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10.02.2014

11:16 Uhr

Nicolas Berggruen

„Ich war als Geschäftsmann zu weich“

Nicolas Berggruen gilt in der Branche als Phantom, denn der Karstadt-Investor gibt nur selten Interviews. In einem Gespräch mit der „Süddeutschen Zeitung“ zieht er nun eine kritische Zwischenbilanz nach der Übernahme.

Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen: „Der Kapitalismus hat große Mängel, vor allem in Amerika.“ dpa

Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen: „Der Kapitalismus hat große Mängel, vor allem in Amerika.“

Hamburg, München, DüsseldorfKarstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen hat dreieinhalb Jahre nach der Übernahme des Karstadt-Konzerns eine kritische Zwischenbilanz gezogen. „Ich war nicht klar genug und als Geschäftsmann zu weich“, sagte Berggruen der „Süddeutschen Zeitung“. „Ein normaler Investor hätte sich ganz anders benommen, viel härter, er hätte einen Teil der Läden geschlossen oder verkauft.“ Warum er den Mitarbeitern zunächst trotzdem ihre Jobs garantierte, bevor er einige von ihnen wenig später doch entlassen musste? „Mir war das moralisch wichtig. Ich wollte die Häuser und Mitarbeiter von Karstadt zusammenhalten.“ Und: „Ich war überzeugt, dass wir Zeit für die Sanierung haben.“

Im Rückblick grämt er sich, dass er damals nicht von Anfang an Klartext geredet habe. Berggruen: „Ich hätte sagen sollen: Okay, ich habe Karstadt gekauft, aber damit ist noch nichts gerettet. Es ist nicht sicher, ob der Turnaround zu schaffen ist. Es geht nur mit maximalen Anstrengungen.“ Er sei überrascht gewesen, dass das Thema Karstadt in Deutschland derart die Öffentlichkeit bewegt. „Ich hatte gedacht: Das ist ein Unternehmen, dem es nicht gut geht – und ich werde mein Bestes versuchen. Dann musste ich schmerzhaft lernen, dass es diese Kultur der Risikobereitschaft nicht gibt. Wenn etwas nicht sofort klappt, wird man sehr schnell bestraft.“

Die beliebtesten deutschen Händler

Quelle

Die Beratungsfirma OC&C hat 30.000 Kunden in neun Ländern befragt. Die hier gezeigten Ergebnisse beziehen sich auf Deutschland. Die Kunden wurden unter anderem zu Preisen, Qualität, Service und Markenvertrauen befragt. Maximal waren 100 Punkte zu erreichen, ein Wert von mehr als 75 gilt als „sehr gut“.
Stand der Veröffentlichung: Dezember 2013.

Platz 10

bonprix
Mode
Indexwert: 77,9 (plus 1,9 Punkte gg. Vorjahr)

Platz 9

Otto
Multisortimenter
Indexwert: 77,9 (minus 0,1 Punkte gg. Vorjahr)

Platz 8

Globus
Lebensmittel
Indexwert: 78,1 (minus 2,3 Punkte gg. Vorjahr)

Platz 7

Tchibo
Multisortimenter
Indexwert: 79 (minus 1,0 Punkte gg. Vorjahr)

Platz 6

Rossmann
Drogerie
Indexwert: 79,6 (plus 0,8 Punkte gg. Vorjahr)

Platz 5

Müller
Drogerie
Indexwert: 80,0 (plus 2,2 Punkte gg. Vorjahr)

Platz 4

Thalia
Bücher
Indexwert: 81 (minus 1,4 Punkte gg. Vorjahr)

Platz 3

Douglas
Drogerie
Indexwert: 81,1 (plus 2,7 Punkte gg. Vorjahr)

Platz 2

Amazon
Multisortimenter
Indexwert: 82,5 (minus 7,7 Punkte gg. Vorjahr)

Platz 1

dm
Drogerie
Indexwert: 84,2 (minus 1,3 Punkte gg. Vorjahr)

Berggruen, dessen Vermögen von vom Forbes Magazine zuletzt auf zwei Milliarden Dollar geschätzt wurde, forderte von den Gewerkschaften wenige Tage vor Gesprächen über einen neuen Tarifvertrag Unterstützung. Die sind gar nicht gut auf ihn zu sprechen. Den im Frühjahr vergangenen Jahres hatte Berggruen eine sogenannte „Tarifpause“ angekündigt und damit für Unmut gesorgt. „Eigentlich müssten wir bei Karstadt sagen: Der Feind ist nicht drinnen, sondern da draußen - die Konkurrenz, das Internet“, sagte Berggruen. Stattdessen aber gebe es einen „internen Konflikt“. „Mitten im Turnaround hilft das nicht“, so Berggruen. Damit der Warenhauskonzern eine Chance habe zu überleben, müssten alle im Unternehmen mithelfen.

In dem noch laufenden Tarifstreit will die Gewerkschaft neben einer Rückkehr von Karstadt in die Tarifbindung auch eine Beschäftigungs- und Standortsicherung durchsetzen. Berggruen hatte den angeschlagenen Karstadt-Konzern im Juni 2010 für einen Euro übernommen. Inzwischen hat er Teile des Konzerns weiter veräußert. Dabei sagt er selbst in dem Interview über sich: „Ich bin ein langfristiger Investor und halte diese Unternehmen oft 10, 15 Jahre oder mehr.“ Sein großes Vorbild? Warren Buffett. Berggruen: „Ich investiere ein wenig wie er in Unternehmen, die einen starken Cashflow haben und bei denen die Branchen meist nichts miteinander zu tun haben.“

Kommentare (4)

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caxi

10.02.2014, 11:55 Uhr

Sehr guter Artikel, der endlich einmal einen neuen Blick wirft der vielen Linkenfremd sein dürfe. Warum nur hat das drei Jahre gedauert Es wa doc jedem Insider und vielen Laien klar, dass Karstadt kaum zu retten ist.
Dennoch haben die Medientrottel aller Sender und Blätter Berggrün gehypt und ihn hinterher todgschrieben.
Wurde deshalb wirklich eine Zeitung mehr verkauft?
Was das seriös? wol kaum!
Man gewinnt den Eindruck, dass die Medienen mit ihren Studieenabbrechern am wenigsten Komepetenz in diesem Land haben, aber eben drum glauben alles besser wissen.

blackstone13

10.02.2014, 13:57 Uhr

Blender Berggruen:

1 € in Karstadt investiert und dann über 10 000 000 € für "Marketing, Beratung, Lizenzen" auf die Cayman Islands verschoben.

Account gelöscht!

10.02.2014, 14:46 Uhr

1 Euro investiert; die Mitarbeiter die Kostenüberwälzung auf den Konzern vermittels Lohnverzicht finanzieren lassen; Immobilien an Investorgesellschaft veräußert; zulegende Mieten an diese bewilligt; sich an der Investorengesellschaft beteiligt...
Zu weich?

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