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08.03.2011

12:34 Uhr

Niels Stolberg

Staatsanwalt ermittelt gegen Beluga-Reeder

Stimmen die Vorwürfe, dann wird die Schifffahrtsbranche von einem Betrugsskandal erschüttert. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Firmengründer der Reederei Beluga. Dieser will sich den Anschuldigungen stellen.

Niels Stolberg, Firmengründer der Bremer Reederei Beluga Shipping. Quelle: dapd

Niels Stolberg, Firmengründer der Bremer Reederei Beluga Shipping.

DüsseldorfDie Bremer Staatsanwaltschaft hat gegen den Firmengründer der Beluga-Reederei, Niels Stolberg, und weitere leitende Angestellte ein Ermittlungsverfahren wegen schweren Betrugs eingeleitet. Das teilte die Behörde am Dienstag mit. Die Beschuldigten stünden im Verdacht, seit 2009 Umsatzerlöse im dreistelligen Millionenbereich falsch ausgewiesen und so Investoren getäuscht zu haben, erklärte die Staatsanwaltschaft. Die Anzeige erstattete der US-Investor Oaktree.  

Inzwischen hat sich auch der beschuldigte ehemalige Beluga-Chef  Stolberg zu Wort gemeldet. „Ich werde mich dem Verfahren und  den mir gegenüber erhobenen Vorwürfen stellen“, sagte er dem  „Weser-Kurier“. Stolberg wollte sich „mit Blick auf das laufende Verfahren“ zu den Vorwürfen nicht weiter äußern. „Das werde ich mit der  Staatsanwaltschaft klären“, kündigte er an. Am kommenden Montag solle er vernommen werden, sagte der Reeder. „Ich laufe nicht weg.“ Oaktree hält 49,5 Prozent an der Reederei Beluga, dem angeschlagenen Weltmarktführer für Schwergut-Transporte und will die Firma finanziell restrukturieren.

Um diese soll es finanziell so schlecht bestellt sein, dass Oakree laut einem Bericht der „Financial Times Deutschland“ gar mit Insolvenz gedroht haben soll.  Dem Zeitungsbericht nach haben mehr als 30 Schiffsfonds von mindestens fünf Emissionshäusern Schiffe an Beluga verchartert. Sie müssten nun möglicherweise um ihr Geld bangen. Alleine das Hamburger Emissionshaus HCI Capital hat nach eigenen Angaben in 17 Fonds 20 Schiffe an Beluga verchartert. Welche Auswirkungen das habe, lasse sich derzeit aber noch nicht sagen, sagte eine Sprecherin.  Bei einem Treffen in Hamburg habe der US-Investor Emissionshäuser und Banken aufgefordert, Charterraten zu verringern und die Forderungen aus Krediten zu reduzieren, berichtete das Blatt am Montag. Sonst müsse Beluga Insolvenz anmelden.

 Nun also die Ermittlungen gegen Stolberg. Neben dem Reeder wird  auch ein weiterer früherer Geschäftsführer beschuldigt. Nach dem Handelsgesetzbuch wird ihnen auch „unrichtige Darstellung“ vorgeworfen, also das Verschleiern oder das falsche Informieren über Bilanzen oder Abschlüsse. Stolberg war in der vergangenen Woche als Geschäftsführer ausgeschieden.   Offiziell hieß es nur, er habe die Unternehmensgruppe „aus persönlichen Gründen“ um eine Beurlaubung gebeten.

Nach einem Bericht des „Weser Kuriers“ wurden bereits zu diesem Zeitpunkt weitere Führungskräfte suspendiert und von Oaktree ein Management eingesetzt, das das alleinige Sagen hat.   Stolberg hatte Beluga aufgebaut. Die Reederei hat heute 72 Schiffe und war zuletzt wegen Überfällen von Piraten immer wieder in die Schlagzeilen geraten. Noch immer ist ein Schiff mit sieben Besatzungsmitgliedern in der Hand von Piraten.     

Von

dpa

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