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12.01.2017

10:29 Uhr

Nutella-Hersteller

Warum Ferrero Werbung für Palmöl macht

Viele große Lebensmittelkonzerne setzen Palmöl ein. Doch kaum ein Unternehmen verteidigt das höchst umstrittene Pflanzenöl so vehement wie Ferrero. Ein Verzicht käme den Nutella-Hersteller aus Italien teuer zu stehen.

Seine cremige, glänzende Textur verdankt der Aufstrich dem Palmöl. dpa

Nutella

Seine cremige, glänzende Textur verdankt der Aufstrich dem Palmöl.

AlbaEs steckt in Lippenstiften, Waschmitteln, Margarine, Eiscreme und Backwaren. Palmöl ist das in der Lebensmittelherstellung am meisten verwendete pflanzliche Öl und in etwa jedem zweiten Supermarktprodukt enthalten. Das ist ein riesiger Markt für die entsprechende Industrie, der Umweltschützer seit Jahren vorwerfen, für Palmölplantagen in großem Stil tropische Wälder zu roden.

In Europa geriet die 44 Milliarden Dollar schwere Branche unter Druck, nachdem die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) vor einem Krebsrisiko durch Palmöl in Lebensmitteln warnte. Nun bekommen die Anbieter aber zumindest prominente Schützenhilfe aus Italien – vom Nutella-Hersteller Ferrero.

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Ein Report von Umweltorganisationen zeigt: Palmöl von illegal brandgerodeten Plantagen im Regenwald ist trotz etlicher Richtlinien der Branche nach Deutschland gelangt. Gekauft wurde es von zwei wichtigen Händlern.

Während andere Lebensmittelhersteller wie der Backenwarenproduzent Barilla Palmöl aus ihren Produkten verbannt haben und Italiens größte Supermarktkette Coop das Öl in ihren Eigenprodukten seit der Veröffentlichung der EFSA-Studie im vergangenen Jahr boykottiert, rührt Ferrero die Werbetrommel für Palmöl.

Ihm hat der Süßwarenhersteller aus dem Piemont die cremige, glänzende Textur seines wohl bekanntesten Produkts, der Nuss-Nugat-Creme Nutella, zu verdanken. „Wenn wir Nutella ohne Palmöl herstellen würden, würden wir einen schlechteren Ersatz für das echte Produkt produzieren, das wäre ein Schritt zurück“, sagt Ferrero-Einkaufsleiter Vincenzo Tapella der Nachrichtenagentur Reuters.

Das Unternehmen hat in Italien eine breit angelegte Werbekampagne gestartet – mit ganzseitigen Anzeigen in Zeitungen. In Fernsehspots wirbt Tapella zudem dafür, dass das von Ferrero verwendete Palmöl sicher sei, „weil es aus frisch gepressten Früchten gewonnen und bei kontrollierten Temperaturen verarbeitet wird“.

Genau hier steckt der Teufel aber im Detail: Die EFSA erklärte im Mai, dass Palmöl mehr als andere Pflanzenöle potenziell krebserzeugende Stoffe bei einer Raffination bei hohen Temperaturen von etwa 200 Grad bildet. Die Behörde riet Verbraucher jedoch nicht dazu auf, kein Palmöl mehr zu verzehren.

Die Europäische Kommission hat sich des Themas angenommen und will bis Ende dieses Jahres eine Richtlinie veröffentlichen, wie Kommissionssprecher Enrico Brivio sagt. Dazu könnte gehören, die Gehalte an potenziell schädlichen Glycidyl-Fettsäurereste (GE), die bei der Raffination entstehen, zu begrenzen. Es werde aber kein Verbot von Palmöl geben.

Kommentare (1)

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Frau Annette Bollmohr

12.01.2017, 16:20 Uhr

„In Fernsehspots wirbt Tapella zudem dafür, dass das von Ferrero verwendete Palmöl sicher sei, „weil es aus frisch gepressten Früchten gewonnen und bei kontrollierten Temperaturen verarbeitet wird“.“

Wenn ich sowas lese, seh‘ ich rot. Und sowas hier übrigens auch (absurder geht "Umweltpolitik" ja wohl nicht):

„Palmöl spielt in der Energieerzeugung eine zunehmend große Rolle. Mehr als 40 Prozent des deutschen Palmölverbrauchs fließt in Bioenergie: Über 77.000 Tonnen kommen als Teil von Flüssigbrennstoffen in Biomasseheizkraftwerken zum Einsatz. Der größte Teil wird allerdings in Biodiesel verwendet.“

Insbesondere vor diesem Hintergrund:

http://www.ardmediathek.de/tv/Weltspiegel/Sumatra-T%C3%B6dliches-Palm%C3%B6l/Das-Erste/Video?bcastId=329478&documentId=13113140

http://www.aljazeera.com/indepth/features/2014/04/palm-oil-fuels-indonesia-deforestation-indigenous-displa-201443145636809366.html

http://www.handelsblatt.com/my/unternehmen/handel-konsumgueter/schmutzige-geschaefte-mit-palmoel-dunkle-flecken-in-der-lieferkette/14481844.html

http://www.aljazeera.com/indepth/inpictures/2016/11/human-cost-palm-oil-production-myanmar-161120085639460.html

(oder: https://www.bloomberg.com/news/articles/2016-07-14/palm-oil-s-bear-market-won-t-help-relieve-singapore-s-haze http://www.bbc.com/news/world-asia-34242311 http://www.wwf.de/themen-projekte/landwirtschaft/produkte-aus-der-landwirtschaft/palmoel/ https://www.regenwald.org/themen/palmoel , …)

Da Werbung für dieses Zeug zu machen "wel ein Verzicht teuer zu stehen käme" (bei der Herstellung von Schokocreme!), ist eine Unverfrorenheit sondergleichen.

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