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04.04.2014

13:43 Uhr

Nur die erste Streik-Runde endet

Bei der Lufthansa droht der Dauer-Streit

Die erste Streik-Runde der Piloten endet heute – doch eine Lösung im Tarifkonflikt zeichnet sich nicht ab. Weiterhin setzen beide Seiten auf brachiale Rhetorik und geben sich unversöhnlich – kein gutes Zeichen.

Wie beeinflussen die Piloten die Zukunft der Lufthansa?

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DüsseldorfDrei Tage haben die Piloten nun gestreikt. 3800 Flüge sind ausgefallen, 425.000 Passagiere waren betroffen – doch der Tarifkonflikt ist damit nicht gelöst. „Ich hoffe, dass wir mit dem Streik so viel Druck gemacht haben, dass wir Gespräche entweder am Wochenende oder Anfang nächster Woche führen können“, sagte Cockpit-Vorstand Markus Wahl. Damit hätte man Zeit, um sich mindestens zwei Wochen in Ruhe zu unterhalten. Die Lufthansa hofft, dass bis Anfang Mai eine Einigung gefunden wird.

Nach dem harten Streik sind die Fronten allerdings verhärtet: Im „Handelsblatt“ übt Lufthansa-Chef Christoph Franz scharfe Kritik am Ausstand. Der Streik sei „unverhältnismäßig“ und belaste den Gewinn mit einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag. Experten gehen von einem Schaden zwischen 25 und 30 Millionen Euro pro Streiktag aus. Auch Kay Kratky, Vorstandsmitglied der Lufthansa Passage, stellt derzeit kein neues Angebot in Aussicht. Seiner Ansicht nach enthalte die Offerte aus der vergangenen Woche ausreichend Substanz, über die man reden könne. Er warnt vor einem weitreichenden Imageschaden für die Lufthansa. „Die Folgen dieses Streiks sind verheerend.“

Eine Einigung scheint nicht so schnell in Sicht: „Auch wenn beide Seiten Gesprächsbereitschaft bekunden: Die Piloten wollen erst dann reden, wenn Lufthansa ein neues Angebot auf den Tisch legt“, berichten Insider. Offenbar reden beide Seiten derzeit aneinander vorbei. Das Lufthansa-Verhandlungsteam rund um Personalchefin Bettina Volkens will auch die Piloten am Sparprogramm Score beteiligen. Die Piloten fordern dagegen eine neue Offerte. Die letzten Gespräche endeten daher ergebnislos, berichten Beobachter.

Streiks im deutschen Luftverkehr

5. März 2008

Auf dem Frankfurter Flughafen legen laut Gewerkschaft Verdi rund 2.000 Mitarbeiter von Vorfeld, Passagierkontrolle und Werkstätten für vier Stunden ihre Arbeit nieder.

23. Januar 2009

Wegen eines Warnstreiks des Kabinenpersonals fallen 44 Flüge von und nach Frankfurt aus. Die Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO verlangt Tariferhöhungen.

Februar 2012

Bei einem tagelangen Arbeitskampf in Frankfurt fallen mehr als 1.700 Flüge aus. Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) will für Verkehrsdisponenten, Vorfeldlotsen und Flugzeug-Einweiser mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen erzwingen.

27. März 2012

Wegen Warnstreiks an den Flughäfen in Frankfurt/Main, Köln/Bonn, Düsseldorf, München, Stuttgart, Bremen und Hannover fallen Hunderte Flüge aus. Über Stunden sorgen die von der Gewerkschaft Verdi vertretenen Mitarbeiter von Feuerwehr, Gepäckabfertigung und Bodenverkehrsdiensten dafür, dass nicht mehr viel geht.

7. September 2012

Die Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO verursacht den bis dahin größten Ausfall an einem einzigen Streiktag in der Geschichte der Lufthansa. Rund 1.000 Flüge werden gestrichen, mehr als 100.000 Passagiere sind betroffen. Bei zwei Streikwellen in den Tagen zuvor waren insgesamt bereits rund 500 Flüge ausgefallen.

Januar/Februar 2013

Streiks des Sicherheitspersonals privater Dienstleister legen mehrere deutsche Flughäfen mehrfach weitgehend lahm. In Hamburg, Düsseldorf und Köln/Bonn kommt es zu massiven Behinderungen.

22. April 2013

Die Gewerkschaft Verdi ruft zu einem ganztägigen Warnstreik auf, um Forderungen nach Jobgarantien und 5,2 Prozent mehr Geld durchzudrücken. Das Bodenpersonal der Lufthansa sorgt dafür, dass von 1.720 geplanten Flügen nur noch 32 stattfinden.

21. Februar 2014

Private Sicherheitsleute legen mit einem 21-stündigen Warnstreik den Frankfurter Flughafen nahezu lahm. Verdi fordert für die Beschäftigten einen Einheitsstundenlohn von 16 Euro.

2. April 2014

Im April kommt es zum längsten Arbeitskampf der Piloten bei der Lufthansa jemals. Die Vereinigung Cockpit (VC) ruft ihre Mitglieder bei Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings auf, für drei Tage die Arbeit niederzulegen. Die Lufthansa reduzierte in diesen Tagen ihr Flugplanangebot stark und strich insgesamt 3800 Flüge, wodurch weit über 400.000 Passagiere betroffen waren.

29. August 2014

Die Gewerkschaft Cockpit ruft Piloten der Lufthansatochter Germanwings zum Arbeitsausstand auf. Streitpunkt sind vor allem die Regelungen zur Übergangsversorgung der bei Lufthansa angestellten Piloten. Von dem sechsstündigen Streik an sieben Standorten sind 116 von 164 Germanwings-Flügen an dem Tag betroffen, 15.000 Passagiere können nach Angaben der Airline nicht wie gewohnt reisen.

Optimistischer ist dagegen Bert Rürup, Präsident des Handelsblatt Research Institute und 2012 Schlichter im Tarifstreit zwischen dem Kabinenpersonal und Lufthansa. Er glaubt nicht an eine zweite Streikwelle. „Die Piloten wissen, dass sie nur einen Schuss haben, der sitzen muss“, sagte er im Morgenmagazin des ZDF. Deshalb wäre der Ausstand auch auf drei Tage angelegt worden.

Auch heute werden deswegen noch einmal Hunderte Verbindungen ausfallen, weil die Piloten ihre bisherige Übergangsversorgung retten und höhere Gehälter durchsetzen wollen.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

04.04.2014, 15:30 Uhr

Von mir aus können alle Fluglinien das ganze Jahr über streiken. Das kommt der Umwelt zu Gute.

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