Darlehen ein. Es sei nicht geplant, den Anteil an Air Berlin auszubauen, sagte Etihad-Chef James Hogan in einem Reuters-Interview.

Kommentar: Mehdorns großer Befreiungsschlag bei Air Berlin

Kommentar

Mehdorns großer Befreiungsschlag bei Air Berlin

Es ist der große Befreiungsschlag von Hartmut Mehdorn: Etihad steigt bei Air Berlin ein. Damit hat Deutschlands zweitgrößte Airline Zeit, sich in Ruhe um all die Probleme zu kümmern.

„Die strategische Partnerschaft mit Etihad Airways eröffnet einzigartige Möglichkeiten für die Zukunft unseres Unternehmens“, sagte Air-Berlin-Chef Mehdorn. "Es ist eine fantastische Chance, die wir haben. Ich bin richtig ein Stück euphorisch." Es gebe hier kaum "Dinge, die nicht zusammenpassen".

Die Zusammenarbeit werde weit über eine Partnerschaft hinausgehen: "Wir arbeiten wie eine vernetzte Airline." Die Entscheidung für Etihad sei einstimmig im Board gefallen. Mehdorn sieht kein Ende der Schrumpfkur bei der Air Berlin. Mit Etihad sei Air Berlin keine weiche Coach ins Zimmer gestellt worden: "Wir lassen nicht nach", sagte Mehdorn. "Unsere Effizienzbemühungen werden eher verstärkt."

Als erstes werde Air Berlin ab Januar von der deutschen Hauptstadt das Golf-Emirat Abu Dhabi anfliegen, aus dem Etihad kommt. Von dort hätten Reisende viele Möglichkeiten, nach Asien oder Australien zu kommen. Zudem sei geplant, die Vielfliegerprogramme zu koordinieren und gemeinsam Flüge anzubieten. Das neue Streckennetz der beiden Airlines umfasse 240 Städte in 77 Ländern. Air Berlin erhofft sich durch die Zusammenarbeit im kommenden Jahr Einsparungen von 35 bis 40 Millionen Euro.

Air Berlin war schon länger auf Partnersuche und braucht das Geld. Unter Leitung von Gründer Joachim Hunold war die Airline rapide gewachsen und hatte Konkurrenten wie DBA, LTU und Niki geschluckt. Das machte sich in der Bilanz bemerkbar: Die Einkaufstour hinterließ Schulden von 600 Millionen Euro. In den vergangenen drei Jahren wurde kein einziger Überschuss eingefahren. Vor vier Monaten übernahm der frühere Bahn-Chef Mehdorn das Ruder und schlug einen Schrumpfkurs ein, um in die schwarzen Zahlen zu kommen.

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