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19.06.2015

13:52 Uhr

Nutella, Pizza, Waschmittel

Ist Palmöl wirklich ein Klimakiller?

Pizza, Waschmittel oder auch Nutella: In vielen Produkten steckt Palmöl. Kritiker wie die französische Umweltministerin Ségolène Royal klagen, Palmöl sei ein Klimakiller. Doch stimmt der Ruf?

In jedem zweiten Supermarktprodukt steckt Palmöl. dpa

Palmölfabrik in Indonesien

In jedem zweiten Supermarktprodukt steckt Palmöl.

JakartaPalmen, so weit das Auge reicht: Wer in Indonesien mit einem Kleinflugzeug über eine der zahlreichen Inseln fliegt, sieht unter sich sattes Grün in Reih und Glied. Stundenlang nichts als Palmenplantagen. Der Tigerstaat in Südostasien ist zusammen mit seinem Nachbarn Malaysia für mehr als 80 Prozent der weltweiten Palmölproduktion verantwortlich.

Fast alles davon wird exportiert. Fast jedes zweite Supermarktprodukt in Europa enthält Palmöl: Margarine, Pizza, Schokoriegel, Lippenstift, Waschmittel – oder Schokocreme. Man müsse aufhören, Nutella zu essen, denn in dem Aufstrich stecke Palmöl, für dessen Anbau Urwald gerodet werde, sagte die französische Umweltministerin Ségolène Royal kürzlich in einem Interview, entschuldigte sich aber wenig später für die Polemik.

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Die französische Umweltministerin Ségolène Royal rief zum Boykott von Nutella auf. Sie nahm Anstoß an dem Palmöl, das in der Schokocreme steckt. Doch kurz danach musste die Sozialistin wieder zurückrudern.

Denn Palmöl ist nicht gleich Palmöl. Nutella-Hersteller Ferrero entgegnete, man habe sich schon lange verpflichtet, nur nachhaltiges Palmöl zu verwenden. Für die Plantagen würden keine Primärwälder gerodet, erklärte eine Sprecherin auf Anfrage. Außerdem macht der Konzern die Lieferketten transparent. Auch andere Nahrungsmittelkonzerne wie etwa Dr. Oetker setzen auf Gütesiegel, die zeigen, dass die Umweltschädigung minimiert wird.

Zertifiziertes Palmöl gibt es seit 2008. Die Organisation Runder Tisch für nachhaltiges Palmöl (RSPO), ein Zusammenschluss aus Anbauern, Händlern, Produzenten, Banken sowie Nichtregierungsorganisationen, vergibt die Siegel. 20 Prozent der globalen Produktion erhielten den Stempel bereits, heißt es auf der RSPO-Homepage. Einige RSPO-Teilnehmer darin - die Palmöl-Innovations-Gruppe - entwickelt derzeit schärfere Kriterien. Mit dabei sind Agropalma aus Brasilien, Daabon Organic aus Kolumbien und New Britain Palm Oil Limited.

Doch der RSPO sei kein Öko-Label, betont die Umweltschutzorganisation WWF. Vielmehr gehe es darum, dass auf den Plantagen freiwillig mehr für Umweltschutz und Menschenrechte getan wird, als gesetzlich vorgeschrieben. Also: sparsamer Pestizideinsatz, besseres Wassermanagement, schonende Entsorgung der Abfälle, Fürsorge für die Mitarbeiter. Außerdem gibt es das Siegel nur für Flächen, für die seit 2005 kein Regenwald zerstört wurde.

Palmöl – Zahlen und Fakten

Jahresproduktion

Rund 60 Millionen Tonnen Palmöl werden pro Jahr internationalen Statistiken zufolge hergestellt, vor allem in tropischen Entwicklungs- und Schwellenländern. Indonesien ist mit 30 Millionen Tonnen größter Produzent, gefolgt von Malaysia mit 20 Millionen Tonnen. Afrika legt derzeit kräftig zu.

Verwendung

Palmöl ist das weltweit wichtigste Pflanzenöl, es macht einen Drittel des Gesamtverbrauchs aus. Verwendung findet es vor allem als Öl zum Kochen und Braten, in Margarine, Süßwaren und Fertigmahlzeiten, Reinigungsmitteln und Seife, Industrie-Schmierstoffen und immer mehr als Biotreibstoff.

Ertrag

Palmenplantagen bringen 3,7 Tonnen Öl pro Hektar. Sojabohnen kommen auf 0,8 Tonnen pro Hektar, Sonnenblumen auf 0,9 und Raps auf 1,3. Die Ertragreiche und die geringen Produktionskosten machen Palmöl zum günstigsten Pflanzenöl.

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