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07.10.2015

16:07 Uhr

Neuer Personalchef

Der Prügelknabe von Air France wird abgelöst

VonThomas Hanke

Für die Firma opferte Xavier Broseta buchstäblich sein Hemd. Dennoch wird der kürzlich attackierte Air-France-Personalchef nun abgelöst. Von Gilles Gateau, einem Vertrauten von Premierminister Manuel Valls.

Nach der Verfolgungsjagd auf dem Gelände des Air France-Sitzes in Roissy verliert Personalvorstand Xavier Broseta (2.v.l.) nun seinen Job. Reuters

Air France

Nach der Verfolgungsjagd auf dem Gelände des Air France-Sitzes in Roissy verliert Personalvorstand Xavier Broseta (2.v.l.) nun seinen Job.

ParisSein Bild ging um die Welt: Anfang dieser Woche musste Xavier Broseta als Personalvorstand seinen Kopf hinhalten – für den Plan von Air France, die Axt an 2900 Arbeitsplätze zu legen. Gewalttätige Demonstranten griffen ihn an, jagten ihn über das Gelände des Air France-Sitzes in Roissy und rissen ihm Jacke und Hemd vom Leib. Schließlich wurde der halbnackte Manager mit seinem Kollegen Pierre Plisonnier von Sicherheitskräften über einen Zaun gehievt, um die beiden vor den Verfolgern in Sicherheit zu bringen.

Nun verliert Broseta selber seinen Job: Im Januar soll er durch einen Vertrauensmann des Premierministers Manuel Valls ersetzt werden. Gilles Gateau ist bislang stellvertretender Kabinettsdirektor von Valls und arbeitete früher für den Arbeitsminister Gerüchte über seinen Quereinstieg bei Air France gab es bereits in der vergangenen Woche. Die Ablösung von Broseta hat demnach nichts mit der Attacke zu tun. Nun bestätigt die Sozialministerin indirekt den noch nicht offiziell gewordenen Wechsel, indem sie Gateau „viel Erfolg in seinem schwierigen Amt“ wünscht. Broselat hat sein körperlicher Einsatz nichts mehr genutzt.

Wer genau die Urheber der Treibjagd waren, ist immer noch unklar. Einige Medien wollen erfahren haben, die linke Gewerkschaft CGT habe ihren muskulösen Sicherheitsdienst, der ansonsten bei solchen Gelegenheiten eingesetzt werde, absichtlich zurückgehalten. Die CGT ihrerseits macht dem Management Vorwürfe: Man habe vor der Sitzung des zentralen Betriebsrates darauf hingewiesen, dass die Stimmung ausgesprochen aufgeheizt sei. Der Vorstand müsse für mehr Sicherheit sorgen. Die Warnungen seien aber verhallt.

Das sind die größten Airlines der Welt

Platz 10

Air China ist die zweitgrößte Fluggesellschaft der Volksrepublik – und die einzige zivile Linie, der es erlaubt ist, die chinesische Nationalflagge auf ihren Flugzeugen anzubringen.
Passagiere 2014: 54,58 Millionen

Platz 9

Die Lufthansa ist die größte deutsche Fluggesellschaft und befördert den Großteil ihrer Passagiere auf internationalen Flügen.
Passagiere 2014: 59,85 Millionen

Platz 8

Easyjet aus Großbritannien ist nach Ryanair die zweitgrößte Billigfluggesellschaft der Welt.
Passagiere 2014: 62,31 Millionen

Platz 7

China Eastern Airlines hat seine Basis in Shanghai, fliegt trotz des Namens nicht nur Ziele im Osten des Landes an, sondern ist sowohl in ganz China als auch internationale unterwegs.
Passagiere 2014: 66,17 Millionen

Platz 6

Die irische Billigfluggesellschaft Ryanair liegt im weltweiten Ranking auf Platz 6, in Europa ist aber keine Airline größer als das Unternehmen aus Dublin. Interessant: Ryanair bietet ausschließlich internationale Flüge an.
Passagiere 2014: 86,37 Millionen

Platz 5

American Airlines mit Sitz in Texas ist eine der ältesten Fluglinien der Welt, sie wurde bereits 1930 gegründet.
Passagiere 2014: 87,83 Millionen

Platz 4

Noch ein wenig älter ist United Airlines, ebenfalls aus den USA. Die Unternehmensgeschichte geht bis ins Jahr 1926 zurück.
Passagiere 2014: 90,44 Millionen

Platz 3

China Southern Airlines ist die größte Fluggesellschaft Asiens. Den Großteil ihrer Passagiere befördert die Airline auf Flügen innerhalb Chinas.
Passagiere 2014: 100,68 Millionen

Platz 2

Southwest Airlines aus den USA ist eine Billigfluggesellschaft mit Sitz in Dallas. 1967 gegründet, ist das Unternehmen Pionier des Billigflugsegments. Sie bietet fast ausschließlich Flüge innerhalb der USA an.
Passagiere 2014: 129,09 Millionen

Platz 1

Delta Air Lines gehört zu den drei verbliebenen traditionsreichen Linienfluggesellschaften in den USA. Ganz knapp verweist das Unternehmen die Southwest Airlines auf Rang zwei.
Passagiere 2014: 129,43 Millionen

Quelle: IATA

Die Arbeitnehmervertreter machen dem Management nun den Vorwurf, es habe eine kurzsichtige Strategie gefahren. Der Vorstand habe versucht, die Belegschaft zu spalten und die Piloten zu isolieren, indem sie als Quertreiber beschimpft wurden, während das übrige Personal kompromissbereiter sei. „Das ist sachlich falsch, weder die Flugbegleiter noch das Bodenpersonal sind zu größeren Zugeständnissen bereit als die Piloten“, sagte ein Pilot dem Handelsblatt. Die Strategie des Managements sei äußerst gefährlich, weil sie die Spannungen nur weiter anheize. Die Piloten zu Sündenböcken zu machen sie ein Vorgehen, das in die Sackgasse führe.

Für neuen Ärger sorgt ein Bericht der gut informierten Wochenzeitung „Le Canard Enchainé“, demzufolge bei Air France nicht nur 2900, sondern 5000 Arbeitsplätze abgebaut werden sollen. Vor der Präsidentschaftswahl 2017 wollte man nur über die 2900 in dieser Woche bekannt gegebenen Jobverluste sprechen.

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Air France dementierte den Bericht. Schon in wenigen Tagen könnten Vorstand und Personalvertreter erneut aneinander geraten. Dann wird ein Gericht entscheiden, ob die Piloten ihre Zusagen aus dem vorletzten Sparprogramm „Transform“ eingehalten haben oder nicht. Der Air France-Vorstand behauptet, die Piloten seien dahinter zurückgeblieben und damit habe es keine Grundlage mehr für weitere ernsthafte Verhandlungen gegeben. Sollte das Gericht dem widersprechen, wäre dies eine empfindliche Niederlage für das Management.

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