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31.10.2016

17:12 Uhr

NYK, MOL und K-Line

Japans Reeder verbünden sich in Seenot

VonMartin Kölling, Christoph Schlautmann

Alarmiert durch die Reederei-Pleite in Südkorea, brechen Japans Wettbewerber ein Tabu: 2018 vereinen NYK, MOL und K-Line ihre Flotten. Der deutsche Rivale Hapag-Lloyd muss um seine Position auf den Weltmeeren fürchten.

Die japanischen Container-Reedereien NYK, MOL und K-Line wollen künftig ihre Flotten vereinen. Bloomberg/Getty Images

Container-Schifffahrt

Die japanischen Container-Reedereien NYK, MOL und K-Line wollen künftig ihre Flotten vereinen.

Tokio/DüsseldorfDie Pleite der koreanischen Reederei Hanjin erfasste die Transportbranche Ende August wie ein Tsunami – mit Nachwirkungen, die manchem Hersteller selbst das Weihnachtsgeschäft vermiesen werden. Weil die mit 4,5 Milliarden Euro verschuldete Schifffahrtsgesellschaft – in der weltweiten Branche die Nummer sieben – komplett ihren Dienst einstellte, erreichten allein 50.000 Container der Elektronikanbieter LG und Samsung ihr Ziel nicht rechtzeitig. Viele um ihre Gebühren geprellten Häfen rücken die Stahlboxen bis heute nur heraus, wenn die Empfänger Lösegeld bezahlten. Seither meiden Exporteure finanziell angeschlagene Reedereien wie Seeleute die Winterpassage um Kap Horn.

Der Zurückhaltung ihrer Kunden begegnet Japans Reedereibranche nun mit einem Paukenschlag. Die drei größten Containerfirmen des Landes – Nippon Yusen („NYK“), Mitsui OSK („MOL“) und Kawasaki Kisen Kaisha („K-Line“) – verkündeten heute, ihr Geschäft zusammenzulegen. Wie das Trio in Tokio erklärte, wird es ab April 2018 seine Flotten unter einem noch unbekannten Namen vereinen. Durch die Skaleneffekte wollen sie jährlich eine Milliarden Euro einsparen.

Lange galten ihre Rivalitäten stärker als der Drang, gemeinsam eine dominierende Rolle auf den Weltmeeren zu spielen – und das, obwohl sie den Firmensitz Tokio teilen und an derselben Börse notiert sind. Zu stolz blickte man auf die historischen Wurzeln. Die Seefahrtslinie MOL war 1872 vom Mutsui-Clan gegründet worden, Wettbewerber NYK 13 Jahre später von der mächtigen Mitsubishi-Familie. Und auch K-Line schaut auf eine fast 100-jährige Geschichte zurück.

Nun aber ist es die Furcht vor dem Untergang, die MOL, NYK und K-Line zu einem radikalen Kurswechsel zwingt. Nicht noch einmal soll es zu einer fahrlässigen Insolvenz wie bei Hanjin kommen. Die koreanische Reederei hätte womöglich gerettet werden können, wäre sie mit der ebenfalls koreanischen Hyundai Merchant Maritime (HMM) fusioniert worden.

Der nun verkündete Zusammenschluss in Japan ordnet die Machtverhältnisse auf den Weltmeeren neu. Durch den künftigen Marktanteil von sieben Prozent entsteht die sechstgrößte Containerlinie, wie der Branchendienst Alphaliner vorrechnet. Mit einer Transportkapazität von 1,47 Millionen Standardcontainern (Teu) liegen die Japaner dann nur noch 5.000 Teu hinter der deutschen Hapag-Lloyd – falls diese sich zum Jahresende mit dem arabischen Wettbewerber UASC vereint.

Den Hamburgern droht dadurch ein Machtverlust: Ab Frühjahr 2017 sticht ihr neu gegründeter Reedereien-Verbund „THE Alliance“ in See, in dem Hapag-Lloyd wegen ihrer Größe die Führungsrolle übernehmen sollte. Die aber werden die Japaner, die ebenfalls künftige Mitglieder der Alliance sind, den Hamburgern nun streitig machen. „Nach der Fusion werden sie dort ein ordentliches Gegengewicht bilden“, erwartet Stefan Blickensdörfer, Experte beim Düsseldorfer Logistikdienstleiter SRTS.

Japans Reeder haben den Zusammenschluss allerdings bitter nötig. Die Überkapazitäten im Frachtverkehr, die schneller wachsen als der Welthandel, hinterlassen in der gesamten Branche tiefrote Zahlen. Besonders hart getroffen ist NYK. Kurz vor der geplanten Ankündigung seiner Halbjahresbilanz senkte das Unternehmen seine Prognose für sein bis Ende März 2017 laufendes Bilanzjahr auf einen Verlust von 2,1 Milliarden Euro. K-Line erwartet ein Minus von 870 Millionen Euro. Etwas optimistischer bleibt die Reederei MOL, die zwar operativ ein Minus schreibt, aber es unter dem Strich gerade noch in die schwarzen Zahlen schaffen will.

Im Joint-Venture werden die Anteile nach Größe verteilt. NYK wird 38 Prozent an der alljapanischen Containerlinie halten, die anderen beiden Partner jeweils 31 Prozent.

Kommentare (4)

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Baron v. Fink

31.10.2016, 17:50 Uhr

Was ich immer schreibe, Schiffs-Aktien unter 10% Dividene sind die Pleite schlechthin. Der Laden muss auf den Insel sein und nicht bei den Sozen in der EU.

Herr Holger Narrog

01.11.2016, 09:12 Uhr

Warum grössere Reedereien effektiver sein sollen als die bereits recht grossen Reedereien erschliesst sich mir nicht. Als Mitarbeiter in Konzernen sehe ich grossen Konzernen, Politik, Bürokratie und Unbeweglichkeit. Dadurch werden viele Skaleneffekte kompensiert.

Die niedrigen Frachtraten sind einem Schiffbauboom der letzten 10 Jahre und den entstandenen Überkapazitäten geschuldet. Entscheidend für eine Gesundung der Frachtraten sind nicht Unternehmenszusammenschlüsse, sondern eine Stilllegung der nicht benötigten Kapazitäten.

Interessant wäre es demzufolge ob mit dem Zusammenschluss Schiffe stillgelegt und abgebrochen werden.

Baron v. Fink

01.11.2016, 10:15 Uhr

Wichtig bei Schiffsaktien ist, dass die Reederei auf den Bermudas oder ähnlich ist,
als nicht an den Steuern der Sozen pleite geht.
Zweitens das Alter der Flotte, ab zwanzig Jahren sind die Schiffe eigentlich Schrott.
Drittens haben die Schiffe eine Reinigungsanlage für Trimmwasser, eine neue Vorschrift der verlang eine Nachrüstung.
Viertens die Motoren der Schiffe sollen möglichst Schadstoffarm sein, da die Sozen Abgaben den Schadstoffgehalt der Abgase nehmen werden.

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