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02.12.2013

10:26 Uhr

Nichts gelernt

„Tödliche Arbeit“ in Bangladesch geht weiter

Im April geschah das schlimmste Fabrikunglück in der Geschichte Bangladeschs: Ein Gebäude mit mehreren Nähfabriken fiel in sich zusammen und begrub Tausende unter sich. Der Textilindustrie des Landes schadete das nicht.

Eine Mutter eines vermissten Arbeiters aus dem Rana Plaza: Die meisten Opfer waren Frauen, die in den fünf Fabriken Kleidung nähten, zumeist für Europa und die USA dpa

Eine Mutter eines vermissten Arbeiters aus dem Rana Plaza: Die meisten Opfer waren Frauen, die in den fünf Fabriken Kleidung nähten, zumeist für Europa und die USA

DhakaDie Risse im Gemäuer waren ein Warnsignal. Doch die Manager der Textilfabriken im „Rana Plaza“ in Bangladesch zwangen ihre Näherinnen und Zuschneider am 24. April trotzdem zur Arbeit. Gegen 9 Uhr knallte es plötzlich - und das achtstöckige Gebäude stürzte wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Tausende Arbeiter wurden unter Tonnen von Beton und Stahl begraben.

Fieberhaft gruben sich die Helfer durch die Schuttberge in einem Vorort der Hauptstadt Dhaka. Mit bloßen Händen halfen Anwohner bei der Suche nach Überlebenden, sie nutzten Saris, die langen Wickeltücher der Frauen, um die Verletzten an der Seite der Betonskelette herunterrutschen zu lassen. „Ich will leben, bitte helft mir, hier herauszukommen“, schrie ein Überlebender, der zwischen einer Säule und einer umgestürzten Wand gefangen war.

Rettungskräfte ließen Wasser, Essen und Taschenlampen durch die Risse herunter. Sie bliesen Sauerstoff durch die Hohlräume in den Trümmerberg. „Wir graben, bis der Letzte gefunden ist“, erklärte der Bergungsleiter. Es sollte fast drei Wochen dauern. Die traurige Bilanz des schwersten Fabrikunglücks in der Geschichte des Landes: mehr als 1100 Tote, 2500 Verletzte.

Die größten Konsumgüterhersteller der Welt

Platz 10

Tyson Foods

Umsatz 2012: 33,3 Milliarden Dollar

Veränderung gegenüber 2011: plus vier Prozent

Operative Marge (2012): vier Prozent

Quelle: OC&C

Platz 9

Archer Daniels Midland

Umsatz 2012: 34,7 Milliarden Dollar

Veränderung gegenüber 2011: plus sechs Prozent

Operative Marge (2012): zwei Prozent

Platz 8

Mondelez (ehemaliges Auslandsgeschäft von Kraft Foods)

Umsatz 2012: 35 Milliarden Dollar

Veränderung gegenüber 2011: minus zwei Prozent

Operative Marge (2012): 15 Prozent

Platz 7

JBS

Umsatz 2012: 37,3 Milliarden Dollar

Veränderung gegenüber 2011: plus 24 Prozent

Operative Marge (2012): vier Prozent

Platz 6

AnheuserBusch Inbev

Umsatz 2012: 39,8 Milliarden Dollar

Veränderung gegenüber 2011: plus zwei Prozent

Operative Marge (2012): 34 Prozent

Platz 5

Coca-Cola

Umsatz 2012: 47,9 Milliarden Dollar

Veränderung gegenüber 2011: plus drei Prozent

Operative Marge (2012): 24 Prozent

Platz 4

PepsiCo

Umsatz 2012: 65,5 Milliarden Dollar

Veränderung gegenüber 2011: minus zwei Prozent

Operative Marge (2012): 14 Prozent

Platz 3

Unilever

Umsatz 2012: 66 Milliarden Dollar

Veränderung gegenüber 2011: plus zehn Prozent

Operative Marge (2012): 14 Prozent

Platz 2

Procter & Gamble

Umsatz 2012: 83,7 Milliarden Dollar

Veränderung gegenüber 2011: plus drei Prozent

Operative Marge (2012): 18 Prozent

Platz 1

Nestlé

Umsatz 2012: 98,4 Milliarden Dollar

Veränderung gegenüber 2011: plus zehn Prozent

Operative Marge (2012): 16 Prozent

Als die Retter die Hoffnung schon aufgegeben hatten, geschah am 16. Tag nach der Katastrophe das Wunder: Wieder einmal riefen sie in den Trümmerberg hinein, ob noch jemand lebe - und Reshma Begum antwortete. „Ich habe nicht geglaubt, dass ich jemals wieder das Licht sehen werde“, sagte sie nach ihrer Rettung. Als sie herausgetragen wurde, riefen die Umstehenden: „Allah ist groß!“

Die meisten Opfer waren Frauen, die in den fünf Fabriken Kleidung nähten, zumeist für Europa und die USA - auch für den deutsche Textildiscounter Kik. In den Tagen, Wochen und Monaten nach dem Einsturz gingen wütende Kollegen der Opfer immer wieder auf die Straßen und forderten, die Verantwortlichen zu bestrafen. „Verhaftet sie! Hängt sie!“, riefen sie.

Mehrfach mussten Tausende Textilfabriken wegen der Proteste schließen. Wütende Demonstranten legten Feuer, zerstörten Autos und blockierten Highways. Viele der Arbeiter fürchteten auch um ihr eigenes Leben, denn die Katastrophe war bei weitem nicht das erste Unglück in dem südasiatischen Entwicklungsland. Immer wieder kommt es wegen Baumängeln und fehlender Feuer- und Sicherheitskontrollen zu fatalen Unfällen und Bränden.

Bald zog die Regierung erste Konsequenzen: 18 gefährdete Fabriken mussten schließen, 200 neue Fabrikinspekteure wurden eingestellt. Die Arbeiter dürfen sich nun in unabhängigen Gewerkschaften zusammenschließen und Lohnverhandlungen führen. Das betrifft rund 3,5 Millionen Menschen, vor allem Frauen, die in den rund 4000 Fabriken in Bangladesch nähen.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

02.12.2013, 10:41 Uhr

Klar haben die Exporteure etwas gelernt.

Die Importeure haben nix gelernt. Es wäre viel anständiger, dor auch die gleichen Areitplatz-Richtlinien aufzubauen, wie hier. Es sollte dort auch Altersvorsorge und Arbeitnehmer-Rechte aufgebaut werden.
Dort braucht man auch Sozialversicherungs-Systeme, Sozialabgaben, Renten us - genau wie hier...


...wer hat nix dazu gelernt?

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