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11.11.2016

19:09 Uhr

Online-Handel

China im virtuellen Kaufrausch der Superlative

VonStephan Scheuer

Die Chinesen erleben am „Tag des Singles“ die vermutlich größte Kauforgie aller Zeiten. Alibaba macht diesmal den virtuellen Kaufhausbesuch massentauglich. Chinesen shoppen in 360-Grad in Paris, New York und Tokio.

PekingEs wirkt wie ein normales Wohnzimmer. Aber der Raum in der virtuellen Einkaufslandschaft von Alibaba ist nur ein Vorgeschmack auf eine neue Form von Kauferlebnis. In dem am Computer entworfenen Zimmer hängen Bilder an der weißen Wand, die Kaufhäuser in der ganzen Welt zeigen: Paris, New York, London und Tokio. Ein Besuch ist nur einen Klick weit entfernt.

Pünktlich zum wichtigsten Einkaufstag des Jahres in China, dem „Tag des Singles“, hat Alibaba eine künstliche Einkaufswelt entwickelt. Die virtuelle Realität sollt dem Online-Giganten dabei helfen, die Zahl der Rücksendungen zu reduzieren, und mehr Kundinnen und Kunden zu digitalen Einkaufszügen zu bewegen.

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Der E-Commerce in Deutschland erreicht neue Rekordumsätze. Hauptverantwortlich dafür sind bisherige Onlineverweigerer. Auch technische Neuerungen heizen den Handel weiter an. Experten sind verblüfft vom Wachstumstempo.

Alibaba hat das System so ausgelegt, dass keine teuren VR-Brillen nötig sind. Jedes moderne Smartphone unterstützt die virtuellen Landschaften. „Das Verhalten unserer Kunden ändert sich. Der Einkauf wird immer stärker zu einem Erlebnis“, sagte Alibabas CEO Daniel Zhang.

Die Idee ist nicht neu. Händler auf der ganzen Welt experimentieren mit virtuellen Rundgängen durch das Produktangebot. Zuletzt hatte Ikea ein Pilotprojekt gestartet, in dem sich Kunden virtuell durch Küchenlandschaften bewegen können. „Virtuelle Realität entwickelt sich schnell, und in fünf bis zehn Jahren wird es ein integrierter Bestandteil unseres Lebens sein“, sagte Ikea-Manager Jesper Brodin bei der Vorstellung des Projektes.

Neue Ideen für die Online-Lieferung

Drohnen

Als Amazon-Chef Jeff Bezos Ende 2013 in einem TV-Interview den Prototypen seiner kleinen Fluggeräte zur Warenlieferung vorstellte, hielten das viele zunächst für einen Werbegag. Doch Amazon meint es ernst und hat mit „Prime Air“ sogar schon einen Namen für den Service. Ob und wann Amazon-Bestellungen tatsächlich im Alltag per Drohne geliefert werden könnten, ist offen - der Konzern testet noch. Eine Hürde bleibt auch die rechtliche Grundlage. Dies schreckt Konkurrenten jedoch nicht von eigenen Versuchen ab. So hat die Deutsche Post den automatischen „Paketcopter“, der 2014 testweise die Nordseeinsel Juist unter anderem mit Medikamenten versorgte. Und Google arbeitet bei „Project Wing“ an Mini-Fliegern mit Seilwinde.

Lieferroboter

Die Fahrzeuge, die äußerlich an einen großen Mars-Rover erinnern, sollen neben Fußgängern auf Gehwegen unterwegs sein. Die Firma Starship zum Beispiel, mit der unter anderem der Paketdienst Hermes und der Handelskonzern Metro zusammenarbeiten, will damit Waren mit einem Gewicht von bis zu 15 Kilogramm auf eine Entfernung von fünf Kilometern befördern. Die Vision ist, dass ein Mitarbeiter über das Internet 50 bis 100 automatische Lieferroboter überwacht. Starship peilt Kosten von rund einem Dollar pro Zustellung an. Die Pizza-Kette Domino's testete einen eigenen Lieferroboter in Australien. In Deutschland gibt es das Problem, dass der Betrieb solcher Fahrzeuge im Alltag nicht geregelt ist.

Kofferraum

Warum die Pakete immer nach Hause liefern, wenn der Adressat vielleicht gerade woanders unterwegs ist? Die Idee, die Pakete vom Zusteller einfach im Kofferraum zu platzieren, nimmt dabei konkrete Formen an. Der Zusteller bekommt dafür einen ein Mal gültigen Code, mit dem er die Klappe öffnen kann. Die Position des Fahrzeugs wird per GPS bestimmt. Der Paketdienst DHL testet die Kofferraum-Zustellung in einigen deutschen Städten mit jeweils mehreren hundert Smart-Fahrern. Unter anderem auch Audi, BMW und Volvo arbeiten an einem solchen Verfahren.

Crowdshipping

Warum nicht den Nachbarn zum Paketboten machen? Zahlreiche Start-ups versuchen gerade, daraus eine Geschäftsidee zu machen. Kern ist eine App, die Händler, Lieferanten und Kunden verknüpft. Wer ohnehin unterwegs ist, kann dann Pakete für andere mitnehmen und sich so etwas Geld verdienen. So gut die Idee ist, so schwierig scheint sie umzusetzen zu sein: DHL hat damit schon erfolglos experimentiert, Walmart einen Feldversuch abgebrochen. Auch Amazon testet den Service.

Kühlboxen

Die britische Supermarktkette Waitrose hat als erster mit dieser Idee Furore gemacht: Gekühlte Abholstationen für online bestellte Lebensmittel. Auch die britische Walmart-Tochter Asda experimentiert mit Kühlfächern an Tankstellen. Geöffnet werden sie per QR-Code oder PIN, die Kunde per Mail bekommt. Auch Rewe probiert bereits die Idee aus.

Doch außer Amazon hat kein Händler die Kundenmassen von Alibaba mit 400 Millionen aktiven Nutzern und einem Kaufrausch wie dem 11. November in China. Der Kauforgie zum 11. November geht auf einen Marketingcoup von Alibaba zurück. Schon Jahre zuvor hatten chinesische Studierende den 11.11. zum „Anti-Valentinstag“ erklärt. Die vier Einsen stehen für das Dasein als Single.

Alibaba griff die Tradition 2009 auf und erklärte den 11. November zum Tag für Singles, die sich mit neuen Produkten verwöhnen wollen. Heute ist der Tag ein Massenphänomen: In den 24 Stunden geben die chinesischen Konsumenten mehr aus als die US-Bürger an den fünf Tagen von Thanksgiving bis Cyber Monday, dem Höhepunkt für Online-Shopper in den Vereinigten Staaten. Viele Händler im Internet locken die Kunden dabei mit Sonderangeboten im Weihnachtsgeschäft. Doch Alibaba ist und bleibt Marktführer.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

11.11.2016, 17:18 Uhr

"Frau Annette Bollmohr
Als gäbe es nicht mehr als genug Sinnvolleres zu tun, und zwar für jeden."

Wie zum Beispiel aber auch jeden Artikel zu kommentieren.....

Herr Peter Delli

11.11.2016, 17:27 Uhr

„Tag des Singles“ das mit der Handarbeit schreib ich jetzt nicht hin.

Herr Peter Delli

11.11.2016, 17:44 Uhr

O, Herr Ralph, heute unter vielen Persönlichkeiten unterwegs ?

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