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09.05.2017

10:36 Uhr

Online-Mode

Zalando will auch bei Männern punkten

Zalando verzeichnet zum Jahresbeginn einen stagnierenden Gewinn. Der Umsatz dagegen wächst weiter kräftig. Vor allem Männer rücken nun stärker in den Fokus von Europas größtem Modehändler.

Schauspieler James Franco soll mehr Männer zu Zalando-Kunden machen. Zalando

Zalando-Werbekampagne

Schauspieler James Franco soll mehr Männer zu Zalando-Kunden machen.

BerlinDer Berliner Modehändler Zalando setzt stärker auf männliche Kundschaft. Drei Viertel der Kunden seien Frauen, sagte Co-Vorstandschef Rubin Ritter am Dienstag. Zugleich sagte er: „Wir sehen ein großes Potenzial, den Anteil der männlichen Kunden zu erhöhen.“ Ritter verwies auf entsprechende Werbekampagnen mit dem US-Schauspieler James Franco.

Die Bilanz des Online-Händlers für die ersten drei Monaten 2017 war wieder durch hohe Investitionen geprägt, durch die Zalando weitere Marktanteile gewinnen will. So können in weiteren deutschen Städten Kunden ihre Bestellungen am selben Tag erhalten. Auch die Tests mit Retouren-Abholungen wurden ausgeweitet.

Neue Ideen für die Online-Lieferung

Drohnen

Als Amazon-Chef Jeff Bezos Ende 2013 in einem TV-Interview den Prototypen seiner kleinen Fluggeräte zur Warenlieferung vorstellte, hielten das viele zunächst für einen Werbegag. Doch Amazon meint es ernst und hat mit „Prime Air“ sogar schon einen Namen für den Service. Ob und wann Amazon-Bestellungen tatsächlich im Alltag per Drohne geliefert werden könnten, ist offen - der Konzern testet noch. Eine Hürde bleibt auch die rechtliche Grundlage. Dies schreckt Konkurrenten jedoch nicht von eigenen Versuchen ab. So hat die Deutsche Post den automatischen „Paketcopter“, der 2014 testweise die Nordseeinsel Juist unter anderem mit Medikamenten versorgte. Und Google arbeitet bei „Project Wing“ an Mini-Fliegern mit Seilwinde.

Lieferroboter

Die Fahrzeuge, die äußerlich an einen großen Mars-Rover erinnern, sollen neben Fußgängern auf Gehwegen unterwegs sein. Die Firma Starship zum Beispiel, mit der unter anderem der Paketdienst Hermes und der Handelskonzern Metro zusammenarbeiten, will damit Waren mit einem Gewicht von bis zu 15 Kilogramm auf eine Entfernung von fünf Kilometern befördern. Die Vision ist, dass ein Mitarbeiter über das Internet 50 bis 100 automatische Lieferroboter überwacht. Starship peilt Kosten von rund einem Dollar pro Zustellung an. Die Pizza-Kette Domino's testete einen eigenen Lieferroboter in Australien. In Deutschland gibt es das Problem, dass der Betrieb solcher Fahrzeuge im Alltag nicht geregelt ist.

Kofferraum

Warum die Pakete immer nach Hause liefern, wenn der Adressat vielleicht gerade woanders unterwegs ist? Die Idee, die Pakete vom Zusteller einfach im Kofferraum zu platzieren, nimmt dabei konkrete Formen an. Der Zusteller bekommt dafür einen ein Mal gültigen Code, mit dem er die Klappe öffnen kann. Die Position des Fahrzeugs wird per GPS bestimmt. Der Paketdienst DHL testet die Kofferraum-Zustellung in einigen deutschen Städten mit jeweils mehreren hundert Smart-Fahrern. Unter anderem auch Audi, BMW und Volvo arbeiten an einem solchen Verfahren.

Crowdshipping

Warum nicht den Nachbarn zum Paketboten machen? Zahlreiche Start-ups versuchen gerade, daraus eine Geschäftsidee zu machen. Kern ist eine App, die Händler, Lieferanten und Kunden verknüpft. Wer ohnehin unterwegs ist, kann dann Pakete für andere mitnehmen und sich so etwas Geld verdienen. So gut die Idee ist, so schwierig scheint sie umzusetzen zu sein: DHL hat damit schon erfolglos experimentiert, Walmart einen Feldversuch abgebrochen. Auch Amazon testet den Service.

Kühlboxen

Die britische Supermarktkette Waitrose hat als erster mit dieser Idee Furore gemacht: Gekühlte Abholstationen für online bestellte Lebensmittel. Auch die britische Walmart-Tochter Asda experimentiert mit Kühlfächern an Tankstellen. Geöffnet werden sie per QR-Code oder PIN, die Kunde per Mail bekommt. Auch Rewe probiert bereits die Idee aus.

Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag im ersten Quartal mit 20,3 Millionen Euro auf dem Niveau des Vorjahreszeitraums, wie die Berliner mitteilten. Die Gewinnmarge blieb mit 2,1 Prozent unter der vor einem Jahr von 2,5 Prozent. Für das Gesamtjahr bestätigte Zalando aber sein Ziel, hier auf einen Wert zwischen fünf und sechs Prozent zu kommen. „Unsere Top-Priorität ist profitables Wachstum“, sagte Ritter.

Der Umsatz kletterte von Januar bis März um 23,1 Prozent auf 980,2 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr peilt das Unternehmen eine Steigerung zwischen 20 und 25 Prozent an. „Zalando gewinnt Marktanteile“, sagte Analyst Christian Salis von Hauck & Aufhäuser. Bei Anlegern kamen die Zahlen nach anfänglichem Zögern gut an. Der Kurs legte um ein Prozent zu, nachdem er zu Handelsbeginn noch im Minus gelegen hatte.

„Zalando investiert weiter stark in seine Infrastruktur sowie in das Kunden- und Markenangebot“, erklärte Volker Bosse von der Baader Bank. Das belaste derzeit den Gewinn. Das Unternehmen will in diesem Jahr rund 200 Millionen Euro investieren – rund zehn Prozent mehr als 2016. Das Geld fließt beispielsweise in das Logistiknetzwerk. So soll bis Jahresende ein Verteilzentrum in Schweden eröffnet werden, mit dem die durchschnittliche Lieferzeit in der Region auf ein bis zwei Tage gedrückt werden soll.

Ende März zählte das Unternehmen mehr als 20 Millionen aktive Kunden. Diese hätten häufiger bestellt, was auch auf die zunehmende Nutzung von Smartphones und anderer mobiler Geräte zurückzuführen sei. Das 2008 gegründete Unternehmen verkauft online etwa 1500 Marken in 15 Ländern.

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