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21.07.2015

09:38 Uhr

Online-Modehandel

Kosten bremsen Zalando

Je nachdem, wie Käufer im Internet bezahlen, hat ein Händler höhere Kosten. Diese Bezahlkosten schmälern beim Modehändler Zalando derzeit den Gewinn. Beim Umsatz dagegen läuft es besser als geplant.

Börsen-Auftakt

Dickes Minus bei Zalando trotz riesigem Umsatz-Plus

Börsen-Auftakt: Dickes Minus bei Zalando trotz riesigem Umsatz-Plus

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BerlinDer Mode-Versandhändler Zalando ist von April bis Juni deutlich stärker gewachsen als erwartet. Höhere Kosten für die Bezahlvorgänge der Kunden belasteten aber das operative Ergebnis, das möglicherweise schwächer ausfällt als im Vorjahreszeitraum, wie aus vorläufigen Zahlen hervorgeht. Das MDax-Unternehmen kündigte am Dienstag an, Mitte August die Wachstumsprognose für das laufende Jahr vielleicht zu korrigieren. Näher wollte sich eine Sprecherin sich dazu am Dienstag nicht äußern.

Der Umsatz wuchs nach vorläufigen Berechnungen um 33 bis 35 Prozent auf 727 Millionen bis 738 Millionen Euro, wie Zalando mitteilte. Das Wachstum fiel damit deutlich höher aus als Analysten erwartet hatten und sich Zalando selbst zum Ziel gesetzt hatte. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) liege zwischen 22 und 37 Millionen Euro, im Vorjahrjahresquartal waren es 35 Millionen gewesen. Hier würde Zalando die eigenen Ziele nur erfüllen, wenn das endgültige Ergebnis am oberen Ende der Spanne liegt.

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Die Ebit-Marge – was vom Umsatz als Gewinn hängen bleibt - sei durch vorübergehend gestiegene Kosten für die Zahlungsabwicklung gestiegen, hieß es. Händler müssen etwa bei Bezahlungen per Rechnung mit höheren Kosten rechnen, zum Beispiel für Bonitätsprüfungen und Mahnungen. Die detaillierten Geschäftszahlen will Zalando am 13. August veröffentlichen.

Im ersten Halbjahr liegt das Unternehmen mit einem Umsatzanstieg um 31 bis 32 Prozent deutlich über dem bisher gesetzten Ziel. Die im Herbst für 21,50 Euro das Stück an die Börse gebrachte Aktie hatte zuletzt deutlich an Wert gewonnen und in der Erwartung starker Zahlen erst vergangene Woche ein Rekordhoch erreicht. Der Versandhändler ist an der Börse mit rund acht Milliarden Euro bewertet. Am Dienstag gab der Kurs zunächst nach.

Das Samwer-Imperium

Die Brüder

Marc (Jahrgang 1970), Oliver (1973) und Alexander (1975) wuchsen in Köln auf; sie studierten in Köln, Vallendar, Oxford und Harvard Rechtswissenschaft, BWL und VWL. Heute arbeiten sie in München und Berlin.

Die Beteiligungen

Die Brüder agieren über den Fonds Global Founders Capital (GFC) der den European Founders Fund (EFF) 2013 ersetzte und das mittlerweile börsennotierte Unternehmen Rocket Internet. Der 150 Millionen Euro schwere GFC ist ein Wagniskapitalgeber, der weltweit als Investor auch die Gründung kleiner Unternehmen die nicht im Fokus von Rocket Internet stehen unterstützen soll; Rocket ist der sogenannte Inkubator, also die Beteiligungsgesellschaft, über die die Samwers in Neugründungen von Internet-Start-ups investieren. Über den GFC halten die Samwers auch die Mehrheit an Rocket Internet.

Rocket Internet ging am 2. Oktober 2014, einen Tag nach dem mit Mitteln der Beteiligungsgesellschaft aufgebauten Versandhändler Zalando, an die Börse. Ein Misserfolg: Die zu optimistisch eingeschätzte Aktie verlor noch am ersten Handelstag zweistellig.

Die Erfolge

Angefangen hat ihr Erfolg mit Alando, einem Internet-Auktionshaus nach dem Vorbild des US-Unternehmens Ebay. Es folgte der Klingeltonanbieter Jamba, der Youtube-Klon MyVideo oder der deutsche Groupon-Vorgänger CityDeal. Zwischenzeitlich hatten sie auch Anteile an den Kontaktnetzwerken Facebook und StudiVZ. Als Aushängeschild gilt der mittlerweile Börsennotierte und mit Rocket-Internet-Geld aufgebaute Versandhändler Zalando, an dem die Samwers nach wie vor Anteile über ihren Fonds Global Founders Capital (GFC) halten.

Mit der Gründung von GFC begann eine noch internationalere und aggressivere Investitionsstrategie der Brüder, laut eigenen Angaben hält der Fonds Beteiligungen an über 50 Unternehmen weltweit. Die Brüder verfügen mittlerweile über ein geschätztes Privatvermögen von insgesamt 5,1 Milliarden Dollar.

Die Misserfolge

Die Samwers stehen eigentlich für erfolgreiche Start-ups. Doch Misserfolge gibt es auch bei ihnen. Im August 2014 listet der Autor Joel Kaczmarek in seinem Buch „Die Paten des Internets“ rund 40 Unternehmen auf, die Pleite gegangen sind – darunter Klone wie Ecareer, Dreambookers oder MyBrands.

Die Verkaufsmaschen

Wenn die Samwers etwas verkaufen wollen, setzen sie gerne auf aggressive Werbung. Das klappte sowohl bei Jamba (Stichwort: „Crazy Frog“) als auch bei Zalando („Schrei vor Glück“). Auch bei Investoren treten die drei Brüder, allen voran Oliver Samwer, offensiv auf. So schrieb der mittlere Bruder einst eine Mail an Investoren, in denen er sich und seine Brüder als Gründer des weltgrößten Start-up-Inkubators bewarb und mit lauter wichtigen Namen wie denen einiger bisheriger Investoren um sich schlug.

Die Kritikpunkte

Die Samwers gelten als erfolgreich, aber auch skrupellos – gerade, wenn es um ihre Geschäftsmodelle geht. In den USA werden sie nur „Copycats“ genannt, weil sie die Ideen erfolgreicher Unternehmer ungefragt übernehmen. Auch mit der Konkurrenz gehen sie nicht immer zimperlich um. So soll Rocket Internet auch schon das Angebot anderer Firmen gezielt manipuliert und versucht haben, an deren Kundendaten zu gelangen. Oliver Samwer bestreitet die Vorwürfe.

Von

dpa

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