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25.05.2011

15:07 Uhr

Notverkäufe in Griechenland

Fraport liebäugelt mit Flughafen Athen

ExklusivDer Flughafenbetreiber ist neben dem Heimatflughafen Frankfurt an zwölf weiteren beteiligt, etwa in Dakar, Delhi, Kairo, Lima und Petersburg. Jetzt zeigt das Unternehmen Interesse am Athener Flughafen.

Der Flughafen in Frankfurt am Main. Quelle: dpa

Der Flughafen in Frankfurt am Main.

Berlin/FrankfurtNach der Ankündigung Griechenlands, noch in diesem Jahr staatseigene Unternehmen zu verkaufen, meldet die Fraport AG erstmals offiziell Interesse am Flughafen Athen an. „Sollte Griechenland seine Flughäfen privatisieren, würden wir uns das als einer der größten Flughafenbetreiber weltweit natürlich anschauen“, sagte der Vorstandsvorsitzende Stefan Schulte dem Handelsblatt. „Um genaueres zu sagen, müssten wir aber zunächst die Konditionen kennen.“

Der Athen International Airport (AIA) gehört zu 55 Prozent dem griechischen Staat. 40 Prozent hält der Baukonzern Hochtief, der den Flughafen auch betreibt. Fraport selbst ist neben dem Heimatflughafen Frankfurt an zwölf weiteren beteiligt, etwa in Dakar, Delhi, Kairo, Lima und Petersburg.

„Wir engagieren uns dort, wo wir Einfluss auf das Management haben, damit wir unser Wissen einbringen können und wo Strukturenticklungen nötig sind“, sagte Schulte. Er setzt damit die von seinem Vorgänger Wilhelm Bender eingeleitete Internationalisierung des größten deutschen Flughafenbetreibers weiter voran.

Der Grund: Das Unternehmen kann im Ausland einfach schneller wachsen als in der Heimat, wo jahrelange Genehmigungsverfahren und Streit über den Ausbau wie etwa in Frankfurt neue Umsatzchancen stark eingrenzen.

Die Treuhandanstalt - ein Vorbild für Griechenland?

Ursprünge

Beschlossen wurde die Treuhandanstalt ursprünglich in den letzten Tagen der DDR als „Anstalt zur treuhänderischen Verwaltung des Volkseigentums (THA)“. Sie sollte nach dem Willen der damaligen DDR-Regierung das Volkseigentum wahren und im Interesse der Allgemeinheit verwalten. Auch die Rückgabe von über 100.000 kleinen Gewerbebetrieben, die Jahrzehnte vorher verstaatlicht worden waren, stand auf dem Programm. Die „neue“
Treuhandanstalt wurde zur Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 gegründet und der Fachaufsicht des Bundesfinanzministeriums unterstellt. Als rechtliche Grundlage wurde ein eigenes Treuhandgesetz beschlossen.

Aufgaben der Treuhand

Vorrangige Aufgabe der Treuhand war die Privatisierung „des volkseigenen Vermögens“, vor allem der „volkseigenen Betriebe“, beziehungsweise dessen Übertragung auf öffentliche Eigentümer „nach den Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft“. Die Einnahmen aus dem Privatisierungsprozess sollten „vorrangig für die Strukturanpassung der Unternehmen“ verwendet werden. Zudem versprachen sich die Initiatoren noch eine gewisse Summe für den
Staatshaushalt und wollten damit die Ausgaben der Treuhand selbst decken.

Die Gremien

Als oberstes Aufsichtsgremium wurde ein Verwaltungsrat mit 23 Mitgliedern berufen. Dieser bestimmte einen Vorstand, der von einem Präsidenten geführt wurde. Die Zentrale der Treuhand in Berlin verwaltete alle früheren volkseigenen Betriebe mit mehr als 1500 Beschäftigten direkt. Außerdem war sie für strategisch und politisch als wichtig eingestufte Firmen zuständig. Um alle anderen Unternehmen kümmerten sich die 15 Regionalniederlassungen der Treuhand. Ein Jahr nach der Vereinigung beschäftigte die Treuhand 3000 Menschen, Ende 1993 rund 4600. Zum Chef des Verwaltungsrates ab 1. Juli 1990 berief die Bundesregierung den ehemaligen Stahlmanager Detlev Karsten Rohwedder, der zweieinhalb Monate später Präsident der Treuhand wurde. Rohwedder wurde am 1. April 1991 bei einem mutmaßlichen RAF-Anschlag ermordet.

Der Privatisierungsprozess

Zur Privatisierung konnte die Treuhand Unternehmensberatungs- und „andere geeignete Firmen, wie auch Banken“ hinzuziehen. Die Treuhand sollte beim Verkauf von Geschäfts- und Vermögensanteilen neben wirtschaftlichen auch sozialpolitische Belange bedenken. Vor allem sollten „Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit“ der privatisierten Firmen gesichert werden. Beim Verkauf von Unternehmen orientierte sich die Treuhand weniger an deren Substanz, als an deren Ertragswert - und der war oft wegen der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit gering. So kam es vielfach zu symbolischen 1-DM-Verkäufen. Unternehmen, die nicht privatisiert werden konnten oder nicht
sanierungsfähig waren, wurden stillgelegt. Insofern war die Treuhand der Konkursverwalter der alten DDR-Wirtschaft.

Die "Erfolgsbilanz"

Die Treuhandanstalt stand schnell wegen ihres harschen Privatisierungskurses mit dramatischen Folgen für viele Unternehmen und ihre Beschäftigten im Ruf eines „Plattmachers“. Die Anstalt verkaufte weit über 8000 „Volkseigene Betriebe“ (VEB) oder wickelte sie ab - nicht gerechnet Zehntausende kleine Handelsgeschäfte, Hotels, Grundstücke und Liegenschaften. Die Behörde war damit ursprünglich für rund vier Millionen
Beschäftigte verantwortlich. Gut die Hälfe verloren ihren Job. Am Ende blieb ein namhafter dreistelliger Milliardenverlust als Abwicklungskosten. Am 31. Dezember 1994 wurde die Treuhandanstalt aufgelöst. Verbliebene Vermögensteile wurden auf Nachfolgefirmen übertragen.

Treuhandkriminalität

Die unter Hochdruck laufende Privatisierung der ehemaligen DDR-Volkswirtschaft leistete einer eigenen Form der Kriminalität Vorschub, der „Treuehandkriminalität“. Betrügereien, Bilanzfälschungen, illegale Absprachen zwischen Bewerbern, Bestechung - Vorfälle wie diese diskreditierten die Institution Treuhand. Ein Untersuchungsausschuss versuchte das aufzuarbeiten.

Wie stark das Auslandsgeschäft derzeit wächst, zeigt der Blick in den jüngsten Quartalsbericht. Mit seinen direkten Beteiligungen in Antalya und Lima erzielte das Unternehmen in den ersten drei Monaten dieses Jahres einen Umsatz von 81,6 Millionen Euro. Das Plus lag bei beachtlichen 16,4 Prozent.

Schulte will den Kurs offensichtlich fortsetzen. „Derzeit interessieren wir uns für Brasilien“, sagte Schulte. Dort sollen Flughäfen wie die in Brasilia und Sao Paulo privatisiert werden. Dies sei notwendig, da sich die Flughäfen wegen des starken Wirtschaftwachstums zu Engpässen entwickelten, sagte Schulte.

„Wir denken, dass es für die Regierung dort sehr interessant sein könnte, mit uns zu kooperieren“, sagte er. „Weiter interessieren wir uns auch für Flughäfen in Puerto Rico und China.“

Aber auch in Europa setzt Schulte auf Wachstum. „Athen, Madrid, Barcelona und vielleicht der ein oder andere Flughafen in England wären sicher interessant in Europa“, sagte er.

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