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19.07.2017

20:30 Uhr

Online-Lieferdienste

Das Wettrennen um den größten Supermarkt im Netz

VonFlorian Kolf

Es wird ernst: Mit mehr Produkten und neuen Regionen verschärft Amazon den Angriff auf die traditionellen Lebensmittelhändler. Doch noch ist nicht entschieden, wer den Kampf um den Kunden gewinnt.

Das Unternehmen spricht von einem „positiven Feedback der Kunden in Berlin und Potsdam“ auf seinen Lebensmittellieferdienst. dpa

Lebensmittellager von Amazon Fresh

Das Unternehmen spricht von einem „positiven Feedback der Kunden in Berlin und Potsdam“ auf seinen Lebensmittellieferdienst.

DüsseldorfAmazon weitet den Kampf um die Onlinelieferung von Lebensmitteln aus. Nach Berlin und Potsdam ist der US-Konzern mit seinem Lieferdienst Amazon Fresh jetzt auch in Hamburg gestartet. Bisher werden zwar nur bestimmte Postleitzahlengebiete bedient. Das Unternehmen hat jedoch schon angekündigt, den Service auf die gesamte Hansestadt auszuweiten.

Um den Dienst für den Kunden noch attraktiver zu machen, hat Amazon zusätzlich die Strategie geändert und liefert jetzt zusammen mit den Lebensmitteln auch ein Sortiment von rund 200.000 Non-Food-Artikeln aus. Damit ist das Gesamtangebot von Amazon Fresh auf rund 300.000 Artikel gewachsen.

Damit tritt der Wettbewerb um die Onlinekunden im Lebensmittelhandel in die entscheidende Phase. Bisher hatte Amazon offengehalten, wie schnell das Unternehmen nach dem Start in Berlin in weitere Städte expandiert. „Bei Projekten wie Amazon Fresh muss man letztlich fünf bis sieben Jahre ausprobieren, bis man weiß, ob es so ankommt“, sagte Amazon-Deutschland-Chef Ralf Kleber kürzlich im Handelsblatt-Interview.

Doch offenbar sind die ersten Erfahrungen so vielversprechend, dass jetzt rasch ausgeweitet werden soll.  Florian Baumgartner, Deutschlandchef von Amazon Fresh, spricht von einem „positiven Feedback der Kunden in Berlin und Potsdam“ und nennt den Start in Hamburg einen „wichtigen Schritt“ auf dem Weg, Amazon Fresh möglichst vielen Kunden zugänglich zu machen. Welche Städte als nächstes kommen, dazu schweigt Amazon. Doch Branchenkreise gehen davon aus, dass es auch in der Region München und in den Ballungsräumen Nordrhein-Westfalens bald so weit sein dürfte.

Lebensmittel-Lieferdienste im Überblick

Wie funktioniert das Amazon-Angebot?

Amazon-Abonnenten des Dienstes Amazon Prime (Jahresgebühr 49 Euro) können sich in zahlreichen Vierteln in München und Berlin Lebensmittel kostenlos innerhalb eines Zwei-Stunden-Fensters am gleichen Tag liefern lassen. Der Mindestbestellwert liegt bei 20 Euro. Für einen Aufpreis von 6,99 Euro liefert Amazon sogar innerhalb einer Stunde. Quelle: Oliver Wyman

Was bedeutet das für die Konkurrenz?

1.700 Supermärkte sind durch den Onlinehandel mit frischen Lebensmitteln bis zum Jahr 2020 in ihrer Existenz gefährdet.

Wie funktioniert das Kaufland-Angebot?

Unter shop.kaufland.de testet das Unternehmen einen Lieferdienst für Berlin. Der Mindestbestellwert beträgt 40 Euro. Der Kunde kann den Liefertermin aus stündlichen Zeitfenstern frei wählen. Die ersten drei Bestellungen sind versandkostenfrei, danach kostet es zwischen 2,75 und 4,75 Euro, je nach ausgewähltem Zeitfenster.

Wie funktioniert das Rewe-Angebot?

Der Mindestbestellwert liegt auch hier im Lebensmittel-Onlineshop bei 40 Euro. Die Lieferkosten variieren je nach Zeitfenster und Bestellwert und betragen bis zu 5,90 Euro. Kostenfrei ist die Lieferung ab einem Warenwert von 100 Euro – aber auch nur wenn der Kunde bereit ist, ein Lieferfenster von 6,5 Stunden zu akzeptieren.

Wie funktioniert das Allyouneed-Fresh-Angebot?

Der Mindestbestellwert liegt bei 20 Euro, bis 40 Euro betragen die Lieferkosten 4,90 Euro, danach ist die Lieferung kostenlos. Zugestellt wird in einem Wunschzeitfenster - normalerweise frühestens am nächsten Tag. Bestellungen vor 12 Uhr können jedoch oft auch am selben Tag verschickt werden.

Das große Interesse der Kunden spüren auch die Wettbewerber. Rewe hat seinen Lieferdienst mittlerweile auf 75 Städte ausgeweitet. Rund 30 Millionen Einwohner können damit erreicht werden. Das Problem ist jedoch, dass der Dienst noch keinen Gewinn abwirft, weil die Auslieferung mit einer eigenen Flotte von Kühlwagen sehr kostenintensiv ist.

Auch Rewe experimentiert bereits wie Amazon mit einer Ausweitung des Angebots auf Non-Food-Artikel. Dazu soll der Webshop zum Marktplatz ausgebaut werden, auf dem auch andere Händler ihre Artikel anbieten sollen. Ein erster Test mit 1000 ausgesuchten Kunden und fünf Händlern ist gerade gestartet.

Neues Geschäftsmodell in Berlin & Potsdam

Amazon Fresh gestartet – so funktioniert der Supermarkt-Service von Amazon

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