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25.11.2013

10:20 Uhr

Online-Händler

Amazons Logistik-Chef lehnt Gespräche mit Verdi ab

Verdi droht neue Streiks bei Online-Händler Amazon im Weihnachtsgeschäft an. Die Gewerkschaft fordert eine Bezahlung auf Niveau des Einzelhandels. Doch Logistik-Chef Dave Clark lehnt Tarifgespräche mit Verdi ab.

Ein Streik-Transparent vor dem Amazon-Logistik-Center in Bad Hersfeld. An den Amazon-Standorten sind mehrere hundert Beschäftigte dem Streikaufruf von Verdi gefolgt. dpa

Ein Streik-Transparent vor dem Amazon-Logistik-Center in Bad Hersfeld. An den Amazon-Standorten sind mehrere hundert Beschäftigte dem Streikaufruf von Verdi gefolgt.

BerlinAngesichts der neuen Streiks beim Online-Händler Amazon hat der für die deutschen Versandzentren zuständige Logistik-Chef Dave Clark Tarifgespräche mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi abgelehnt. „Verdi ist nicht Teil unserer Beziehung, deswegen verwende ich nicht viel Zeit für sie“, sagte Clark in einem Interview mit der Zeitung „Die Welt“ (Montagsausgabe). Amazon pflege stattdessen „eine direkte Beziehung mit unseren Leuten: durch Betriebsräte und Mitarbeiterforen, und durch viele Möglichkeiten zum Feedback“.

Mit der Androhung von Streiks im Weihnachtsgeschäft schieße Verdi seiner Ansicht nach „in Sachen öffentliche Wahrnehmung ein Eigentor“, sagte Clark, der bei Amazon für das Logistikgeschäft und den Kundenservice weltweit verantwortlich ist. „Warum sollten wir uns von jemandem zur Zusammenarbeit erpressen lassen, der damit droht, das Weihnachtsfest für Kinder zu ruinieren?“ Die Mehrheit der Amazon-Mitarbeiter in Deutschland wolle ein gutes Weihnachtsgeschäft abliefern. „Wir werden sehen, wie viele tatsächlich Verdis Aufruf folgen“, sagte Clark.

Wegen Leiharbeit kritisierte Firmen

Daimler

In der ARD-Reportage „Hungerlohn am Fließband“ (ausgestrahlt am 13. Mai 2013) wird gegen Daimler der Vorwurf erhoben, illegal Leiharbeiter über Werkverträge zu beschäftigen. Das Unternehmen hat die Vorwürfe zurückgewiesen und dem ausführenden SWR unter anderem vorgeworfen, Passagen des 45-minütigen Films „fingiert“ zu haben. Für die Reportage hatte ein Reporter verdeckt für zwei Wochen im Daimler-Stammwerk Stuttgart-Untertürkheim gearbeitet.

Amazon

Februar 2013: Eine ARD-Fernsehreportage über die Arbeits- und Lebensbedingungen von Leiharbeitern am Amazon-Standort im hessischen Bad Hersfeld sorgt für Wirbel. Die Saisonarbeiter sollen dem Bericht zufolge von privaten Sicherheitsdiensten schikaniert worden sein.

BMW

September 2012: BMW kündigt an, die Leiharbeiterquote im Gesamtunternehmen auf acht Prozent zu begrenzen. Zuvor gab es einen jahrelangen Streit mit der Gewerkschaft IG Metall über den Einsatz von Leiharbeitern. Die Arbeitnehmer-Vertreter geben an, zu Spitzenzeiten habe die Quote bei über 15 Prozent gelegen.

Deutsche Post DHL

Mai 2012: Internationale Gewerkschaften werfen der Deutschen Post DHL vor, außerhalb Europas Arbeitnehmerrechte zu verletzen. Die Logistiktochter DHL habe eine „beschämende Bilanz“ beim übermäßigen Einsatz von schlecht bezahlten Zeit- und Leiharbeitern. Die Deutsche Post teilt mit, sie arbeite gemäß nationaler Gesetze und Gepflogenheiten der jeweiligen Länder.

GLS

Mai 2012: In einer TV-Reportage berichtet Journalist Günter Wallraff über seine verdeckte Recherche beim Paketzusteller GLS: Fahrer seien dort zu schwer durchschaubaren Bedingungen und in oft nur mündlichen Verträgen als Subunternehmer verpflichtet worden. Leiharbeiter würden zu Dumpinglöhnen scheinselbstständig angeheuert. GLS weist die Vorwürfe zurück.

Zalando

Juli 2012: Das ZDF berichtet über die Arbeitsbedingungen bei einem Dienstleister des Internet-Versandhandels Zalando in Großbeeren (Brandenburg). Ein großer Teil der Lagerarbeiter dieses Dienstleisters sei als Leiharbeiter beschäftigt. Sie dürften sich während ihrer Arbeitszeit nicht hinsetzen und erhielten nur den Mindestlohn von 7,01 Euro pro Stunde. Zalando weißt darauf hin, dass die 7,01 Euro der Einstiegslohn in der Zeitarbeit in Ostdeutschland sei. Feste Mitarbeiter würden mehr verdienen. Inzwischen hat Zalando ein Maßnahmenpaket zur Verbesserung umgesetzt.


An den Amazon-Standorten Bad Hersfeld und Leipzig folgten am Montag mehrere hundert Beschäftigte dem Streikaufruf von Verdi. In Leipzig versammelten sich nach Angaben eines Gewerkschaftssprechers rund 200 Mitarbeiter der Frühschicht vor dem Werkstor. Auch rund 70 Beschäftigte des örtlichen Einzelhandels beteiligten sich demnach an den Protestaktionen. In Bad Hersfeld versammelten sich nach Angaben eines Sprechers mehr als 300 Beschäftigte zu einer zentralen Kundgebung, die um 10.00 Uhr beginnen sollte.

Verdi hatte die Logistikzentren in Leipzig und Bad Hersfeld in den vergangenen Monaten bereits mehrfach bestreikt. Die Gewerkschaft fordert von Amazon eine Bezahlung, die dem Niveau im Einzel- und Versandhandel entspricht. Das Amazon-Management lehnt Verhandlungen darüber ebenso wie eine Tarifbindung bisher ab. Das US-Unternehmen orientiert sich an der niedrigeren Bezahlung in der Logistikbranche.

Streiks bei Amazon: Werden Pakete an Weihnachten fehlen?

Video: Streiks bei Amazon: Werden Pakete an Weihnachten fehlen?

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Von

afp

Kommentare (26)

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Realo

25.11.2013, 10:53 Uhr

Ach Gottchen, erst den Einzelhandel in den Städten plattmachen und dann nicht bereit sein, angemessene/vergleichbare Löhne zu zahlen. Lachhaft.

Dass der gierige Verbraucher Streiks nicht toll findet, wenn er davon betroffen ist, kennt man ja.

Vielleicht würde es helfen, die amazon-Kunden daran zu erinnern, dass sie selber auch gern angemessen bezahlt werden.

Gast

25.11.2013, 11:06 Uhr

Amazon sollte sich nicht von den Gewerkschaften auf der Nase rumtanzen lassen. Einfach Logistik nach Polen verlagen und fertig. Oder auf den Mindestlohn warten und die Belegschaft ersätzen.

RumpelstilzchenA

25.11.2013, 11:13 Uhr

#Gast

Noch besser, nicht bei Amazon kaufen. Den Hintern hochkriegen und im Einzelhandel kaufen.
Die Jugend wird immer fauler!!!!

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