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17.03.2016

19:26 Uhr

Nike-Markenchef Edwards

„Die Leute wollen nicht noch mehr Daten“

VonAstrid Dörner

Trevor Edwards ist der Markenchef von Nike. Der Manager über zu viel Technologie in Sportartikeln, die neuen matschfreien Fußball-Schuhe – und einen möglichen Ausrüstervertrag mit dem DFB.

„Wir haben ein Polymer eingesetzt, das den Matsch einfach abprallen lässt.“ AFP; Files; Francois Guillot

Neue Nike-Fußballschuhe

„Wir haben ein Polymer eingesetzt, das den Matsch einfach abprallen lässt.“

Herr Edwards, Ihr Konkurrent Under Armour ist mit einer Technologie-Offensive vorgeprescht. Nike hat gerade eine neue App auf den Markt gebracht. Wie wichtig ist es, eine große Sport-Community zu haben?
Die Leute sind jeder Zeit mit Technologie verbunden. Wir haben mit unseren Kunden gesprochen und festgestellt: Sie wollen gar nicht noch mehr Daten, grafische Übersichten oder Geräte. Sie wollen Lösungen und Dienste, die das Leben einfacher machen. Und darum geht es bei Nike Plus. Es ist ein personalisierter Service für Sportler. Die App gibt Ihnen zum Beispiel ein Coaching, das genau auf Sie abgestimmt ist. Wenn Sie Ihre Trainingseinheit ausfallen lassen, dann rechnet das Programm das mit ein. Die App erlaubt uns, eine enge Beziehung mit den Kunden aufzubauen, die mit der Zeit immer präziser wird.

Haben Sie das Gefühl, dass es heute eher um die beste Technologie geht und nicht mehr um die besten Produkte?
Ich will nicht über unsere Konkurrenten sprechen. Für uns ist klar: Technologie ist immer dann am besten, wenn sie den Anwendern nutzt. Bei uns geht es zuerst um den Menschen und die Technologie läuft im Hintergrund. Bei vielen anderen wird die Technologie stark nach außen getragen. Für uns ist klar, dass das nicht funktioniert.

„Wir wollen nicht aus allen Produkten Wearables machen.“ PR

Trevor Edwards

„Wir wollen nicht aus allen Produkten Wearables machen.“

Wie stehen Sie zu dem Trend, Computer in Sportkleidung zu integrieren?
Wir schauen uns die verschiedensten Möglichkeiten an. Das beste Beispiel ist unser Hyperadapt-Schuh. Da nutzen wir Sensor-Technologie, die versteht, dass sich der Schuh an Ihren Fuß anpassen soll, sobald er das Fußbett berührt. Aber wir wollen nicht aus allen Produkten sogenannte Wearables machen. Wir schauen uns an, was die Probleme sind und mit welcher Technologie wir sie lösen können.

Ich muss demnächst dann also nicht nur mein Smartphone, sondern auch meine Schuhe aufladen, damit die Sensoren funktionieren?
Ja, ungefähr alle zwei Wochen. Aber das ist ja erst die erste Version.

Wird der Hyperadapt eines Tages in allen Nike-Schuhen die Schnürsenkel ersetzen? Die Flykit-Technologie, die Sie vor vier Jahren eingeführt haben, hat sich seit dem ja auch bei sehr vielen Modellen durchgesetzt.
Wir warten jetzt erst mal ab und beobachten die Lage. Bei jeder Technologie muss man schauen, wie sich die Dinge entwickeln. Das ist Version 1.0. Wie sieht Version 2.0 aus? Das ist noch völlig offen. Aber die Idee, dass sich Produkte dem Sportler anpassen, das ist sehr zukunftsträchtig.

„Hyperadapt“-Schuh von Nike: Wenn sogar Ronaldo mal sprachlos ist

„Hyperadapt“-Schuh von Nike

Wenn sogar Ronaldo mal sprachlos ist

Mit einem sensorgesteuerten Schuh will Nike die Tür zu einer neuen Sport-Ära aufstoßen. Der „Hyperadapt“ soll nicht nur Athleten zu Höchstleistungen treiben, sondern auch Adidas und Under Armour auf Abstand halten.

Es ist ein großes Fußball-Jahr. Sie wollen dabei mit einem Schuh punkten, an dem kein Matsch mehr stecken bleibt.
Jeder der Fußball spielt, weiß, dass das ein echtes Problem ist. Wir haben ein Polymer eingesetzt, das den Matsch einfach abprallen lässt. Das hat uns eine Menge Arbeit gekostet. Wer Fußball schaut, weiß: Ein einziger Ausrutscher kann ein Spiel entscheiden. Mit dem Schuh wird die Rutschgefahr deutlich reduziert, die Spieler können also schneller laufen, besser beschleunigen und Titel gewinnen.

Könnten Sie sich vorstellen, den Deutschen Fußball-Bund auszurüsten? Der Vertrag mit Adidas läuft ja 2018 aus.
Wir sind offen für alle Teams und wir wollen sicherstellen, dass wir die besten Teams der Welt ausrüsten.
Herr Edwards, vielen Dank für das Interview.

Die wichtigsten Nationalteams der Sportkonzerne

Adidas – Deutschland

Seit mehr als 60 Jahren schon stürmen die deutsche Fußball-Nationalmannschaft und Adidas gemeinsam übers Feld. Die Liaison begann mit dem „Wunder von Bern“, dem überraschenden Titelgewinn 1954 bei der Weltmeisterschaft in der Schweiz. Lange verhandelten der DFB und die Marke mit den drei Streifen über eine Verlängerung des 2018 auslaufenden Ausrüstervertrags – letztlich mit Erfolg.

Autor: jojo

Spanien

Nach Deutschland ist Spanien das wichtigste europäische Nationalteam von Adidas: Das Team gewann die Europameisterschaften 2008 und 2012 sowie die Weltmeisterschaft 2010. Im Sommer hat Adidas den Vertrag mit den Spaniern bis 2026 verlängert. Die deutsch-iberische Liaison währt nun schon seit mehr als 30 Jahren.

Russland

Über Jahre hinweg war Russland der Wachstumsmarkt schlechthin für Adidas. Entsprechend wichtig war es, das russische Nationalteam unter Vertrag zu haben. Allerdings läuft das Geschäft in Russland inzwischen nur noch verhalten, Wirtschaftskrise und Sanktionen des Westens halten die Kunden davon ab, neue Turnschuhe zu kaufen. Doch 2018 soll die WM in dem Land stattfinden, daher ist die Mannschaft für Adidas noch immer attraktiv.

Argentinien

Im fußballbegeisterten Südamerika ist der argentinische Verband das Zugpferd für Adidas. Das Team stand zuletzt im WM-Endspiel gegen Deutschland – und verlor. Adidas war das letztlich egal, schließlich gewann ein anderes von der Marke gesponsertes Team: Deutschland.

Nike – Brasilien

Weltweit betrachtet ist Brasilien das wichtigste Team, das für die Marke von der amerikanischen Westküste spielt. Allerdings sind die erfolgsverwöhnten Südamerikaner weit von einer für sie selbst akzeptablen Form entfernt. Bei der Heim-WM 2014 schied die Mannschaft schmachvoll gegen Deutschland aus, bei der Copa América diesen Sommer schafften es die Brasilianer ebenfalls nicht ins Finale.

England

Die letzten großen Erfolge des englischen Nationalteams liegen mehr als vier Jahrzehnte zurück. Trotzdem ist die Mannschaft für Nike wichtig, weil die fußballverrückten Engländer sich gerne mit neuen Trikots einkleiden.

Frankreich

Das Land richtet die EM 2016 aus und ist damit der Hoffnungsträger von Nike für das kommende Jahr. Bei den letzten großen Turnieren allerdings hat die Equipe Tricolore nicht besonders glorreich gespielt. Vergangenes Jahr schieden Les Bleus bei der WM im Viertelfinale gegen Deutschland aus.

Niederlande

Der Totalausfall im Portfolio von Weltmarktführer Nike. Die Niederländer haben es verpasst, sich für die EM kommendes Jahr in Frankreich zu qualifizieren.

Puma – Italien

Die Tifosi sind das Aushängeschild von Puma und das einzige europäische Team der Marke, das international ganz vorne mitspielt. Allerdings liegt der letzte Titelgewinn nun schon fast zehn Jahre zurück: 2006 gewannen die Italiener die Weltmeisterschaft in Deutschland.

Österreich

Österreich hat sich überzeugend für die EM 2016 qualifiziert. Das macht Puma Hoffnung, dass es sich doch noch lohnt, das zuvor über Jahre erfolglose Team auszustatten.

Schweiz

Die Eidgenossen spielen seit Jahren bei Europa- und Weltmeisterschaften mit und machen Puma deshalb viel Freude. Zu einem Titelgewinn allerdings hat es bislang noch nicht gereicht.

Elfenbeinküste

Puma sponsert seit Jahren zahlreiche afrikanische Teams – und feiert mit ihnen immer wieder große Erfolge. 2015 war der Puma-Partner Elfenbeinküste beim Afrika-Cup siegreich, dem afrikanischen Pendant zur Europameisterschaft.

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