Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.01.2008

14:45 Uhr

Ohne Einfluss auf Dividende 2007

US-Abschreibungen drücken Gewinn der Post

VonAxel Granzow

600 Millionen Euro hat der Konzern allein im US-Expressgeschäft verloren, die Probleme sind offenbar größer als erwartet. Finanzchef John Allan hält zwar an einer starken Präsenz in den Vereinigten Staaten fest, kündigt aber Konsequenzen an.

DÜSSELDORF. Die Deutsche Post hält trotz hoher Abschreibungen am defizitären US-Expressgeschäft fest, kündigt aber Konsequenzen an. „Wir prüfen derzeit eine Reihe von Optionen, um die Ergebnislage zu verbessern,“ sagte Finanzvorstand John Allan. Doch wolle die Post eine starke Präsenz im US-Markt behalten, da dieser Markt von strategischer Bedeutung für den Konzern sei.

Allein 2007 schreibt die Post rund 600 Mill. Euro im US-Expressgeschäft ab. Damit sinkt das operative Ergebnis (Ebit) im Konzern nach Berechnungen des Handelsblatts auf rund 3,2 Mrd. Euro nach 3,87 Mrd. Euro im Vorjahr. Denn die Wertberichtigung auf das US-Anlagevermögen muss mit positiven Einmaleffekten aus Firmenverkäufen zum Beispiel in Deutschland verrechnet werden. Vor Einmaleffekten erwartet die Post ein Ebit von rund 3,7 Mrd. Euro. 2008 sollen es rund 4,2 Mrd. Euro werden.

Die Probleme der Post-Tochter DHL Express in den USA sind offenbar größer als erwartet. Daher dürften auch weitere hohe Abschreibungen in den kommenden Jahren folgen. Während Post-Chef Klaus Zumwinkel kürzlich nur bestätigen wollte, dass sich die Immobilienkrise in den USA auch auf die Post-Geschäfte auswirkt, befürchtet die US-Bank Morgan Stanley Schlimmeres. Sie hatten bereits vor der Pflichtmitteilung der Post mit einem Verlust von 900 Mill. US-Dollar in den USA gerechnet. Dies entspricht in Euro etwa der Höhe der jetzt bekannt gegebenen Wertberichtigung.

Die Post hatte letztmals 2004 einen Verlust von 615 Mill. US-Dollar in den USA ausgewiesen und danach die Berichterstattung eingestellt. Investoren hatten ihr daraufhin Intransparenz vorgeworfen. Wollte Zumwinkel zunächst 2009 in den USA schwarze Zahlen erreichen, hat er das Ziel inzwischen aufgegeben. Ein neues Gewinnziel veröffentlichte die Post bislang nicht. Sie peilt aber nach wie vor für das Jahr 2009 in der Express-Sparte weltweit ein operatives Ergebnis vor Einmaleffekten von 900 Mill. Euro bis einer Mrd. Euro an.

Um dieses Ziel zu erreichen, fordert die amerikanische Investmentbank Morgan Stanley in einer aktuellen Studie zur Post eine rasche und radikale Entscheidung über die Zukunft des US-Geschäfts. Die Analysten der US-Bank erinnern an die positive Reaktion der Anleger auf den Rückzug von Daimler aus Chrysler. Neben dem kompletten Rückzug aus dem Expressgeschäft innerhalb der USA halten sie für die Post aber eine Reduzierung des Netzwerks und des Serviceangebots, beispielsweise auf Ballungszentren oder auf den internationalen Service, für wahrscheinlicher. Möglich sei auch eine enge Anbindung an US-Konkurrenten wie Fedex, UPS oder die US-Post, um die Lücken in den USA zu schließen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×