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09.06.2015

10:47 Uhr

Neuer Mehrheitseigner für das KaDeWe

Karstadt-Eigner Benko holt Italiener an Bord

VonFlorian Kolf

Karstadt-Eigner René Benko gibt die operative Führung der KaDeWe Group ab. Mit dem neuen Partner La Rinascente sollen nicht nur neue Häuser im Ausland eröffnet werden. Sogar die Übernahme von Konkurrenten wird geprüft.

Eigner René Benko verkauft die operative Mehrheit an seinem Kaufhaus-Juwel an die italienische Rinascente-Gruppe dpa

Neuer Partner für das KaDeWe

Eigner René Benko verkauft die operative Mehrheit an seinem Kaufhaus-Juwel an die italienische Rinascente-Gruppe

DüsseldorfAuf den ersten Blick sieht es wie ein Rückzug des Karstadt-Eigners René Benko aus: Seine Holding-Gesellschaft Signa Retail gibt die operative Mehrheit an seinem Kaufhaus-Juwel, der KaDeWe Group, an die italienische La Rinascente Group ab. 50,1 Prozent gehen für einen nicht genannten Betrag auf den neuen strategischen Partner über. La Rinascente schickt seinen erfahrenen Warenhaus-Manager Vittorio Radice in die Führung der KaDeWe Group.

Doch die neue Partnerschaft könnte eine geschickte Weichenstellung für die Zukunft sein: Hat doch die KaDeWe Group Pläne, nicht nur in Deutschland, sondern auch im europäischen Ausland zu expandieren. Und dies dürfte zusammen mit La Rinascente, die einen dreistelligen Millionenbetrag in die KaDeWe Group investieren wollen, wesentlich einfacher sein. Konkret sind bereits neue Standorte in Wien und in Prag geplant. Außerdem prüfen die beiden Partner nach eigenen Angaben intensiv, Wettbewerber in Deutschland und der Schweiz zu übernehmen.

Karstadts Krisen-Chronik

Lange Leidensgeschichte

Die Krisengeschichte der angeschlagenen Warenhauskette Karstadt ist lang, 2009 begann das Insolvenzverfahren. Eine Übersicht über sechs Jahre Überlebenskampf.

1. September 2009

Nach Jahren des Überlebenskampfes wird für die Karstadt Warenhaus GmbH das Insolvenzverfahren eröffnet.

7. Juni 2010

Die Berggruen Holding des Privatinvestors Nicolas Berggruen bekommt den Zuschlag zur Übernahme.

20. September 2010

Das Amtsgericht Essen hebt das Insolvenzverfahren auf. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro, die Belegschaft auf 150 Millionen Euro.

23. November 2010

Der frühere Woolworth-Manager Andrew Jennings wird zum neuen Karstadt-Chef bestellt und beginnt Anfang Januar 2011.

6. Juli 2011

Jennings legt das Konzept „Karstadt 2015“ vor: Modernisierung der Warenhäuser, stärkeres Online-Geschäft und Expansion der Sporthäuser sind der Kern.

16. Juli 2012

Karstadt kündigt die Streichung von 2000 Stellen an.

13. April 2013

Karstadt kündigt eine „Tarifpause“ für die Beschäftigten an. Die Belegschaft protestiert.

16. September 2013

75,1 Prozent der Premium-Kaufhäuser und der Sporthäuser gehen an den Karstadt-Vermieter Signa. Dafür sollen die Österreicher 300 Millionen Euro in die Modernisierung investieren.

7. Juli 2014

Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt, die dem Ende 2013 augeschiedenen Jennings folgte, verlässt das Unternehmen wieder. Sie sehe keine Basis mehr für die von ihr angestrebten Sanierung, sagt die Ex-Ikea-Managerin.

15. August 2014

Berggruen verkauft die Karstadt Warenhaus GmbH für einen Euro an den österreichischen Immobilieninvestor René Benko.

23. Oktober 2014

Die Warenhauskette kündigt tiefe Einschnitte an. Sechs Häuser sollen geschlossen werden.

22. Februar 2015

Nach monatelangen Verhandlungen zur Sanierung einigen sich Konzern und Betriebsrat. So wurden Altersteilzeit- und Vorruhestandsregelungen vereinbart. Rund 1400 Jobs sollen wegfallen.

2. April 2015

Dank sozialverträglicher Maßnahmen schrumpft die Zahl der Kündigungen auf 960. Außerdem zahlt Karstadt 2,5 Millionen Euro in einen Fonds für die Betroffenen.

10. April 2015

Teileinigung bei den Tarifverhandlungen: KaDeWe in Berlin, Alsterhaus in Hamburg und Oberpollinger in München kehren in die Tarifbindung zurück. Verhandlungen für die „normalen“ Karstadt-Warenhäuser und die Sporthäuser bleiben ohne Einigung.

12. Mai 2015

Weitere fünf Warenhäuser sollen geschlossen werden.

„Unsere Strategie ist nachhaltig und auf qualitatives Wachstum angelegt“, begründet Wolfram Keil, Geschäftsführer von Signa Retail, den Schritt. „Wir bündeln deshalb die Top-Kräfte des Kontinents im Premium-Segment.“ Dies sei ein wichtiger Meilenstein  „auf dem Weg zu einer integrierten Warenhausgruppe europäischer Prägung“. 

Signa will deswegen die verbleibenden 49,9 Prozent an der KaDeWe Group langfristig halten. Auch ist vereinbart, dass strategische Zukunftsentscheidungen nur einstimmig getroffen werden können.

Kommentare (2)

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Sergio Puntila

09.06.2015, 14:38 Uhr

Bei 51% bleibt die Frage, wer da wen an Bord geholt haben könnte...

Sergio Puntila

09.06.2015, 14:42 Uhr

Erratum:
statt 51%
richtig 50,1 %
Was die Frage indes nicht vollkommen abwegig erscheinen lassen könnte.

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