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20.01.2015

13:25 Uhr

Online-Einzelhändler

Amazon produziert eigene Kinofilme

Amazon nimmt Hollywood ins Visier: Nach TV-Serien packt der weltgrößte Online-Einzelhändler auch die Produktion von Kinofilmen an. Dabei soll der Weg des Films vom Kino auf den Fernseher deutlich beschleunigt werden.

Erst Fernsehserien, jetzt Kinofilme: Amazon fordert Hollywood heraus. AFP

Erst Fernsehserien, jetzt Kinofilme: Amazon fordert Hollywood heraus.

SeattleNach dem erfolgreichen Ausflug in die Welt der Fernsehserien will Amazon auch Hollywood herausfordern. Der Online-Händler wird eigene Kinofilme produzieren und fremde Streifen dazukaufen, kündigte Amazon am Montag an. Ziel sei es, bis zu 12 Filme pro Jahr zu produzieren, sagte Roy Price, Vizepräsident von Amazon Studios. Die Produktion stehe unter der künstlerischen Leitung des amerikanischen Filmproduzenten Ted Hope, der für seine Independent-Filme bereits vielfach ausgezeichnet worden sei.

Bei seinen eigenen Produktionen will Amazon auch die Wartezeit zwischen Kinodebüt und Verfügbarkeit etwa für den Fernseher verkürzen. Die Filme sollen bereits vier bis acht Wochen nach der Premiere im Filmtheater in Amazons hauseigenem Video-Streamingdienst gezeigt werden. In der Vergangenheit konnte schon mal ein halbes bis zu einem Jahr vergehen, bis Kinofilme auf Video erscheinen. Das Zeitfenster ist aber inzwischen schon in vielen Fällen kürzer als früher.

Amazon dreht bereits eigene Fernsehsendungen, vor wenigen Tagen gewann die Serie „Transparent“ einen Golden Globe. Einen Coup landete Amazon erst kürzlich mit der Verpflichtung von Woody Allen. Der Schauspieler und Filmregisseur wird exklusiv eine TV-Serie für Amazons Prime-Angebot produzieren. Weder Titel noch Inhalt stehen jedoch bislang fest.

Amazon ist nicht der einzige Internet-Konzern, der in den angestammten Bereich von Hollywood dringt. Auch der Streaming-Dienst Netflix setzt auf Eigenproduktionen und dreht unter anderem vier Filme mit Adam Sandler sowie eine Fortsetzung des Kampfkunst-Streifens „Tiger & Dragon“. Dieser Film soll gleichzeitig ins Kino und ins Netflix-Angebot kommen. Deswegen wollten ihn einige amerikanische Filmtheater nicht zeigen. Bei den Golden Globes hatten beide Unternehmen in der Kategorie TV-Serien bereits abgeräumt.

Aufstieg mit Schattenseiten: Wie funktioniert Amazon?

Wie fing Amazon an?

Jeff Bezos gründete amazon.com im Jahr 1995. Den deutschen Ableger amazon.de gibt es seit 1998. Groß wurde das Unternehmen mit dem Versand von Büchern, Videos und Musik-CDs. Seit dem Jahr 2000 können auch fremde Händler ihre Produkte bei Amazon anbieten. Mittlerweile macht der Konzern mit Sitz in Seattle zwei Drittel seines Umsatzes mit Waren wie Computern, Digitalkameras, Mode oder Lebensmitteln. Amazon ist auch einer der Vorreiter bei elektronischen Büchern sowie Musik- und Video-Downloads. Zweites großes Standbein neben dem Handel sind die Webservices mit dem Cloud Computing.

Wie konnte der Konzern so mächtig werden?

Amazon fährt eine riskante Wachstumsstrategie: Der Konzern lockt die Kunden mit günstigen Preisen sowie einer schnellen und vielfach kostenlosen Lieferung. Zudem investiert er kräftig, in die Versandzentren wie auch in die Entwicklung neuer Technologie. Dieser Wachstumskurs hat jedoch eine Kehrseite: Die Gewinnmargen sind eher dünn. 2012 machte Amazon einen Verlust von 39 Millionen Dollar. Im Jahr 2013 blieben unterm Strich 274 Millionen Dollar (204 Millionen Euro) – bei einem Nettoumsatz von 74,45 Milliarden Dollar im Jahr 2013.

Wie relevant ist der deutsche Markt?

Es ist der größte Auslandsmarkt. 2012 setzte Amazon hierzulande 8,7 Milliarden Dollar um, umgerechnet sind das derzeit etwa 6,5 Milliarden Euro. Damit lag Deutschland noch vor Japan mit 7,8 Milliarden Dollar und Großbritannien mit 6,5 Milliarden Dollar. Der wichtigste Markt überhaupt ist allerdings Nordamerika mit 34,8 Milliarden Dollar. Amazon wuchs in seiner Heimat zuletzt auch deutlich schneller als im Ausland.

Wie wichtig ist Amazon für Deutschland?

Gemessen am Einzelhandelsumsatz insgesamt ist die Rolle von Amazon überschaubar. Etwa 1,5 Prozent trägt Amazon zum Branchenumsatz von fast 428 Milliarden Euro bei. Das meiste sind jedoch Lebensmittel. Betrachtet man den Online-Handel von Unterhaltungselektronik bis hin zu Büchern, sieht die Sache ganz anders aus: Amazon hält hier fast ein Viertel des Marktes.

Wie ist der Konzern aufgestellt?

In Deutschland unterhält das Unternehmen Logistikzentren in Graben bei Augsburg, Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne, Pforzheim, Brieselang und Koblenz. Dort arbeiten nach Auskunft von Amazon etwa 10.000 fest angestellte Vollzeitmitarbeiter. In Spitzenzeiten wie dem Weihnachtsgeschäft kommen in jedem dieser Zentren Tausende Saisonkräfte hinzu. Weltweit arbeiteten 124.600 Mitarbeiter (Stand: März 2014) im Unternehmen.

Beim Streaming werden Videos direkt aus dem Netz abgespielt. Dienste wie Netflix und Amazon lassen sich den Zugang mit einer Gebühr vergüten. Sie haben bereits das Serien-Geschäft verändert, indem sie im Gegensatz zu Fernsehsendern ganze neue Staffeln auf einmal verfügbar machten. Die filmischen Ambitionen von Amazon könnten auch den Filmschaffenden entgegenkommen, die viel zu oft daran scheitern, mit frischen und gewagten Ideen ein größeres Publikum zu erreichen, heißt es bei Amazon.

Das Budget für die neuen Film-Produktionen von Amazon solle zwischen 5 und 25 Millionen US-Dollar liegen, berichtete das Branchenblatt „Variety“. Bei diesem Rahmen braucht sich Hollywood keine Sorgen um neue Konkurrenz bei teuren Action-Blockbustern zu machen. Allerdings bedeutet jeder Neuankömmling in dem Geschäft verstärkten Wettbewerb um die Kinosäle.

Von

dpa

Kommentare (1)

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20.01.2015, 15:18 Uhr

Amazon produziert eigene Kinofilme

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Super-Titel Vorschlag :

" Wie das europäischer Kontinent unterging ! "








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