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19.06.2014

15:07 Uhr

Oliver Samwer

„Sie sind zu alt, um das zu verstehen“

VonChristoph Kapalschinski

Der Zalando-Investor gibt bei einer hochkarätigen Konferenz in Paris mit Genuss das Enfant Terrible. Die klassischen Händler lebten im Mittelalter, giftet Samwer – und lästert dann richtig los.

Oliver Samwer: „Geschäfte wurden nur gebaut, weil es kein Internet gab.“ PR

Oliver Samwer: „Geschäfte wurden nur gebaut, weil es kein Internet gab.“

Paris„Air France ist halt zu spät in New York gestartet.“ Schon beim leicht verspäteten Sprung auf die Bühne im zerknautschten Hemd machte Oliver Samwer eines klar: Der berüchtigte Internet-Gründer ist kein Freund von Understatement. Beim weltweit größten Branchentreffen der Vorstandschef von Handels- und Konsumgüterkonzernen, dem Konsumgüterforum CGF in Paris, gab er mit Genuss das Enfant Terrible.

„Geschäfte sind Mittelalter. Sie wurden nur gebaut, weil es kein Internet gab“, behauptete der 39-Jährige, der mit dem Klingelton-Anbieter Jamba wohlhabend geworden ist. Wer heute mit dem Handel neu anfange, brauche keine Läden. „Sie verstehen das nicht, weil Sie zu alt sind und zu alte Kunden befragen“, rief er den CGF-Teilnehmern zu, darunter gestandene Handels-Manager wie Walmart-Veteran  Michael T. Duke, Carrefour-Boss Georges Plassat, Metro-Chef Olaf Koch und Ahold-Vorstandschef Dick Boer. Sogar der Tagungsort, der Pariser  Louvre, sei zu alt, lästerte Samwer. Wer die Zukunft kennenlernen wolle, müsse 15-Jährige fragen, die alles per Smartphone erledigten.

Deutsche Startups

Neue Gründerzeit

Manch einer spricht von einer neuen Gründerzeit: Immer mehr Start-ups versuchen in Berlin ihr Glück. Aber auch in anderen Teilen des Landes gibt es erfolgreiche IT-Unternehmen. Einige sind bereits über die Grenzen von Deutschland hinaus bekannt geworden. Ein Überblick.

Researchgate

Researchgate ist ein Online-Netzwerk für Wissenschaftler. Dort tummeln sich Biologen, Chemiker aber auch Philosophen. Die Idee: Forscher sollen sich inhaltlich austauschen und Kontakte knüpfen können. Der studierte Virologie Ijad Madisch gründete die Firme mit zwei Freunden. Längst sind Investoren aus den USA aufmerksam geworden – darunter Microsoft-Gründer Bill Gates: Er steckte im Juni 2013 gemeinsam mit Tenaya Capital 35 Millionen Euro in Researchgate.

Wooga

Der Spiele-Anbieter Wooga profitierte in seinen Anfangsjahren vom Boom der Sozialen Netzwerke: Immer mehr Nutzer verbrachten immer mehr Zeit bei StudiVZ, Facebook und Co – und begeisterten sich für Spiele wie „Monster World“, die das Berliner Start-up dort anbot. Inzwischen steckt Wooga mehr Anstrengungen in die Apps für mobile Geräte. Weltweit verzeichnet die Firma monatlich 50 Millionen Nutzer.

Bigpoint

Kein klassisches Start-up mehr ist Bigpoint: Heiko Hubertz gründete die Firma bereits 2002. Sie bietet Spiele wie „Drakensang Online“ und „Farmerana“ an, sowohl eigene Entwicklungen wie auch die anderer Hersteller. Die mehr als 300 Millionen registrierten Nutzer können grundsätzlich kostenlos spielen, zahlen aber für Extras. 2012 war allerdings ein schwieriges Jahr: Weil sich das Geschäft schlechter entwickelte als erwartet, strich das Unternehmen 120 Stellen und schloss das Studio in San Francisco. Dieses Jahr will Bigpoint wieder wachsen.

Soundcloud

Der schwedische Unternehmer Alexander Ljung hat sich bewusst für den Standort Deutschland entschieden: Er gründete seine Firma Soundcloud in der Hauptstadt. Sie bietet eine Plattform an, auf die Nutzer eigene Audioproduktionen hochladen können und mit anderen teilen können. Monatlich nutzen 250 Millionen Menschen den Dienst.

6Wunderkinder

Das Start-up 6Wunderkinder entwickelt eine Anwendung, mit der Nutzer ihren Alltag wie auch ihre Arbeit organisieren können sollen. Die Basisversion ist kostenlos, die Team-Version kostet eine monatliche Gebühr. Bislang hat das Unternehmen nur sechs Millionen Nutzer, aber eine Partnerschaft mit dem bekannten Kapitalgeber Sequoia Capital rückt das junge Unternehmen ins Rampenlicht.

Zalando

Hinter dem Online-Modehändler Zalando stehen die Samwer-Brüder, die sich als Seriengründer von Internet-Unternehmen einen Namen gemacht haben. Der Umsatz ist seit der Gründung 2008 rasant auf 1,15 Milliarden Euro im vergangenen Jahr gewachsen, allerdings arbeitet der Händler nicht profitabel. Internationale Investoren, darunter die deutsche Tengelmann-Gruppe und ein kanadischer Rentenfonds, finanzieren die internationale Expansion.

Der Multi-Gründer hat Oberwasser. Er hat nicht nur den Mode-Versender Zalando mit zuletzt 1,8 Milliarden Euro Umsatz gestartet. Zusammen mit seinen beiden Brüdern versammelt er auch in seiner Berliner Holding Rocket Internet weltweit selbstgegründete eCommerce-Unternehmen. Genauer: weltweit mit Ausnahme der USA und China. „Die beiden Länder bekommen einfach zu viel Aufmerksamkeit“, sagte er. „Sammelst du aber eine große Menge kleiner Märkte ein, endest du mit einem großen Marktvolumen.“ Auf über 700 Millionen Euro bezifferte er den Umsatz von Rocket Internet – mit über 15000 Angestellten in 100 Ländern.

In Südostasien sei sein Start-up Zalora längst der führende Online-Händler. In Indien habe Rocket Internet gar eine eigene Logistik für 100 Städte aufgebaut. Wer Fahrer werden will, müsse sein eigenes  Motorrad mitbringen, bekomme nur ein T-Shirt und einen GPS-Sender gestellt. „Wir bauen so etwas schneller auf, als UPS das jemals könnte“, brüstete er sich.

Kommentare (13)

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19.06.2014, 15:49 Uhr

der Mix machts; nur das eine und nur das andere vertreten zu wollen ist Schwachsinn. Ein "Einkaufserlebniss" hat auch etwas mit sehen,fühlen,probieren, Sozialleben zu tun. Ich selbst habe einmal bei Zalando geordert. Ist mir schon zuviel und zu umständlich. Bescheuerte Zahlungsmethoden, Preis sind eher durchschnittlich wenn nicht sogar hochpreisig...auf jeden Fall kein "Strassenpreis". Für mich persönlich völlig uninteressant. Echte Preise findet man eher bei dress-for-less und co.

Und wie immer: Umsatz ist kein Gewinn. Wenn ich genug Deppen finde die immer wieder Kapital in ein defizitäres System schießen, kann ich meinen Umsatz auch enorm erhöhen...und die Deppen wird Zalando finden; und irgendwann wird der Laden auf den Boden der Realität ankommen.

Wen interessiert denn ihr damaliges Jamba und Co heute noch, bzw. wen interessierte es überhaupt?...nur Idioten.

Letztendlich werden die Jungs (ich kann´s ihnen nicht verdenken) wieder auf Dummbauernfängerei gehen und ihren Laden einmalig bestmöglich verkloppen.

In diesem sinne: viel Erfolg.

Account gelöscht!

20.06.2014, 07:38 Uhr

Zalando macht Verluste - richtig? Von daher ist diese Arroganz recht fehl am Platze. Und selbst WENN die Jugendlichen alles am Handy machen und dort bestellen, ein Großteil der Ware geht zurück. Mal ganz abgesehen davon: die Kohle haben nun mal die Älteren.

Aber der wird es auch noch begreifen: eine Riesenklappe macht noch keinen Frühling, sondern irgendwann ziemlich einsam.

Account gelöscht!

20.06.2014, 08:12 Uhr

Die "Brüder" sollen doch bitteschön erstmal Gewinne machen.
Und dann über andere Geschäftsleute lästern.
Mit dem Geld fremder Leute spielen schon genug "Geschäftemacher".
Kinos sind out, gehen wir heute ins Kino?

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