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21.02.2013

16:18 Uhr

O’Leary in Dortmund

Der Retter kommt mit Ryanair

VonTobias Döring

Michael O’Leary ist für die einen ein Messias, für die anderen ein rotes Tuch. In Dortmund präsentiert der Ryanair-Chef neue Flugverbindungen und legt einen spektakulären Auftritt hin – mal wieder.

Michael O'Leary: Spaßmacher und harter Manager. dpa

Michael O'Leary: Spaßmacher und harter Manager.

Dortmund22 Jahre ist es her, dass zuletzt eine Ryanair-Maschine in Dortmund gelandet ist. Doch zum Comeback nach langer, langer Zeit ist gleich der Chef an Bord: Michael O’Leary. Der umtriebige Vorstandschef des irischen Billigfliegers ist eine Art Revoluzzer im Flugverkehr. Er hat die Billigpreise groß gemacht. Für viele ist O’Leary ein rotes Tuch: Bei Pilotenvereinigungen und etablierten Konkurrenten wie der Lufthansa sträuben sich bei seinem Namen die Nackenhaare.

Für andere hingegen ist O’Leary ein Spaßmacher – und der Retter. In Dortmund zum Beispiel, wo er am trüben Februarnachmittag um 15.13 Uhr landet. Am Mittag war er bereits zur Werbetour auf den Flughäfen Köln/Bonn und Leipzig/Halle. Dort gibt es ein paar weitere Strecken. In Dortmund geht es gleich von null auf sieben Ziele. 36 Flüge pro Woche bietet Ryanair an, los geht es am 14. März mit einem Flug nach Porto.

250.000 Passagiere sollen mit den Iren pro Jahr ab Dortmund fliegen. Das würde dem Flughafen auf einen Schlag einen großen Zuwachs verschaffen. Im Jahr 2012 zählte der Airport 1,9 Millionen Passagiere. Und so blicken der Flughafen-Geschäftsführer, sein Team und die anwesenden Journalisten auf die Landebahn, als ob da der Messias übers Rollfeld gehen würde.

Schnell erreicht O’Leary den Konferenzraum, die gelbe Warnweste noch an. Ihm fällt das Ryanair-Plastikflugzeug aus den Händen – „technical Problems“ (technische Probleme) scherzt der Ire. Kaum steht die Maschine sicher auf dem Tisch, beginnt seine Show. Grimassen für die Kameraleute, Flughafen-Chef Markus Bunk wird umarmt und auf die Wange geküsst. Die Fotografen freuen sich. Bunk weiß nicht so recht, wie ihm geschieht.

Die größten Märkte für Billigflieger

Platz 10

Portugal – 951 Starts

Mit 166.723 Sitzplätze und 142 Strecken landet Portugal erneut in den Top Ten.

Platz 9

Schweiz – 1020 Starts

Von den drei Schweizer Flughäfen Basel, Genf und Zürich gehen 152 Strecken ab. Die Flugrouten bieten eine Kapazität für 153.047 Passagiere.

Platz 8

Niederlande – 1147 Starts

Mit der französisch-niederländischen Billig-Airline Transavia haben es die Niederlande in die Top Ten geschafft. Sie bedienen 212 Strecken mit 188.917 Sitzplätzen.

Platz 7

Norwegen – 1599 Starts

Die Billigflieger bieten 281.616 Sitzplätze auf 286 Strecken in und von Norwegen. Die meisten gehen mit Norwegian in die skandinavischen Nachbarländer.

Platz 6

Irland - 1865 Starts

Nur auf Platz sechs landet Irland, obwohl mit Ryanair die größte Billigfluglinie Europas auf der Grünen Insel sitzt und auch die einstige Staatslinie Aer Lingus nun als Low-Cost-Gesellschaft firmiert. 213 Strecken bedienen sie zusammen mit der Konkurrenz. Das macht 300.425 Sitzplätze.

Platz 5

Frankreich – 2913 Starts

Die Top Fünf setzen sich mit der Streckenanzahl deutlich von den Verfolgern ab: 551 Strecken gehen ab Frankreich – fast viermal so viel wie vom zehntplatzierten Portugal. 488.567 Sitzplätze bieten die Billigflieger an.

Platz 4

Deutschland – 5119 Starts

Das geografische Zentrum Europas kommt mit eigenen Billigairlines wie Germanwings auf 658 Strecken mit 792.192 Sitzplätzen.

Platz 3

Italien – 6425 Starts

Italien bleibt auf Rang drei: 1,05 Millionen Sitzplätze auf 1001 Strecken. Die italienischen Anbieter wie Meridiana tragen aber nur wenig zur Sitzanzahl bei.

Platz 2

Spanien – 7594 Starts

Für Billigflieger sind vor allem die Sandstrände im Süden ein beliebtes Ziel. 1,37 Millionen Sitzplätze bringen Spanien auf Platz zwei. Von den 1060 Strecken bietet einige die spanischen Airline Vueling an.

Platz 1

Großbritannien – 10.127 Starts

Mit Abstand die Nummer eins der Liste: 1221 Strecken, das sind rund 160 Strecken mehr als beim zweitplatzierten Spanien. Mit 1,42 Millionen Sitzplätzen liegt Großbritannien ebenfalls vor Spanien.

Methodik

Zweimal im Jahr gibt das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) seine Marktanalyse der europäischen Billigflieger heraus. Die Daten beziehen sich auf einer Woche im Sommerflugplan 2013. Als Strecke gelten Hin- und Rückflug einer Verbindung. Sitzplätze sind die verfügbaren Kontingente, nicht die tatsächlichen Passagierzahlen.

Die Infos sind schnell an den Mann gebracht. Eine Präsentation rauscht im Eiltempo vorbei. Ryanair sei ein hervorragender Partner für „unseren netten, kleinen Flughafen“, sagt Bunk. Unterhaltsam wird es dann wieder, als die Fragerunde an O’Leary eröffnet wird. Dortmund kennt er, weil der BVB seinen Lieblingsklub Manchester City aus der Champions League geschossen hat. Die Flugsteuer schädigt Deutschland und das Konzept des Berliner Pannen-Airports hält O’Leary für grundfalsch. Alle großen europäischen Städte hätten drei bis vier kleinere Flughäfen.

Kommentare (1)

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Kleinschnittger

21.02.2013, 17:49 Uhr

Billigflug ist nicht Preiswertflug, zumindest nicht für die Flughäfen. Flughäfen sind mit Massen an möglichen Touristen erpressbar, insbesondere dann, wenn sie hohe Defizite einfahren. Der Traum von der Kostendegression treibt die Airports an, Preise von 3,50 Euro pro Abfertigung eines abfliegenden Passagiers führen all zu oft zum Gegenteil. In diese Degressionsfalle tappte Dortnund bereits mit der EasyJet ab 2004. Die easyJet ist weg, jetzt kommt die Ryanair. The Show Must go on. Die überwiegend kommunalen Eigentümer stehen mit prallen Geldbörsen bereit, um ihre Prestigeobjekte zu halten, koste es was es wolle. Einzig die EU-Kommission prüft die massiven Subventionen umfänglich in derzeit ca. 24 Verfahren. All zu oft stehen dabei auch die Gebühren für die Abfertigung von Fluggästen bei der Ryanair im Mittelpunkt der Prüfung. Es wäre durchaus denkbar, dass das Geschäftsmodell eines Mr. o'Leary eine Bruchlandung hinlegt.

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