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24.10.2014

03:43 Uhr

Neuer Karstadt-Chef Stephan Fanderl

Der Hartmut Mehdorn von Essen

VonLisa Hegemann

Ein neues, altes Gesicht: Der bisherige Aufsichtsratschef Stephan Fanderl übernimmt den Chefposten bei Karstadt. Doch ob er den Warenhauskonzern aus der Krise führen kann, liegt nicht nur in seinen Händen.

Stephan Fanderl ist neuer Karstadt-Chef. (Archivbild) Imago

Stephan Fanderl ist neuer Karstadt-Chef. (Archivbild)

Düsseldorf/EssenDer bisherige Karstadt-Aufsichtsratsvorsitzende Stephan Fanderl wird neuer Chef der angeschlagenen Warenhauskette. Der Aufsichtsrat habe den 51-jährigen Manager auf seiner Sitzung am Donnerstag in Essen zum Nachfolger der im Sommer überraschend ausgeschiedenen Eva-Lotta Sjöstedt berufen, teilte das Unternehmen in Essen mit.

Zum neuen Aufsichtsratsvorsitzenden wurde Wolfram Keil gewählt, der als Vertrauter des Karstadt-Eigentümers René Benko gilt und auch Geschäftsführer der für das Handelsgeschäft zuständigen Benko-Firma Signa Retail GmbH ist.

Wie groß die Probleme sind, die Karstadt zu schaffen machen, zeigt die Aufsichtsratssitzung am Donnerstag deutlich. Der Warenhauskonzern hat bei dem Treffen der Kontrolleure nicht nur über einen neuen Chef entschieden. Die angeschlagene Warenhauskette Karstadt will im kommenden Jahr sechs Häuser schließen.

Betroffen sind allerdings nur zwei klassische Warenhäuser in Hamburg-Billstedt und Stuttgart. Darüberhinaus sollen die Filialen der auf junge Mode spezialisierten Kette „K-Town“ in Köln und Göttingen, sowie die Schnäppchenmärkte des Konzerns in Paderborn und Frankfurt/Oder ihre Tore schließen.

„Die Sanierung wird uns viel abverlangen. Ohne zum Teil sehr schmerzliche Entscheidungen wie auch Filialschließungen wird es nicht gehen, um das Überleben des Gesamtunternehmens zu sichern“, betont Fanderl im Anschluss an die Sitzung.

So verdient Benko sein Geld

Die Signa Holding

Die 1999 von Renè Benko gegründete Signa Holding GmbH ist Österreichs größtes privates Immobilienunternehmen. Insgesamt verfügt die Sigma-Gruppe nach eigenen Angaben über ein Immobilienvermögen von mehr als sechs Milliarden Euro. Die Unternehmensgruppe umfasst im Wesentlichen vier zentrale Geschäftsbereiche. Der Konzern hat heute mehr als 150 Mitarbeiter.

Top-Immobilien: Signa Prime

Das Vorzeige-Unternehmen der Signa Holding investiert langfristig in Immobilien in den 1A- Innenstadtlagen. Nach eigenen Angaben zählt es zu führenden Eigentümern, Entwicklern und Betreibern innerstädtischer Einzelhandelsimmobilien im deutschsprachigen Europa. Der Immobilienkonzern besitzt unter anderem das Kaufhaus Tyrol in Innsbruck, die Renngasse 2 sowie das Goldene Quartier in Wien. Zu den bekanntesten Objekten in Deutschland zählen das KaDeWe in Berlin, das Alsterhaus Hamburg und das Kaufhaus Oberpollinger im Zentrum Münchens.
Nach der Übernahme der Karstadt-Premium- und Sporthäuser baute das Unternehmen einen eigenen Geschäftsbereich Signa Retail zu deren Steuerung auf. Diese Signa Retail GmbH übernimmt nun die Karstadt Warenhaus GmbH vollständig.
Immobilienvermögen insgesamt: rund vier Milliarden Euro.

Projekt-Entwicklung: Signa Development

Mit ihrem Development-Ableger entwickelt und baut die Signa Holding Geschäfts-, Büro- und Hotelflächen in europäischen Innenstädten, die sie anschließend vermietet. Derzeit wird an 13 Projekten in Österreich, Italien und Deutschland gearbeitet. Dazu zählt unter anderem das Kaufhaus Viktoria in Bonn
Investitionsvolumen insgesamt: rund 2,2 Milliarden Euro

Anlageberatung: Signa Real Estate Capital Partners

Die Tochtergesellschaft Signa Real Estate Capital Partners der Unternehmensgruppe berät Anleger im Bereich Private Equity Real Estate. Im Fokus stehen innerstädtische Einzelhandelsobjekte sowie Büroobjekte.

Finanzdienstleistungen: Signa Property Funds

Die Tochter Signa Property Funds unterstützt Anleger bei Investitionen. Als bankenunabhängiger Finanzdienstleister entwickelt und vertreibt sie Immobilienanlagekonzepte für Privatanleger und institutionelle Investoren.

Stephan Fanderl wird vom Kontrolleur zum Konzernchef – wie einst schon Thomas Middelhoff. Nur sind Fanderls Aufgaben seit dessen Ausscheiden im Jahr 2009 noch ein kleines bisschen umfangreicher geworden. Das wurde schon vor dem Treffen am Donnerstag deutlich. Karstadt wirkt wie der Hauptstadtflughafen BER: Das Unternehmen ist seit Jahren eine Dauerbaustelle, ohne dass ein gutes Ende abzusehen wäre. Mehrere Manager sind bei dem Versuch, das Projekt zu beenden, krachend gescheitert. Und all das hat horrend viel Geld gekostet. Wenn man so will, ist Stephan Fanderl der Hartmut Mehdorn von Karstadt.

Krisenmanager wider Willen

Mit Fanderl wagt sich ein Mann auf die Großbaustelle Karstadt, der im Gegensatz zu Vorgängern wie Andrew Jennings oder Eva-Lotta Sjöstedt schon jahrelange Erfahrung im deutschen Einzelhandel mitbringt – nicht nur im Bereich Warenhaus. Der bisherige Chefaufseher kann Stationen bei Metro, Rewe und dem US-Einzelhandelsriesen Wal-Mart vorweisen. In der Branche gilt er als ehrgeizig, strukturiert und fokussiert.

Doch Fanderl hat sich nicht um den Job gerissen. Er soll den Chefposten bei der kriselnden Warenhauskette schon lange vor der Ära René Benko angeboten bekommen haben. Immer wieder lehnte er allerdings ab – offenbar bis jetzt. Warum er seine Meinung wohl geändert hat, bleibt vorerst sein Geheimnis.

Die Warenhäuser machen seit Jahren Verluste, allein in den vergangenen Geschäftsjahren 2011/12 und 2012/13 kam ein Minus von insgesamt 300 Millionen Euro zusammen. Und im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr lief es offenbar nicht besser. Nach Angaben des Branchenfachblatts „Der Handel“ bezeichnete Interimschef Miguel Müllenbach die vergangenen zwölf Monate in einem Brief an die Mitarbeiter als eines der Jahre, das „mit zu den schwierigsten in der Geschichte von Karstadt“ gehöre.

An Fanderl liegt es nun, die Baustelle Karstadt aufzuräumen. Dazu zählt auch der Beschluss am Donnerstag über das Aus für die sechs Häuser. Vor der Aufsichtsratssitzung am Donnerstag hieß es vom neuen Karstadt-Chef noch, dass sogar 23 Warenhäuser als Problemfälle gelten.

Auch für die 17.000 Mitarbeiter wird es wohl nicht besser: Sie müssen sich wieder einmal auf harte Einschnitte einstellen. In der Zentrale in Essen sollen rund 2000 Arbeitsplätze wegfallen. Durch die angekündigten Filialschließungen könnten es sogar noch mehr werden. Auch wer seinen Job nicht verliert, wird die Sanierung zu spüren bekommen. Alle müssen mit längeren Arbeitszeiten und weniger Urlaubs- und Weihnachtsgeld rechnen.

Kommentare (2)

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Frau Pia Paff

24.10.2014, 10:08 Uhr

Das ist der Totengräber!

Account gelöscht!

24.10.2014, 10:55 Uhr

Da muss man doch mal sagen: alte Gesichter? Warum sollten die Herrschaften jetzt etwas gebacken bekommen wenn sie es früher auch nicht hinbekamen?
Kommt mir irgendwie alles vor wie ein Insolvenzverfahren: die Insolvenzverwalter und Rechtsanwälte ( hier vielleicht noch die Berater ) holen die letzte Kohle aus dem Laden und dann wird abgewickelt.

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