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05.10.2015

18:50 Uhr

Neustart für American Apparel

Antrag auf Gläubigerschutz gestellt

VonAxel Postinett

Die Modekette American Apparel steht unter Gläubigerschutz. In wenigen Monaten sollen die Sanierung geschafft und der lästige Gründer entsorgt sein. Es ist das Ende einer langen Schlammschlacht. Aber auch ein Neuanfang?

Von 2009 bis 2014 hat das Unternehmen rund 300 Millionen Dollar verloren. AFP

American Apparel

Von 2009 bis 2014 hat das Unternehmen rund 300 Millionen Dollar verloren.

Los AngelesEs war nur noch eine Frage der Zeit: Seit 2009 hatte die einst legendäre Modemarke keinen Gewinn mehr eingefahren. Das Geld wurde immer knapper, ein letztes verzweifeltes Sanierungsprogramm im August war gescheitert. Jetzt folgt der Antrag auf Gläubigerschutz unter dem „Chapter 11“ des US-Insolvenzrechts. Freiwillig, wie es in einer Mitteilung des Unternehmens heißt.

Eine Vereinbarung mit 95 Prozent der Gläubiger werde die Schuldenlast von 300 Millionen Dollar auf „nicht mehr“ als 135 Millionen Dollar reduzieren. Dafür werden Schulden in Unternehmensanteile umgewandelt. Gleichzeitig gewähren die Gläubiger 90 Millionen Dollar Übergangsfinanzierung, um den laufenden Betrieb zu gewährleisten. Vorstandschefin Paula Schneider: „Mit den neuen Finanzmitteln werden wir in der Lage sein, uns wieder auf das Geschäft und Marketing zu konzentrieren, neue Shops zu eröffnen und den E-Commerce auszubauen.“

Der größte Verlierer der Reorganisation wird der umstrittene Firmengründer und frühere CEO Dov Charney sein. Zusammen mit anderen Aktionären wird sein Aktienpaket ausradiert werden, wenn der Konkursrichter dem Sanierungsplan zustimmt. Charney hatte zuletzt noch rund fünf Prozent der Aktien. „Wenn der Sanierungsplan vom Gericht bestätigt wird“, so das Unternehmen in einer Pflichtmitteilung, „werden die existierenden Aktien ausgelöscht. Die Aktionäre bekommen gemäß geltender Rechtslage keine Entschädigung.“

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Charney ist jedoch bekannt dafür, niemals klein beizugeben. Der Ende 2014 gefeuerte Gründer und CEO hat sein früheres Unternehmen mit einer Reihe von Rechtstreitigkeiten überzogen und wirft Vorstand, Aufsichtsrat und Gläubigern falsche Informationen, Wertpapierbetrug, Verleumdung und andere Straftaten vor.

Hat er eine Chance den Prozess aufzuhalten? Wohl kaum. „Es ist auch nach US-Recht gar kein Thema, dass alte Aktionäre rausgeworfen werden können“, so Rechtsanwältin Dr. Annerose Tashiro von Schultze & Braun in Köln im Gespräch mit Handelsblatt Online. Die Altaktionäre werden, so das übliche Verfahren, in eine Gläubigergruppe eingewiesen und bekommen in der Regel einen Prozentsatz von null zugewiesen.

Können die zahlreichen anhängigen Klagen den Untergang Charneys noch verhindern? Nein, so Anwältin Tashiro. „Das Insolvenzverfahren friert diese Verfahren ein. Eventuelle Schadenersatzforderungen gegen das Unternehmen würden in unbesicherte Forderungen umgewandelt.“

Wohl niemals war ein CEO in den USA so umstritten wie der heute 46-Jährige, der 1998 American Apparel gründete und zu einer Weltmarke aufbaute. Mit seinen sexuellen Vorlieben hielt er nie hinter dem Berg. Warum soll man nicht auch mal zur Entspannung nach einem harten Arbeitstag seinen Spaß mit einer weiblichen Angestellten haben, während man gleichzeitig einer weiblichen Journalistin ein Interview gibt? Die bizarre Szene berichtete die Journalisten Claudine Ko 2004 in einer Story für das Magazin Jane.

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