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26.11.2013

14:52 Uhr

Online-Händler

Kartellamt lässt Amazon vom Haken

Das Bundeskartellamt stellt sein Verfahren gegen Amazon ein. Der Internet-Riese wird nicht länger verdächtigt, Preise im Internet zu diktieren. Der Konzern zwinge Anbieter nicht mehr, Tiefpreise zu garantieren.

Der Online-Versandhändler Amazon in Leipzig. Amazon hat selbst die Voraussetzungen geschaffen, damit das Verfahren eingestellt wird. dpa

Der Online-Versandhändler Amazon in Leipzig. Amazon hat selbst die Voraussetzungen geschaffen, damit das Verfahren eingestellt wird.

DüsseldorfDas Bundeskartellamt verdächtig den Online-Händler Amazon nicht länger, Anbietern auf Marktplätzen im Internet ihre Preise zu diktieren. Die Wettbewerbshüter stellten deshalb ein zu Jahresbeginn begonnenes Verfahren gegen den Internet-Riesen ein, wie die Behörde am Dienstag mitteilte. Amazon selbst hatte dafür die Voraussetzungen geschaffen.

Der Konzern zwinge Anbieter nicht länger, auf verschiedenen über Amazon zugänglichen Marktplätzen im Internet Tiefstpreise zu garantieren. Solche Preisvorgaben an Wettbewerber seien „unter keinen Umständen zu rechtfertigen“, stellte Kartellamtspräsident Andreas Mundt klar.

Im Zentrum der Untersuchung des Kartellamts stand eine „Preisparitätsklausel“. Diese untersagte Händlern, Produkte, die sie auf Amazon Marketplace anbieten, an anderer Stelle im Internet günstiger zu verkaufen. Das Verbot bezog sich nach früheren Angaben des Kartellamts sowohl auf andere Internet-Marktplätze wie etwa Ebay als auch auf die eigenen Online-Shops der Händler. Dies könne „gegen das allgemeine Kartellverbot verstoßen“, hatte Mundt betont und Amazon damit letztlich zu Änderungen gezwungen.

Aufstieg mit Schattenseiten: Wie funktioniert Amazon?

Wie fing Amazon an?

Jeff Bezos gründete amazon.com im Jahr 1995. Den deutschen Ableger amazon.de gibt es seit 1998. Groß wurde das Unternehmen mit dem Versand von Büchern, Videos und Musik-CDs. Seit dem Jahr 2000 können auch fremde Händler ihre Produkte bei Amazon anbieten. Mittlerweile macht der Konzern mit Sitz in Seattle zwei Drittel seines Umsatzes mit Waren wie Computern, Digitalkameras, Mode oder Lebensmitteln. Amazon ist auch einer der Vorreiter bei elektronischen Büchern sowie Musik- und Video-Downloads. Zweites großes Standbein neben dem Handel sind die Webservices mit dem Cloud Computing.

Wie konnte der Konzern so mächtig werden?

Amazon fährt eine riskante Wachstumsstrategie: Der Konzern lockt die Kunden mit günstigen Preisen sowie einer schnellen und vielfach kostenlosen Lieferung. Zudem investiert er kräftig, in die Versandzentren wie auch in die Entwicklung neuer Technologie. Dieser Wachstumskurs hat jedoch eine Kehrseite: Die Gewinnmargen sind eher dünn. 2012 machte Amazon einen Verlust von 39 Millionen Dollar. Im Jahr 2013 blieben unterm Strich 274 Millionen Dollar (204 Millionen Euro) – bei einem Nettoumsatz von 74,45 Milliarden Dollar im Jahr 2013.

Wie relevant ist der deutsche Markt?

Es ist der größte Auslandsmarkt. 2012 setzte Amazon hierzulande 8,7 Milliarden Dollar um, umgerechnet sind das derzeit etwa 6,5 Milliarden Euro. Damit lag Deutschland noch vor Japan mit 7,8 Milliarden Dollar und Großbritannien mit 6,5 Milliarden Dollar. Der wichtigste Markt überhaupt ist allerdings Nordamerika mit 34,8 Milliarden Dollar. Amazon wuchs in seiner Heimat zuletzt auch deutlich schneller als im Ausland.

Wie wichtig ist Amazon für Deutschland?

Gemessen am Einzelhandelsumsatz insgesamt ist die Rolle von Amazon überschaubar. Etwa 1,5 Prozent trägt Amazon zum Branchenumsatz von fast 428 Milliarden Euro bei. Das meiste sind jedoch Lebensmittel. Betrachtet man den Online-Handel von Unterhaltungselektronik bis hin zu Büchern, sieht die Sache ganz anders aus: Amazon hält hier fast ein Viertel des Marktes.

Wie ist der Konzern aufgestellt?

In Deutschland unterhält das Unternehmen Logistikzentren in Graben bei Augsburg, Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne, Pforzheim, Brieselang und Koblenz. Dort arbeiten nach Auskunft von Amazon etwa 10.000 fest angestellte Vollzeitmitarbeiter. In Spitzenzeiten wie dem Weihnachtsgeschäft kommen in jedem dieser Zentren Tausende Saisonkräfte hinzu. Weltweit arbeiteten 124.600 Mitarbeiter (Stand: März 2014) im Unternehmen.

Händler hätten dem Amt nun ausdrücklich bestätigt, dass Amazon von seiner Preis-Praxis abgerückt sei, teilte die Behörde mit. Es sei davon „auszugehen, dass die Forderungen des Kartellamtes erfüllt sind“.

Amazon ist hierzulande jüngst auch an anderer Stelle unter Druck geraten. Die Gewerkschaft Verdi fordert von dem weltgrößten Internet-Versandhändler höhere Löhne und tarifliche Regelungen, wie sie im Einzel- und Versandhandel üblich sind. Die Gewerkschaft unterstreicht ihre Forderungen mit immer neuen Streiks in den Amazon-Verteilzentren. In der umsatzstarken Vorweihnachtszeit hatte sie ihren Druck am Montag mit neuen Ausständen erhöht. Der US-Konzern selbst nimmt indes die Logistikbranche als Maßstab, in der niedrigere Löhne gezahlt werden als im Handel.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Ingenius

26.11.2013, 17:01 Uhr

ja, die Gewerkschaftann zufrieden sein, Die grossen Logistikzentren entstehen unmehr im europäischem Ostblock. Was Verdi und Co. sich da geleistet haben an öffentlicher Kraftmeierei ist schon heftig.

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