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30.01.2012

14:57 Uhr

Öffentlicher Auftritt

Schlecker hat „keine wesentlichen privaten Vermögen mehr“

Die Familie Schlecker hat sich erstmals seit der Insolvenz öffentlich gezeigt. Es ging auch um die Finanzlage von Anton Schlecker. Dessen Tochter Meike äußerte sich zu den Vorwürfen, man habe Geld an die Seite geschafft.

Lieferanten bleiben insolventer Drogeriekette Schlecker treu

Video: Lieferanten bleiben insolventer Drogeriekette Schlecker treu

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EhingenDas gleißende Licht der Kamerascheinwerfer lässt das schmale Gesicht der jungen Frau noch blasser erscheinen. Meike Schlecker schaut scheu auf die elf bedrohlich aufgebaute Mikrofone. Die blonden Haare fallen gerade auf die Schultern. Der graue Pullover mit schwarzem Nadelstreifen-Jackett wirkt schlicht und streng. Nur die Brillant-Ohrringe funkeln vor sich hin. „Es ist nichts mehr da. Das können Sie mir glauben. Sonst säße ich nicht hier. Sonst gäbe es die Insolvenz nicht“, sagt Meike Schlecker auf die Frage, welchen finanziellen Beitrag die Familie leisten kann.

Sie will mit Gerüchten aufräumen, ihre Familie habe Geld zur Seite geschafft. Sie habe „keine wesentlichen privaten Vermögen mehr“. Das Geld habe die Familie in den vergangenen Jahren zur Stabilisierung in das Unternehmen gesteckt. „Das Vermögen meines Vaters war immer das Unternehmen.“

Ihr Vater Anton Schlecker haftet als eingetragener Kaufmann mit seinem Vermögen für die Drogeriekette mit ihren 6000 Filialen und 33.000 Beschäftigten in Deutschland.

Der Firmengründer ist auch privat insolvent. Aber Tochter Meike ist an diesem Tag das Gesicht von Schlecker bei der ersten Pressekonferenz seit über 20 Jahren. Der Vater wird im Insolvenzverfahren im Hintergrund bleiben. Bruder Lars spricht heute vor den Mitarbeitern auf der Betriebsversammlung. Die Geschwister teilen sich die Arbeit. Der Generationswechsel soll in der Insolvenz vollzogen werden, sofern es der Insolvenzverwalter zulässt. Meike Schlecker gibt sich kämpferisch: „Unser Konzept ist gut. Wir glauben daran.“

Wie es mit Schlecker weitergeht

Schwierige Verhandlungen mit Gläubigern

Erst in den kommenden Wochen und Monaten wird es sich entscheiden, ob der Drogerieriese Schlecker es schafft, eine völlige Pleite und das Aus für die rund 30.000 Mitarbeiter in Deutschland abzuwenden.

Überzeugungsarbeit

Die Spitze von Deutschlands bislang größtem Drogeriekonzern Schlecker muss Überzeugungsarbeit leisten. Gelingt es der Familie und dem Management, die Gläubiger von einem Insolvenzplan zu überzeugen? Wie geht es weiter?

Die Planinsolvenz

Schlecker hat den Antrag auf eine Planinsolvenz beim zuständigen Amtsgericht Ulm eingereicht. Das Verfahren ähnelt dem amerikanischen sogenannten Chapter 11, mit dessen Hilfe sich dortige Unternehmen in weitgehender Eigenregie sanieren, um als Firma erhalten zu bleiben. Noch äußert sich Schlecker nicht dazu, wie ein solcher Plan genau aussehen könnte.

Filialen schließen

Es ist davon auszugehen, dass noch weit mehr Filialen als geplant geschlossen werden. Bislang sollte dieser Prozess Ende des ersten Quartals abgeschlossen sein - mit mehreren hundert weiteren dichtgemachten Läden, weit über 1000 seit Anfang des vergangenen Jahres. Zudem werden die Beschäftigten Federn lassen müssen.

Die dringendsten Probleme

Schlecker selbst hat eine ausgefallene „Zwischenfinanzierung“ als Ursache für die Insolvenz genannt. Nach übereinstimmenden Berichten verschiedener Medien und dpa-Informationen ging es um Zahlungen an den Einkaufsverbund Markant. Dieser und andere Gläubiger müssen also dem Sanierungskonzept Vertrauen schenken, so dass frische Ware in die Läden kommt.

Rolle der Banken

Meike und Lars Schlecker hatten im Dezember erklärt, es habe bereits „die eine oder andere Vereinbarung“ mit Banken gegeben. Um Investoren zu finden, hat die Drogeriekette angeblich den Ex-Edeka-Chef Alfons Frenk engagiert. Schlecker bestätigte Verhandlungen über einen Einstieg von Finanzinvestoren nicht, über die das „Manager Magazin“ berichtet hatte.

Wie sicher sind die Arbeitsplätze?

Bislang hat Schlecker allen Filialschließungen zum Trotz keine betriebsbedingten Kündigungen ausgesprochen. Das Management verlängerte Zeitverträge nicht oder besetzte frei werdende Stellen nicht neu. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi bestätigt das, fordert jetzt aber vollen Einsatz für die allein in Deutschland rund 30.000 Beschäftigten.

Gehälter vorerst sicher

Eigentlich gilt bis Mitte 2012 ein Beschäftigungssicherungsvertrag - Mitarbeiter können nur gegen eine entsprechende Abfindung ausscheiden. Zumindest die Gehälter sind durch das Insolvenzausfallgeld für die ersten drei Monate des Verfahrens gesichert.

Beispiele für gelungene Planinsolvenzen

Zum Beispiel die Modekette Sinn Leffers oder den Fall Karstadt. Bei Sinn Leffers waren allerdings harte Einschnitte nötig: nur 25 von 47 Standorten blieben erhalten, rund 1300 Jobs wurden gestrichen. In Baden-Württemberg hat der Modelleisenbahnhersteller Märklin es geschafft, sich dank eines Plans aus der Insolvenz zu verabschieden. Das war aber auch nur möglich, weil sich die wichtigsten Gläubiger darauf einigten, einen Teil ihrer Forderungen in Millionenhöhe erst später beglichen zu bekommen.

Hat Schlecker eine Chance auf dem Drogeriemarkt?

Nur mit einem radikalen Imagewandel, sagen Branchenexperten. Weg vom Billiganbieter mit Geschäften an jeder Straßenecke, lange Jahre das Erfolgsmodell der Kette. Die größten Konkurrenten DM und Rossmann haben sich seit ihren ebenfalls im Drogerie-Discount-Bereich liegenden Anfängen enorm weiterentwickelt.

Konkurrent DM

Gerade der Karlsruher DM-Konzern hat mit großen, zentral gelegenen Filialen immer mehr Marktanteile hinzugewonnen und ist etwa im Fotobereich sehr beliebt. Zudem hat Schlecker bis heute mit seinem Negativimage zu kämpfen, weil Arbeitnehmerrechte früher wenig galten und sich das Bild in den Köpfen vieler Konsumenten festgesetzt hat.

Wie weit ist die Neuausrichtung?

Die hat Schlecker mit seinem Programm „Fit for Future“ erst sehr spät gestartet. Anfang 2011 wurden die ersten, neu gestalteten Filialen aufgemacht. Sie bieten mehr Bewegungsfreiheit, übersichtliche Regale und ein speziell auf die jeweilige Nachbarschaft abgestimmtes Sortiment.

Neue Läden

Rund 30 Prozent Umsatzzuwachs verzeichneten sie nach Angaben von Meike und Lars Schlecker. Bislang gibt es erst rund 300 der neuen Filialen, 750 bis 1000 sollten es in diesem Jahr werden. Das Gros der über 7000 Läden allein in Deutschland sind weiterhin kleine und enge Geschäfte mit geringen Fixkosten, aber auch wenig Umsatz. Hier wollte Schlecker zuletzt wieder über eine Preisoffensive punkten.

Erst einmal aber bekommt der vorläufige Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz mehr Befugnisse - und will dadurch unter anderem die Mietzahlungen für die Läden sichern. Das sagte Geiwitz am Montag am Schlecker-Stammsitz in Ehingen bei Ulm.

Er revidierte zugleich bisherige Zahlen zu den Filialen - es seien mehr als 6000 in Deutschland mit rund 32.000 Mitarbeitern. Zuvor war von knapp unter 7000 die Rede. Das Amtsgericht Ulm habe am Morgen eine „vorläufig starke Verwaltung“ angeordnet, das bedeutet, Geiwitz hat vorläufig mehr Einfluß als zuvor festgelegt. Ob Schlecker in eine Insolvenzplanverfahren gehen könne, sei noch unklar, erklärte Geiwitz.

Kommentare (15)

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Sozialromantiker

30.01.2012, 12:54 Uhr

Das sollen Alle als Warnung verstehen, die meinen, man müsse nur die "Reichen" besteuern.

Die Einnahmen aus der Erbschaftssteuer sind seit Generationen gering. Oft ist mehr "Schein als Sein". So viel ist nicht zu holen.....

Die heutige „Erben-Generation“ übernimmt nach Abzug der Pensionslasten und Staatsschulden im Wesentlichen Nichts….

PRhodan

30.01.2012, 13:03 Uhr

Das Geld hat jetzt Scientology.

VESW

30.01.2012, 13:10 Uhr

unsinnig und ohne zusammenhang.
was hat ein pleitegegangener unternehmer mit der erbschaftsteuer zu tun? das privatvermögen in deutschland ist immer noch größer als die staatsschulden.
die einzigen, die die lasten momentan und in zukunft tragen sind die arbeitenden und damit steuerzahlenden, sowie die geldausgebenden und damit zinslastzahlenden leute. und in beiden fällen leisten die die etwas zu erben hatten ganz bestimmt anteilig am wenigsten.

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