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17.10.2013

11:23 Uhr

Neuer Mediendienst

Ebay-Mitbegründer wird zum Greenwald-Finanzier

Der Mediendienst vom bisherigen „Guardian“-Journalist David Greenwald bekommt prominente Unterstützung. Milliardär und Ebay-Mitgründer Pierre Omidyar macht gemeinsame Sache mit dem Snowden-Reporter und schießt Geld bei.

Ebay-Mitgründer Pierre Omidyar investiert in den neuen Mediendienst von Snowden-Reporter Glenn Greenwald. AFP

Ebay-Mitgründer Pierre Omidyar investiert in den neuen Mediendienst von Snowden-Reporter Glenn Greenwald.

Berlin/New YorkDer milliardenschwere Ebay-Mitgründer Pierre Omidyar will mit Hilfe des Snowden-Reporters Glenn Greenwald ein neues Medienunternehmen aufbauen. Das Online-Angebot solle sich nicht auf Enthüllungsjournalismus beschränken, sondern ein breites Themen-Spektrum abdecken, kündigte Omidyar in einem Blogeintrag am späten Mittwoch an. Die zentrale Mission sei, unabhängigen Journalisten aus vielen Bereichen eine Plattform zu geben. Er investiere zunächst 250 Millionen Dollar, sagte Omidyar dem New Yorker Journalismus-Professor Jay Rosen.

Er arbeite seit dem Sommer an dem neuen Medienunternehmen, schrieb Omidyar. Er habe seit dem Frühjahr über das Angebot nachgedacht, die „Washington Post“ zu kaufen, sich dann aber doch für ein eigenes Projekt entschieden. Die „Washington Post“ übernahm am Ende der Amazon-Gründer Jeff Bezos - ebenfalls für 250 Millionen Dollar.

Ein kleines Lexikon der Spähaffäre

Prism

Das ist der Name des US-Geheimdienstprogramms, das gleich zu Beginn enthüllt wurde und deshalb zum Inbegriff der gesamten Spähaffäre wurde. Die Abkürzung steht für „Planning Tool for Resource Integration, Synchronization and Management“ (etwa Planungswerkzeug für Quellenintegration, -synchronisierung und -management). Es ist bislang nicht ganz klar, wie das Programm funktioniert. Nach den von Snowden der Presse übergebenen Dokumenten erlaubt oder organisiert „Prism“ den Zugriff auf Daten der Nutzer großer Internetfirmen wie Microsoft, Google und Facebook. Experten glauben, dass US-Dienste damit verdachtsunabhängig große Mengen Nutzerdaten abgreifen. Die gespeicherten Daten werden dann mit Filterbegriffen genauer durchsucht.

Tempora

So lautet der Deckname eines Überwachungsprogramms des britischen Geheimdienstes und NSA-Partners GCHQ, das es auf Daten aus Seekabeln abgesehen hat. Durch diese Glasfaserverbindungen fließt der überwiegende Teil der globalen Telefon- und Internetkommunikation. „Tempora“ erlaubt es demnach, den Datenverkehr in Pufferspeichern zu sammeln und Emails, Telefonate und Videochats zu rekonstruieren. Die Daten können einige Tage, einzelne Informationsteile wie Absender und Empfänger sogar wochenlang gespeichert werden. Mit der entsprechenden Software können so nachträglich Nachrichten von Verdächtigen gefunden oder die Stimmen von Gesuchten identifiziert werden.

Muscular

Hierbei geht es den bislang vorliegenden Berichten zufolge um das wahllose Abfangen der Datenströme aus Glasfaserkabeln zwischen den Rechenzentren der Internetkonzerne Google und Yahoo durch die NSA und ihren britischen Partnerdienst GCHQ. Google betreibt weltweit 13 dieser Anlagen, auf denen die Daten von Nutzern und deren Informationsströme verwaltet werden. Die Zentren tauschen ständig gigantische Datenmengen untereinander aus. NSA und GCHQ haben sich angeblich heimlich Zugang zu den Verbindungskabeln verschafft und kopieren Massen unverschlüsselter Daten.

XKeyscore

Der Begriff bezeichnet ein weiteres internes IT-Programm der NSA. Nach bisher vorliegenden Informationen handelt es sich dabei anscheinend um eine Art Analyse-Software, mit der die von der NSA betriebenen Datenbanken durchsucht werden, um Berichte über das Kommunikationsverhalten einer Person zu erstellen. Demnach kann „XKeyscore“ etwa auf Telefonnummern und Emailadressen zugreifen, aber auch Begriffe auflisten, die jemand in die Google-Suche eingegeben hat. Über „XKeyscore“ wurde hierzulande zuletzt viel diskutiert. Der Verfassungsschutz räumte ein, das Programm „testweise“ einzusetzen - wobei der Dienst aber ausdrücklich betont, es lediglich zur Analyse von bereits im eigenen Haus vorliegenden, nach deutschem Recht erhobenen Daten zu testen und damit weder aktiv Informationen zu sammeln noch international Daten etwa mit der NSA auszutauschen.

DE-CIX

Der große Internetknoten in Frankfurt am Main ist den Berichten zufolge ein bevorzugtes Ziel der NSA-Spionage in Deutschland. DE-CIX ist eine Art große Weiche, an der Internetverkehr aus verschiedenen einzelnen Provider- und Datennetzen zusammenfließt und verteilt wird. Gemessen am Datendurchsatz soll DE-CIX laut Betreiber der größte Internetknoten der Welt sein. Unklar ist aber, wie mutmaßliche Spione Zugriff auf den Knoten erhalten haben sollen. Denn DE-CIX besteht aus 18 gesicherten Einrichtungen, die durch Glasfaser verbunden sind. Der Betreiber und deutsche Behörden dementierten, dass die NSA hier Zugriff habe.

G-10-Gesetz

Dieses Gesetz regelt den Zugriff der deutschen Nachrichtendienste auf Telekommunikationsdaten. Vollständig heißt es „Gesetz zur Beschränkung des Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnisses“. Da es in Artikel 10 des Grundgesetzes verfassungsrechtlich fixiert ist, lautet die Kurzform G-10-Gesetz. Es verpflichtet Postanbieter sowie Telekom- und Internetkonzerne, den Verfassungsschutzämtern, dem Bundesnachrichtendienst (BND) und dem Militärischen Abschirmdienst (MAD) der Bundeswehr auf Verlangen Sendungen zu übergeben und ihnen die Aufzeichnung und Überwachung der Telekommunikation technisch zu ermöglichen. Laut Gesetz dürfen die Dienste derartige Maßnahmen etwa zur Abwehr einer „drohenden Gefahr“ für die demokratische Grundordnung beantragen. Genehmigt werden diese von einer speziellen Kommission aus zehn Bundestagsabgeordneten, der sogenannten G-10-Kommission.

Bei zwischenzeitlichen Gesprächen mit dem bisherigen „Guardian“-Journalisten Greenwald habe er eine Menge Gemeinsamkeiten bei den Ideen festgestellt und sie beschlossen, die Kräfte zu vereinen, erklärte Omidyar. Die Organisationsstruktur und viele Details des neuen Unternehmens seien noch unklar. Auch ein Name soll erst später bekanntgegeben werden. Alle Einnahmen sollen in den Journalismus zurückinvestiert werden, betonte Omidyar.

Greenwald hatte in den vergangenen Monaten mit Berichten über die Überwachung des Internets durch den US-Geheimdienst NSA für Aufsehen gesorgt. Die Enthüllungen gehen auf tausende geheime Dokumente zurück, die vom Informanten Edward Snowden stammen. Greenwald und die Filmemacherin Laura Poitras gelten als die einzigen Journalisten, die Zugang zum gesamten Snowden-Material haben. Poitras ist bei dem neuen Medienprojekt ebenfalls an Bord.

Schon am Vortag hatte Greenwald der US-Website „Buzzfeed“ gesagt, er solle bei dem neuen Unternehmen neben dem Schreiben auch die „gesamte journalistische Abteilung gestalten“. Das Vermögen des 46-jährigen Omidyar, der sich nach seinem Ausstieg bei Ebay nach Hawaii zurückzog, wurde vom US-Magazin „Forbes“ zuletzt auf rund 8,5 Milliarden Dollar geschätzt.

Omidyar hatte bereits seit einiger Zeit Interesse an journalistischen Projekten gezeigt. So finanzierte er ein lokales Nachrichtenprojekt auf Hawaii. Das habe ihm Appetit auf mehr gemacht, erklärte er. Omidyar hatte in den vergangenen Monaten starkes Interesse an Greenwalds NSA-Enthüllungen gezeigt und sich wiederholt besorgt über Behinderungen für investigativen Journalismus in den USA geäußert.

Von

dpa

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