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27.01.2011

15:32 Uhr

Österreichische Post

Briefkästen werden zum Wettbewerbskiller

VonStefan Menzel

Eigentlich sollte zum Jahreswechsel auch in Österreich das Briefmonopol der staatlichen Post fallen. Doch bisher lässt der Wettbewerb auf sich warten. Eine landestypische Besonderheit der Alpenrepublik verhindert die Liberalisierung.

Seit Januar 2011 hat die Österreichische Post kein Briefmonopol mehr. Österreichische Post AG

Seit Januar 2011 hat die Österreichische Post kein Briefmonopol mehr.

WIEN. Am 1. Januar 2011 ist der Briefmarkt in Österreich vollständig liberalisiert worden - zumindest auf dem Papier. Die halbstaatliche Österreichische Post AG hat zum Jahreswechsel auch ihr letztes Monopol verloren, das Geschäft mit Briefen bis zu einem Gewicht von 50 Gramm. Österreich sollte sich damit den anderen EU-Mitgliedstaaten anpassen.

Doch die Marktöffnung ist ausgeblieben, kein einziger neuer Anbieter hat den Start gewagt. Ein wesentlicher Grund dafür ist eine österreichische Besonderheit: die Hausbriefkästen. Sie gehören zum Einflussbereich der Post AG. Neue Anbieter auf dem österreichischen Briefmarkt hätten erst ihre eigenen Briefkästen aufstellen müssen. "Das sind Fixkosten, die niemand tragen kann", beklagt Georg Weidacher, Chef der Österreich-Tochter der Schweizer Post.

Für deutsche Ohren klingt das zunächst befremdlich. Aber die Briefkastenanlagen in größeren Wohnkomplexen in Österreich sind tatsächlich in der Regel ausschließlich im Besitz der Post AG. Nur der Postbote des alten Staatsmonopolisten hat die Schlüssel dafür, neue Briefzusteller wüssten überhaupt nicht, wohin mit ihren Briefen. Briefkastenanlagen sind vor allem in Österreichs wichtigsten Städten wie Wien und Graz weit verbreitet. Und das sind genau die Kommunen, in denen neue Briefzusteller nach der Liberalisierung wahrscheinlich ihr Geschäft aufgenommen hätten.

Die Österreichische Post ist zwar an der Wiener Börse notiert, gehört zu etwa 52 Prozent aber immer noch dem Staat. Auch in der Krise hat sich das Unternehmen als stabiler Dividendenzahler erwiesen. Deshalb überrascht es nicht, dass die Regierung ihren Anteil daran hat, dass die Liberalisierung des Briefmarkts in Österreich stockt.

Die Briefkastenanlagen müssen nach dem nationalen Postmarktgesetz erst in zwei Jahren auch den Konkurrenten zur Verfügung gestellt werden. Österreichs Infrastrukturministerin Doris Bures (SPÖ) verteidigt die Verspätung. Dass die Anlagen erst Ende 2012 für alle Anbieter geöffnet werden müssen, sei eine "angemessene Frist". Sie erwartet auch keine Beschwerde der EU, da Österreich den Briefmarkt grundsätzlich geöffnet habe.

Ähnlich äußert sich auch Georg Pölzl, Chef der Österreichischen Post. Dass zum Jahreswechsel kein neuer Briefzusteller in Österreich angetreten sei, habe etwa im Unterschied zu Deutschland mit den besonderen topographischen Bedingungen in Österreich zu tun. In einem einsamen Bergdorf sei die Briefzustellung nun einmal weniger attraktiv als in einem dicht besiedelten Ballungsraum. Deshalb fühle sich die Post wegen der Kritik an der langsamen Freigabe der Hausbriefanlagen "unfair behandelt".

Kommentare (2)

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Michel

27.01.2011, 17:03 Uhr

Die Österreicher - immer wieder für ein Schmankerl gut.

Account gelöscht!

13.04.2011, 10:28 Uhr

Der angegebene Grund ist zu 90% falsch. An der mangelhaften EU-Briefkastennorm liegts (nur 230 mm Schlitzbreite und 35 mm Schlitzhöhe. Die Folgen sind katastrophal. Richtig wären mind. 280 mm Schlitzbreite und dafür nur 20 plus 5 mm Schlitzhöhe. So würden sich alle Briefe und Zeitungen sauber übereinanderstapeln und die größten Ärgernisse wie nicht vorhandene Zugriffsicherheit und dauernde Verstopfungen würden beseitigt. Vorbild: Die Schweizer Briefkastennorm mit generell waagerechten Briefkästen und vernünftigen Maßen. Siehe auch: www.briefkasten-gutundsicher.de

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