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05.03.2017

20:03 Uhr

Niederlande

Die Tulpe und das große Geld

Die Niederlande erleben einen wahren Tulpenboom: Über zwei Milliarden Stück sollen 2017 produziert werden. Die Frühlingsblume Nummer eins ist für unser Nachbarland Big Business – und das seit über 400 Jahren.

Ausgehend von der Türkei, gelangten die bräunlichen Tulpenzwiebeln über Umwege in die Niederlande. Heute sind Tulpen nicht nur eines der Wahrzeichen des Landes, sondern auch ein wichtiges Handelsgut. dpa

Holländische Tulpen

Ausgehend von der Türkei, gelangten die bräunlichen Tulpenzwiebeln über Umwege in die Niederlande. Heute sind Tulpen nicht nur eines der Wahrzeichen des Landes, sondern auch ein wichtiges Handelsgut.

AmsterdamAls Carolus Clusius vor über 400 Jahren eine Hand voll bräunlicher Zwiebeln in die holländische Erde stopfte, konnte er nicht ahnen, was dem Land einst blühen sollte. Mythen und Dramen ranken sich um die große Liebe der Niederlande: die Tulpe. Sie ist nicht nur unbestritten die Nummer eins unter den Frühlingsblumen. Sie ist Exportschlager und Ikone des Landes.

Dabei ist die Tulpe alles andere als holländisch. Der Botaniker Clusius (1526-1609) hatte die Zwiebeln von einem österreichischen Diplomaten bekommen. Und der hatte sie wiederum aus der Türkei mitgebracht. Doch erst die Holländer machten daraus die Erfolgsstory.

Die königlichsten Orte der Niederlande

Amsterdam

Hauptstadt und mit etwa 800 000 Einwohnern auch die größte Stadt der Niederlande, jedoch nicht Regierungssitz. Weil Amsterdam die Hauptstadt ist, wird der Thronwechsel hier vollzogen. Die Stadt ist berühmt für ihre von Bäumen und Bürgerhäusern gesäumten Kanäle und stolz auf ihre Tradition der Toleranz - jahrhundertelang zog sie Freigeister und Verfolgte an. Heute kommen jedes Jahr Millionen Touristen - die einen besuchen Museen mit Meisterwerken von Rembrandt und van Gogh, die anderen Rotlichtviertel oder Haschisch-Cafés.

Delft

In der kleinen Stadt befindet sich die Totengruft der Oranier. Der einzige Grund dafür ist, dass 1584 hier ein Attentäter Wilhelm von Oranien - den Stammvater des Oranier-Hauses - erschoss. Der Einfachheit halber begrub man ihn in der größten Kirche der Stadt, die dadurch zur Grabkirche der Oranier wurde. Zuletzt wurde dort 2004 der Vater von Beatrix, Prinz Bernhard, beigesetzt.

Den Haag

Wie Parlament und Regierung residiert auch der Monarch in Den Haag. Willem-Alexander wird zunächst noch im Vorort Wassenaar wohnen bleiben, später übernimmt er dann die Residenzen von Beatrix: das Wohnschloss Huis ten Bosch und das Arbeitsschloss Noordeinde. Beatrix selbst zieht nach Kasteel Drakensteyn bei Utrecht. Die Residenzen sind verglichen mit denen anderer Königshäuser bescheiden: Sie liegen schwer auffindbar in engen Straßen oder weggeduckt hinter Bäumen.

Der königliche Palast

Im Königlichen Palast wird Königin Beatrix am 30. April offiziell abdanken. Kurioserweise wurde das Gebäude als das genaue Gegenteil eines Königspalastes konzipiert. Es war das Rathaus von Amsterdam, und alle seine Skulpturen und Gemälde feiern ein republikanisches Staatswesen. 1806 jedoch machte Napoleon die Niederlande zum Königreich und setzte seinen Bruder Louis auf den Thron. Ein König braucht einen Palast - und so funktionierte er das Rathaus kurzerhand dazu um. Allerdings merkte er schnell, dass man in so einem Verwaltungsgebäude schlecht wohnen kann - zu ungemütlich! Dabei ist es geblieben: Der Palast steht die meiste Zeit leer.

Die Nieuwe Kerk

In der Nieuwe Kerk von Amsterdam wird der neue König Willem-Alexander am 30. April offiziell in sein Amt eingeführt. Die „Neue Kirche“ ist nicht mehr so richtig neu, sondern fast 600 Jahre alt. Sie wird heute nicht mehr für Gottesdienste genutzt, sondern für Konzerte und Ausstellungen. Das Auffälligste an ihr ist, dass der Turm fehlt. Ursprünglich war einer geplant, doch dann gaben die Amsterdamer ihr Geld lieber dafür aus, das größte Rathaus Europas zu bauen. Die Kirche sollte das öffentliche Leben lieber nicht zu stark dominieren.

1594 streckten im botanischen Garten in Leiden, dem ältesten von Westeuropa, die ersten Clusius-Tulpen ihre Köpfe aus der Erde. Die Nation sei entzückt gewesen, erklärt Gerda van Uffelen vom Hortus Botanicus in der alten Universitätsstadt. „Schon damals musste man um das Tulpenbeet einen Zaun ziehen, weil die Blumen gestohlen wurden.“

Auch wirtschaftlich wurden Tulpen ein Renner. Zwar waren sie als wilde Blumen von der Türkei bis nach China schon längst bekannt. Doch der holländische Boden und das milde Seeklima erwiesen sich als ideal für die Zucht.

Die Nachfrage war groß und stieg viel schneller, als die Züchter liefern konnten. Vor allem Blumen mit geflammten Mustern waren damals sehr beliebt. Es waren goldene Zeiten für Tulpenhändler, die bereits im 17. Jahrhundert umgerechnet bis zu 30.000 Euro im Monat verdienen konnten.

Die unansehnlichen Zwiebeln wurden zur heißen Spekulantenware. Die Preise stiegen und stiegen. 1634 waren fünf Tulpenzwiebeln genauso viel wert wie ein vornehmes Grachtenhaus. Es kam, wie es kommen musste. 1637 brach der Handel zusammen, viele Spekulanten, Kaufleute, Bürger waren ruiniert. Die „Tulpenmania“ gilt als der erste Börsencrash der Geschichte.

Sobald es um die Tulpe geht, geraten eben selbst die sonst so nüchternen Niederländer aus dem Häuschen. Bis heute. Die Tulpe wird besungen, gemalt, prangt auf Weinetiketten, Schlipsen, Kaffeetassen und sogar Unterhosen. Vor allem aber ist Tulipan bis heute ein gutes Geschäft.

Als weltweit größter Produzent exportieren die Niederlande jährlich für rund 1,2 Milliarden Euro Blumenzwiebeln in alle Welt. Die Hälfte davon sind Tulpen. Wichtigstes Exportland für Blumenzwiebeln aller Art ist dabei Deutschland mit 18 Prozent, gefolgt von den USA mit neun Prozent.

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