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31.01.2017

19:28 Uhr

NYK, K-Line und MOL

Japans Containerriesen in Seenot

VonChristoph Schlautmann

Die Lage auf den Weltmeeren ist rau. Darum wollen sich die japanischen Container-Reeder zusammenschließen. Doch jetzt schockieren die Firmen mit überbordenden Verlusten und Gewinnwarnungen. Droht eine neue Pleite?

Die japanische Reederei will sich mit den Konkurrenten MOL und K-Line verbünden. Reuters, Sascha Rheker

Containerschiff von NYK

Die japanische Reederei will sich mit den Konkurrenten MOL und K-Line verbünden.

DüsseldorfFünf Milliarden Dollar Verlust, schätzt die Beratungsfirma Drewry, kamen 2016 in der weltweiten Container-Schifffahrt zusammen. Seit dem heutigen Dienstag steht fest: Die Hälfte dieser Summe stammt aus Japan.

Dort arbeiten die Container-Riesen NYK, K-Line und MOL an einem Zusammenschluss, der im April 2018 in See stechen soll. Doch keine der drei weltweit operierenden Reedereien aus Tokio wird das Geschäftsjahr, das im März 2017 endet, nach eigener Einschätzung mit schwarzen Zahlen abschließen.

Die enorme Schiffskapazität auf den Weltmeeren, die trotz zunehmender Verschrottung alter Dampfer schneller wächst als die Nachfrage, macht die Seefahrt seit Jahren zum Verlustgeschäft. Betroffen ist davon auch die deutsche Hapag-Lloyd, die als weltweit viertgrößte Container-Linie in den ersten neun Monaten 134 Millionen Euro Verlust einfuhr.

Die Lage der Container-Schifffahrt

Fusionen

Die drei großen japanischen Containerreedereien Nippon Yusen Kaisha (NYK), Mitsui OSK Lines (MOL) und Kawasaki Kisen Kaisha (K-Lines) treten ab April 2018 unter einem neuen Namen gemeinsam an. Zusammengeführt hat die japanischen Reedereien Not und nackte Angst. Sie hatten riesige Verluste angehäuft und Angst vor der endgültigen Pleite. Zuvor hatten sich bereits die chinesischen Reedereien Cosco und China Shipping Container Lines vereinigt, die französische Reederei CMA CGM hatte APL aus Singapur übernommen, und die Hamburger Reederei Hapag-Lloyd hatte sich erst die Containersparte der chilenischen CSAV einverleibt und dann die arabische UASC.

Pleite

Die Rettungsbemühungen für Hanjin laufen zwar noch, aber als globale Reederei sind die Koreaner seit ihrer Pleite im August aus dem Spiel. Niemand wird nach diesen Erfahrungen einer wackeligen Reederei noch einen Container anvertrauen. Zehntausende von Containern kamen verspätet an, mussten teuer bei den Terminals ausgelöst werden oder waren am Ende ganz wertlos, weil sie Saisonware enthielten. Die Schäden bei Kunden, Banken, Versicherungen und Lieferanten sind noch nicht übersehbar

Frachtraten

Die Frachtraten sind seit Jahren wegen der Überkapazitäten und des schwachen Wachstums des Welthandels im Keller. Auch die Fusionen konnten sie noch nicht stabilisieren. „Wir haben nicht zu viele Reedereien, sondern zu viele Schiffe“, sagte der Hamburger Schifffahrtsexperte Prof. Ulrich Malchow im November. Die Insolvenz von Hanjin habe nur kurzzeitig Erholung gebracht.

Weltlage

Zuletzt gab es weltweit noch zwei Länder, in denen mehr als eine große Reederei ihren Sitz hat: Taiwan und Deutschland. Mit dem Oetker-Verkauf von Hamburg Süd nach Dänemark ist das Geschichte.

Verglichen mit der Konkurrenz aus Nippon aber stehen selbst die Hamburger blendend da. In den ersten neun Monaten seien knapp zwei Milliarden Dollar an Verlusten aufgelaufen, gab NYK am heutigen Dienstag bekannt. Bis zum Ende des Geschäftsjahres könnten es sogar 2,2 Milliarden Dollar werden.

Fusionspartner K-Line dürfte dem schlingernden Seefahrtsriesen da keine große Hilfe sein. Auch bei ihm stapeln sich die Verluste – in Höhe von 468 Millionen Dollar in den ersten drei Quartalen. Allein Japans Marktführer MOL schaffte in den ersten neun Monaten mit 168 Millionen Dollar noch einen kleinen Gewinn. Doch auch dort warnte der Vorstand, durch hohe Abschreibungen auf die Schiffswerte werde das Ergebnis bis zum Geschäftsjahresende auf Null schrumpfen. Bisher war Anlegern noch ein Jahresgewinn von 62 Millionen in Aussicht gestellt worden.

Angesichts der Schwierigkeiten wächst die Sorge, dass sich eine Pleite wie bei der koreanischen Hanjin bald wiederholen könnte. Die Großreederei aus Seoul, weltweit die Nummer sieben, hatte Ende August ihren Dienst eingestellt. Waren im Wert von schätzungsweise zwölf Milliarden Euro saßen wochenlang auf den insgesamt 97 Containerschiffen fest, darunter Laptops von Samsung und Fernseher von LG Electronics.

Seither kursiert unter Spediteuren eine schwarze Liste finanzschwacher Reedereien, an die Aufträge nur gegen zusätzliche Sicherheiten vergeben werden. Aus gutem Grund: Kommt es aufgrund des Ausfalls einer Reederei zu Lieferverzögerung, haften beauftragte Speditionen wie Kühne & Nagel oder DHL für den Schaden.

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