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09.06.2016

10:06 Uhr

Neues Mifa-Werk

Fahrradfabrikanten kämpfen gegen die Billig-Konkurrenz

Fahrräder kommen heute oft aus Asien - doch traditionsreiche Anbieter wollen mit Rädern „Made in Germany“ dagegen halten. Der Hersteller Mifa will nun mit einem neuen Werk die Wende schaffen.

Fahrräder kommen heute oft aus Asien – doch traditionsreiche Anbieter wollen mit Rädern „Made in Germany“ dagegen halten. dpa

Fahrradhersteller Mifa

Fahrräder kommen heute oft aus Asien – doch traditionsreiche Anbieter wollen mit Rädern „Made in Germany“ dagegen halten.

SangerhausenUnter den einst Volkseigenen Betrieben der DDR galt der Fahrradhersteller Mifa lange Zeit als Aushängeschild. Doch vor knapp zwei Jahren musste das Unternehmen in Sangerhausen mit 600 Mitarbeitern Insolvenz anmelden. Marke und Fertigung wurden von dem Unternehmer Heinrich von Nathusius (73) übernommen. Jetzt wird expandiert, um gegen die Konkurrenz aus Fernost zu bestehen: An diesem Freitag soll der Grundstein für ein neues Werk gleich an der Autobahn A38 gelegt werden.

Rund 17 Millionen Euro sollen in die neue Fabrik investiert werden. Mifa will damit schneller als die asiatische Konkurrenz und auch individueller werden. „Kunden müssen bislang von der Entwicklung bis zur Auslieferung 18 Monate warten“, sagt von Nathusius. Und ähnlich wie bei Neuwagen sollen Kunden künftig im Internet auch Fahrräder individuell zusammenstellen können. Binnen einer Woche sollen die Räder dann fertig sei. „Das kann ich nur in einem neuen Werk machen.“ Mit solchen Ideen will er sich von der asiatischen Billigkonkurrenz abheben. Zudem setzt Mifa auf den Trend zu E-Bikes. „Das Fahrrad wird immer mehr zu einem tagesaktuellen Verkehrsmittel“, sagt von Nathusius.

Mifa blickt auf eine lange Geschichte zurück. Gegründet wurde das Werk vor dem Ersten Weltkrieg. Nach der Umstellung auf Rüstungsgüter im Zweiten Weltkrieg wurde es ein Volkseigener Betrieb (VEB), der nach der Wende an die Treuhand ging. In den 90er Jahren folgten Privatisierung, Börsengang und der Zukauf kleinerer Hersteller – der Jahresumsatz kletterte auf mehr als 100 Millionen Euro. Hauptinvestor war zeitweise der AWD-Gründer Carsten Maschmeyer. 2014 kam es dann – obwohl die Firma teils weniger als den heutigen Mindestlohn von 8,50 Euro die Stunde zahlte – zur Insolvenz. Denn in den Bilanzen für mehrere Jahre waren Fehler gefunden worden, Millionenverluste taten sich auf. Das Unternehmen war plötzlich überschuldet.

Der neue Investor Heinrich von Nathusius ist in Sachsen-Anhalt kein Unbekannter. Er hatte nach der Wende das IFA-Gelenkwellenwerk in Haldensleben übernommen, mit der Firma Rotorion aus Friedrichsfelde verschmolzen und damit einen erfolgreichen Autozulieferer geschaffen. Heute ist er einer der weltweit größten Hersteller von Kardanwellen. Unter anderem aus der Landespolitik wurde er angesprochen, ob er bei Mifa nicht helfen könne, berichtet von Nathusius. „Die Landespolitik hat nach wie vor Interesse an einem starken Arbeitsmarkt.“

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