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12.11.2014

20:04 Uhr

Neues Sparprogramm

Gewinn von Air Berlin schrumpft weiter

Die Fluggesellschaft Air Berlin steckt wegen des übereilten Expansionskurses weiter tief in der Krise. Auch der Umsatz des Unternehmens ist geschrumpft. Der künftige Chef Stefan Pichler steht vor großen Aufgaben.

Air Berlin präsentierte am Mittwoch seine Quartalszahlen. Reuters

Air Berlin präsentierte am Mittwoch seine Quartalszahlen.

Berlin/FrankfurtKein schöner Sommer für Air Berlin: Nach einem herben Gewinneinbruch in der wichtigsten Reisesaison legt Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft ein weiteres Sparprogramm auf. Bis 2016 soll sich das Ergebnis dadurch um 400 Millionen Euro verbessern, wie die kriselnde Lufthansa-Rivalin am Mittwochabend mitteilte. Das Versprechen wird vor allem der künftige Air-Berlin-Chef Stefan Pichler einlösen müssen. Der frühere Lufthansa-Manager löst im Februar Wolfgang Prock-Schauer nach zwei Jahren an der Unternehmensspitze ab.

In der Hauptreisezeit von Juli bis September machte der Preiskampf bei den Flugtickets Air Berlin schwer zu schaffen. Obwohl Air Berlin mehr Flüge anbot und die Maschinen ähnlich gut gefüllt waren wie ein Jahr zuvor, sank der Umsatz um knapp drei Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Der operative Gewinn (Ebit) rutschte um mehr als ein Drittel auf 75 Millionen Euro ab. Unter dem Strich stand mit knapp 50 Millionen Euro nur knapp halb so viel Gewinn wie ein Jahr zuvor.

Welche Airlines der Umwelt schaden

Das Atmosfair-Ranking

Einmal jährlich bewertet die Umweltorganisation Atmosfair die Umweltfreundlichkeit der größten Airlines. Dazu werden u.a. der CO2-Ausstoß und die eingesetzten Flugzeuge erfasst. Billigflieger tauchen bisher aus methodischen Gründen nicht im Ranking auf. Welche Airlines am schlechtesten abgeschnitten haben.

Platz 10

Czech Airlines: 48,7 Effizienzpunkte
Die tschechische Staats-Airline ist in der Rangliste abgerutscht und gehört nun zu den zehn Fluggesellschaften weltweit, die die Umwelt am stärksten belasten. Auf der Kurzstrecke schneidet Czech Airlines besonders schlecht ab.

Platz 9

US Airways Express: 48,4
Die Zubringer-Airlines von US Airways haben 20 Millionen Passagiere transportiert (Atmosfair-Daten für 2012) – dass aber nicht besonders effektiv. Die Airlines sind in Sachen Umweltbilanz die neuntschlechtesten der Rangliste.

Platz 8

Aeromexico: 48,3
Der aztekische Adlerkrieger ist das Logo von Mexikos größter Fluggesellschaft. Doch ein Adler fliegt effizienter als Aeromexico. Die Airline schneidet besonders auf der Kurzstrecke schlecht ab.

Platz 6

J-Air: 47,5
Die Regional-Tochter der Japan Airlines beförderte nur zwei Millionen Fluggäste, aber das nicht gerade zum Wohl des Klimas. J-Air ist die sechstschlechteste Airline des Rankings.

Platz 6

Malaysia Airlines: 47,5
Die arg gebeutelte staatliche Fluggesellschaft Malaysias rutscht in der Rangliste ab. Nur fünf Airlines schneiden noch schlechter ab.

Platz 5

Royal Jordanian: 46,7
Die nationale Fluggesellschaft von Jordanien ist besonders auf der Kurzstrecke klimaineffizient. Das bringt ihr in der Gesamtrangliste einen Platz unter den schlechtesten fünf Airlines ein.

Platz 4

Pakistan International Airlines: 46,1
Pakistans Staats-Airline ist nicht gerade für ihre Klima-Effizienz bekannt. In diesem Jahr schrammt die Fluggesellschaft nur knapp am Negativ-Treppchen von Atmosfair vorbei.

Platz 2

Airline Tajmyr: 45,4
Die unter dem Namen Nordstar bekannte Airline fliegt hauptsächlich mit Propeller-Maschinen von ATR.

Platz 2

Saudi Arabian Airlines: 45,4
Auf der Langstrecke gibt es viele Airlines, die in Sachen Klimaeffizienz schlechter abschneiden. Doch der CO2-Ausstoß auf der Kurz- und Mittelstrecke reißt die saudi-arabische Fluggesellschaft rein. Nur eine Airline sammelte noch weniger Effizienzpunkte.

Platz 1

Air Algerie: 45,2
Auf diesen Titel könnte Air Algerie gut verzichten: Die Fluggesellschaft ist die klimaineffizienteste der Welt. Auf der Kurzstrecke schaut es noch ganz gut aus, doch auf der Mittelstrecke schneidet die Airline richtig schlecht ab.

Das neue Sanierungspaket kommt nun noch vor Ende des laufenden Programms „Turbine“, das bis Ende 2014 eine Ergebnissteigerung in gleicher Höhe bringen sollte. Schon im Sommer hatte Prock-Schauer die Eckpunkte einer neuen Strategie bekanntgegeben, aber keinen finanziellen Rahmen genannt. Von einer schnellen Rückkehr in die Gewinnzone hatte er sich jedoch längst verabschiedet. Zuletzt verschob er das Ziel auf 2016. Dann soll auch das neue, namenlose Sanierungsprogramm seine volle Wirkung entfalten.

Rund 60 Prozent der geplanten 400 Millionen Euro will das Management durch Einsparungen, Effizienzgewinne und einen Umbau des Streckennetzes erreichen. Der Rest soll aus einem verbesserten Vertrieb und zusätzlichen Erträgen kommen. Was genau der Vorstand darunter versteht, blieb am Mittwoch offen. Am Donnerstag will Air Berlin wie geplant den Quartalsbericht vorstellen. Danach stellt sich auch der Vorstand den Fragen von Analysten und Journalisten.

Air Berlin steckt seit Jahren finanziell in Turbulenzen. Neben einer Verkleinerung von Flotte und Flugangebot halten millionenschwere Finanzspritzen des Großaktionärs Etihad die Gesellschaft in der Luft. Die staatliche arabische Fluglinie kauft sich damit ein Zubringernetz in Europa, das sie wegen staatlicher Luftverkehrsabkommen nicht mit eigenen Flugzeugen stemmen könnte. Zu dem Bündnis gesellte sich vor kurzem auch die italienische Alitalia, der Etihad ebenfalls mit dringend benötigtem frischen Geld beisprang.

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