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10.11.2015

10:19 Uhr

Neues DFB-Trikot

Wenn Poldi für Adidas rappt

VonJoachim Hofer

Der Deutsche Fußball-Bund steckt in der größten Krise seiner Geschichte. Adidas hat trotzdem die neuen Trikots der Fußball-Nationalmannschaft präsentiert. Das Weihnachtsgeschäft ist einfach zu verlockend.

Der Nationalspieler (r.) präsentierte den neuen Dress mit Rapper Cro. dpa

Poldi im Trikot

Der Nationalspieler (r.) präsentierte den neuen Dress mit Rapper Cro.

MünchenDiesen Abend sollten sich Fußballfans auf jeden Fall freihalten: Am 10. Juni 2016 wird um 21 Uhr die Europameisterschaft im Stade de France zu Paris angepfiffen. Noch steht nicht einmal fest, gegen wen Gastgeber Frankreich zum Auftakt des Turniers antreten darf. Die sechs Vierergruppen werden erst am 12. Dezember ausgelost. Das hindert die Sportkonzerne aber nicht daran, jetzt schon die neuen Trikots der Nationalmannschaften zu präsentieren. In Berlin hat Adidas am Montagabend gemeinsam mit mehreren Nationalspielern, darunter Weltmeister Lukas Podolski, die neuen Leibchen vorgestellt. Stargast vor 700 Fußball-Fans war der Panda-Rapper Cro.

Nur zwei Stunden nach dem überraschenden Rücktritt von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach präsentierte Adidas das neue Jersey. Der 64-Jährige Niersbach musste wegen angeblicher schwarzer Kassen im Vorfeld der Weltmeisterschaft 2006 gehen. Das neue, sogenannte Heimtrikot des Deutschen Fußball-Bundes ist demgegenüber ganz in unschuldigem Weiß gehalten – mit dem goldenen Weltmeistersymbol der Fifa und dem DFB-Wappen, dem Adler, und mit den vier Weltmeister-Sternen auf der Brust. Auf den Ärmeln sind die Jahreszahlen der vier WM- und drei EM-Titel aufgedruckt.

Die wichtigsten Nationalteams der Sportkonzerne

Adidas – Deutschland

Seit mehr als 60 Jahren schon stürmen die deutsche Fußball-Nationalmannschaft und Adidas gemeinsam übers Feld. Die Liaison begann mit dem „Wunder von Bern“, dem überraschenden Titelgewinn 1954 bei der Weltmeisterschaft in der Schweiz. Lange verhandelten der DFB und die Marke mit den drei Streifen über eine Verlängerung des 2018 auslaufenden Ausrüstervertrags – letztlich mit Erfolg.

Autor: jojo

Spanien

Nach Deutschland ist Spanien das wichtigste europäische Nationalteam von Adidas: Das Team gewann die Europameisterschaften 2008 und 2012 sowie die Weltmeisterschaft 2010. Im Sommer hat Adidas den Vertrag mit den Spaniern bis 2026 verlängert. Die deutsch-iberische Liaison währt nun schon seit mehr als 30 Jahren.

Russland

Über Jahre hinweg war Russland der Wachstumsmarkt schlechthin für Adidas. Entsprechend wichtig war es, das russische Nationalteam unter Vertrag zu haben. Allerdings läuft das Geschäft in Russland inzwischen nur noch verhalten, Wirtschaftskrise und Sanktionen des Westens halten die Kunden davon ab, neue Turnschuhe zu kaufen. Doch 2018 soll die WM in dem Land stattfinden, daher ist die Mannschaft für Adidas noch immer attraktiv.

Argentinien

Im fußballbegeisterten Südamerika ist der argentinische Verband das Zugpferd für Adidas. Das Team stand zuletzt im WM-Endspiel gegen Deutschland – und verlor. Adidas war das letztlich egal, schließlich gewann ein anderes von der Marke gesponsertes Team: Deutschland.

Nike – Brasilien

Weltweit betrachtet ist Brasilien das wichtigste Team, das für die Marke von der amerikanischen Westküste spielt. Allerdings sind die erfolgsverwöhnten Südamerikaner weit von einer für sie selbst akzeptablen Form entfernt. Bei der Heim-WM 2014 schied die Mannschaft schmachvoll gegen Deutschland aus, bei der Copa América diesen Sommer schafften es die Brasilianer ebenfalls nicht ins Finale.

England

Die letzten großen Erfolge des englischen Nationalteams liegen mehr als vier Jahrzehnte zurück. Trotzdem ist die Mannschaft für Nike wichtig, weil die fußballverrückten Engländer sich gerne mit neuen Trikots einkleiden.

Frankreich

Das Land richtet die EM 2016 aus und ist damit der Hoffnungsträger von Nike für das kommende Jahr. Bei den letzten großen Turnieren allerdings hat die Equipe Tricolore nicht besonders glorreich gespielt. Vergangenes Jahr schieden Les Bleus bei der WM im Viertelfinale gegen Deutschland aus.

Niederlande

Der Totalausfall im Portfolio von Weltmarktführer Nike. Die Niederländer haben es verpasst, sich für die EM kommendes Jahr in Frankreich zu qualifizieren.

Puma – Italien

Die Tifosi sind das Aushängeschild von Puma und das einzige europäische Team der Marke, das international ganz vorne mitspielt. Allerdings liegt der letzte Titelgewinn nun schon fast zehn Jahre zurück: 2006 gewannen die Italiener die Weltmeisterschaft in Deutschland.

Österreich

Österreich hat sich überzeugend für die EM 2016 qualifiziert. Das macht Puma Hoffnung, dass es sich doch noch lohnt, das zuvor über Jahre erfolglose Team auszustatten.

Schweiz

Die Eidgenossen spielen seit Jahren bei Europa- und Weltmeisterschaften mit und machen Puma deshalb viel Freude. Zu einem Titelgewinn allerdings hat es bislang noch nicht gereicht.

Elfenbeinküste

Puma sponsert seit Jahren zahlreiche afrikanische Teams – und feiert mit ihnen immer wieder große Erfolge. 2015 war der Puma-Partner Elfenbeinküste beim Afrika-Cup siegreich, dem afrikanischen Pendant zur Europameisterschaft.

Das Auswärtsshirt hat helle und dunkelgraue Querstreifen. Die Ärmel sind grün mit einem neonfarbenen Streifen abgesetzt. Die Stars tragen das neue Shirt erstmals beim Testspiel am kommenden Freitag in Paris gegen EM-Gastgeber Frankreich. Es hat seinen Grund, dass Marken wie Adidas so früh mit der Vermarktung starten: Die Leibchen sind ein wichtiger Umsatzbringer im Weihnachtsgeschäft, und das beginnt jetzt.

Bei vielen Fans hierzulande werden die Jerseys an Heiligabend unterm Christbaum liegen. Bei Preisen ab 65 Euro pro Shirt müssen die Käufer allerdings tief in die Tasche greifen. Wer seinem oder seiner Liebsten noch den Namen aufdrucken lässt, der ist schnell mit 100 Euro und mehr dabei.

Für die Sportkonzerne sind die großen Fußballturniere daher wahre Geldmaschinen. So hat Adidas im WM-Jahr 2014 Kickstiefel, Bälle, Trikots und Fanartikel für mehr als zwei Milliarden Euro verkauft. Ein neuer Rekord. Alles in allem brachte die Marke mit den drei Streifen im Jahr des deutschen Triumphs mehr als drei Millionen Trikots der Nationalmannschaft unter die Leute. So viele wie nie zuvor. Nicht einmal zur Heim-WM im Jahr 2006 gingen so viele Leibchen weg.

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Adidas verdient wieder prächtig – trotz der vielen Negativ-Schlagzeilen. Die Käufer scheinen sich nicht für die engen Bande zu Fifa und DFB zu interessieren. Die Börse feiert bereits die Wiederauferstehung der Marke.

Auch für die Sporthändler sind Trikots und Fanartikel ein wichtiger Umsatzbringer. Das bewies die vergangene Weltmeisterschaft: Während der deutschen Siegesserie in Brasilien lagen die Umsätze bei Intersport im Juni 2014 um zwölf Prozent über dem Jahr davor. In den Geschäften des deutschen Marktführers gingen vergangenes Jahr mehr als 400.000 Nationalmannschafts-Trikots über die Ladentheken. Weltmarktführer Nike sowie die Verfolger Adidas und Puma haben die großen, bekannten Fußballnationen unter sich aufgeteilt.

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