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01.02.2016

17:39 Uhr

Norwegen

Wo Lachs das neue Öl ist

Der Verfall der Ölpreise trifft Norwegen hart. Wie gut, dass das Land noch über einen weiteren begehrten Rohstoff verfügt: Die Preise für Lachs sind auf einem 30-Jahreshoch, die Gewinnmargen der Farmer explodieren.

Während der Ölpreis in der Krise steckt, boomt in Norwegen wie hier bei Narvik die Lachzucht.

Lachsfarmen statt Bohrplattform

Während der Ölpreis in der Krise steckt, boomt in Norwegen wie hier bei Narvik die Lachzucht.

Es ist eine ziemlich gute Zeit, um Besitzer einer Lachsfarm in Norwegen zu sein. Die Exportpreise sind auf ein 30-Jahreshoch geschnellt, die weltweite Nachfrage steigt und die Gewinnmargen explodieren.

Im Jahr 2014 sah das noch ganz anders aus. Damals steckte der größte Lachsproduzent der Welt in einem tiefen Abschwung. Es war gezwungen, den Fisch mit Rabatt zu verkaufen. Wegen Handelssanktionen durfte beispielsweise kein Lachs mehr nach Russland verschifft werden, einem der wichtigsten Abnehmer.

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Die Trendumkehr setzte dann Ende vergangenen Jahres mit einer Schwemme parasitärer Seeläuse ein. Diese könnten die Produktion in der ersten Hälfte 2016 um fünf Prozent drücken, heißt es vom Branchenverband Norwegian Seafood Council.

Im vergangenen Jahr waren die Fisch- und Meeresfrüchte- Exporte des Landes so hoch wie nie zuvor gewesen. Die Aussicht auf steigende Nachfrage brachte in den vergangenen beiden Jahren Milliarden-Investitionen von Firmen wie Cargill und Mitsubishi ins Rollen. Norwegen liefert etwa die Hälfte des weltweiten Lachs-Angebots.

Die Chronik des Ölpreisverfalls

Der Verfall

Ein weltweites Überangebot bei schwächelnder Nachfrage setzt dem Ölpreis immer stärker zu. Noch im Juni 2014 kostete ein Barrel (Fass zu je 159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent 115,7 Dollar. Derzeit kostet ein Fass Öl aus der Nordsee weniger als 33 Dollar.

Die Gründe

Ein Grund für das Überangebot ist der Schieferölboom in den USA. Ein anderer ist die Förderpolitik der Opec, die anders als in früheren Jahren den Preis nicht durch die Senkung von Fördermengen stützen will oder kann. Stattdessen kämpfen die Kartellmitglieder mit Rabatten um ihre Marktanteile. Diese Preis-Meilensteine durchschritt die Ölsorte Brent seit Anfang 2015:

7. Januar 2015

Der Brent-Preis fällt zum ersten Mal seit Mai 2009 unter 50 Dollar je Fass.

13. Januar 2015

Mit 45,19 Dollar erreicht Brent den niedrigsten Stand seit März 2009.

3. Februar 2015

Spekulationen auf einen deutlichen Rückgang des Überangebots treiben den Preis für Brent wieder über 55 Dollar.

6. Mai 2015

Export-Ausfälle in Libyen schüren Spekulationen auf einen Versorgungsengpass: Der Ölpreis steigt bis auf 69,63 Dollar.

3. August 2015

Erstmals seit Januar rutscht Brent wieder unter die 50-Dollar-Marke. Auslöser ist ein Rekordanstieg der Ölproduktion der Opec-Länder im Juli.

24. August 2015

Aus Sorgen vor einer deutlichen Abkühlung der chinesischen Wirtschaft machen Anleger einen großen Bogen um Öl. Brent verbilligt sich um bis zu 6,5 Prozent auf 42,51 Dollar. Damit kostet das Nordsee-Öl so wenig wie zuletzt im März 2009.

8. Dezember 2015

Nachdem die Opec ihre Förderpolitik bestätigt hat und in der Abschlusserklärung nicht einmal mehr eine Zahl für die Obergrenze der Produktion auftaucht, gehen die Notierungen erneut in die Knie: Brent fällt auf bis zu 39,81 Dollar und ist damit so billig wie zuletzt im Februar 2009.

21. Dezember 2015

Brent kostet mit rund 36 Dollar so wenig wie zuletzt im Juli 2004.

4. Januar 2016

Nach der Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen im sunnitischen Saudi-Arabien eskaliert der seit langem schwelende Konflikt zwischen dem Iran und dem Königreich. Dies macht eine gemeinsame Linie der beiden Opec-Mitglieder in der Ölpolitik unwahrscheinlich. Die Preise nehmen ihre Talfahrt wieder auf.

7. Januar 2016

Brent stürzt um sechs Prozent auf 32,16 Dollar ab und notiert damit so niedrig wie zuletzt im April 2004. Damals hatte der Preis zuletzt die 30-Dollar-Marke unterschritten.

„Wir werden in Überseemärkten mehr Wachstum bei Lachs sehen“, sagt Analyst Paul Aandahl vom Norwegian Seafood Council. „Die Verbraucher werden in der Zukunft mehr für Lachs bezahlen müssen, als sie das bislang getan haben – denn wir erwarten keinen Zuwachs auf der Produktionsseite, zumindest nicht innerhalb der nächsten beiden Jahre.“

Seit vergangenem Oktober sind die Preise für exportierten Lachs um bis zu 53 Prozent auf 61,64 Kronen pro Kilogramm (umgerechnet 6,54 Euro) am 17. Januar nach oben geschnellt. Das geht aus wöchentlichen Daten der norwegischen Statistikbehörde hervor und ist laut Seafood Council sowie Nordea Bank der höchste Preis auf Kronen-Basis seit rund drei Jahrzehnten. Zum Vergleich: 2014 fuhr Lachs einen Tiefstpreis von gerade einmal 33,60 Kronen ein.

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