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15.03.2013

17:00 Uhr

Online-Shop Fab.com

„Wir wollen das Amazon für Design werden“

VonJacqueline Goebel

Design in jeder Preisklasse will der Online-Shop Fab.com bieten. Das US-Unternehmen legt ein rasantes Wachstum hin – und findet auch in Deutschland immer mehr Kunden. Nur bei den Lieferzeiten hakt es noch.

Designer-Möbelstück aus US-Milchboxen der Webseite Quirky.com, das über Fab.com verkauft wurde. AP

Designer-Möbelstück aus US-Milchboxen der Webseite Quirky.com, das über Fab.com verkauft wurde.

DüsseldorfWer im Internet Erfolg haben will, muss in großen Maßstäben denken. Jason Goldberg weiß das. Sein Geschäft: Design in jeder Preisklasse. Damit hat der Gründer des Online-Shops Fab.com im vergangenen Jahr in den USA und Europa über 150 Millionen Dollar Umsatz gemacht. „Wir wollen das Amazon für Design werden“, sagt Jason Goldberg.

Das Konzept der Plattform ist einfach: Verkauft wird, was einem ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann. Die Produktauswahl reicht von Kissen, die aussehen wie Gulli-Deckel, über herzförmige Regenschirme hin bis zu runden Riesen-Sofas. „Dinge, die man sonst nirgendwo finden würde“, erklärt Gründer Jason Goldberg.

Erfolgsfaktoren für Web-Shops

Front-End und Back-End

Sie müssen nahtlos miteinander integriert sein. Das heißt, wenn der Besucher im Shop eine Bestellung auslöst, muss dieser Prozess in den nachgelagerten Warenwirtschafts-, Kundenwirtschafts- und Produktmanagementsystemen sauber abgebildet werden.

Multi- und Cross-Channel

"In Zukunft wird es immer wichtiger sein, mehrere Kanäle gleichzeitig zu bedienen und diese gut miteinander zu vernetzen", so Reupert. Beispielsweise können integrierte Prozesse in den Webshops von Einzelhändlern eine Funktion bieten, über die der Besucher herausfindet, ob ein Artikel in einer bestimmten Filiale vorrätig ist. "Denn nach wie vor informieren sich viele Kunden im Internet und kaufen dann doch im stationären Handel."

Mobile Enablement

Der Trend zum Smartphone hält an und darum ist es für Shop-Betreiber elementar, den Shop-Content auch mobil zur Verfügung zu stellen, um Kunden nicht an technisch fortschrittlichere Konkurrenten zu verlieren.

Produktdatenqualität

Studien haben gezeigt, dass rund ein Drittel der Kaufabbrüche in einem Web-Shop auf der Produktdetailseite erfolgen. Daher ist die Qualität von Produktbeschreibungen und Produktbildern elementar wichtig. Um sich von der Konkurrenz abzuheben, rät Reupert: Besser als die Mitbewerber über Produkte informieren, bessere Usability und effektive Suchmaschinenoptimierung.

Quelle: Achim Reupert, Experte des Dienstleisters Nionex, auf Mittelstandsmanager.de

Er ist der Stratege, der Kopf hinter Fab, sein Geschäftspartner Bradford Shellhammer ist Auge und Herz des Unternehmens. Goldberg ist für Zahlen und Investoren zuständig, Shellhammer für die Produkte. Jeden Tag gibt es auf der Homepage neue Produkte zu entdecken, über 7500 Designer haben ihre Werke bereits über Fab verkauft. In einer Minute verkauft Fab im Durchschnitt mehr als fünf Produkte – Möbel, Dekoration, Mode, aber auch Kunst.

Die größten Sorgen beim Online-Shopping im Ausland

Problemfälle

Es gibt zahlreiche Sorgen bei den Befragten, wenn es um den Online-Einkauf im Ausland geht. Am häufigsten äußerten Online-Shopper ihre Unsicherheit, wie man mögliche auftretende Probleme mit dem Shop lösen könnte. 82 Prozent haben hier Bedenken.

Betrug und Plagiate

Groß ist bei 81 Prozent der Befragten auch die Furcht vor Betrug – beispielsweise wenn es um die Echtheit des Produkts geht. Hier ist das Vertrauen bei deutschen Käufern offenbar eher gering, wenn es um ausländische Online-Shops geht.

Lieferbedingungen

Das Stichwort Zoll löst ebenfalls bei 81 der befragten Online-Shopper Sorgenfalten auf der Stirn aus. Sie sind insgesamt unsicher bezüglich der Lieferbedingungen.

Garantie

Eine große Rolle bei Online-Shopping im Ausland spielt auch die Produktgarantie. 77 Prozent der Befragten zweifeln ob es einfach wäre, etwa bei einem defekten Produkt dieses auch wie gewohnt retournieren zu können.

Lieferzeit

Stichwort Geduld: Deutsche Online-Shopper wollen nicht lange auf ihre Ware warten. 71 Prozent von ihnen befürchten aber eine lange Lieferzeit bei Bestellungen im Ausland.

Zahlungsabwicklung

Sorgen bezüglich der Sicherheit der Zahlungsabwicklung machen sich 70 Prozent der befragten deutschen Online-Shopper.

Zusatzkosten

Im Ausland zu bestellen könnte zusätzliche Kosten bei der Zahlungsabwicklung verursachen – beispielsweise für eine Auslandsüberweisung, geben 69 Prozent der Befragten zu Bedenken.

Verständnisprobleme

Unsicher wegen mangelnder Kenntnisse der jeweiligen Sprache sind nur 58 Prozent der Befragten.

Quelle: Studie im Auftrag der Deutschen Post: Einkaufen 4.0  - der Einfluss von E-Commerce auf Lebensqualität und Einkaufsverhalten

Zwölf Millionen Mitglieder hat der nicht einmal zwei Jahre alte Online-Shop mittlerweile, etwa 1,8 Millionen davon kommen aus dem deutschsprachigen Raum. „Das ist außergewöhnlich nach so einem Zeitraum“, sagt Gerrit Heinemann, Spezialist für Onlinehandel an der Hochschule Niederrhein.

Doch von der Gewinnzone ist das junge Unternehmen noch weit entfernt. Wie groß die Verluste genau sind, verrät Goldberg nicht. „Wir könnten innerhalb eines Jahres profitabel sein, wenn wir wollen würden“, sagt er. Doch er will noch nicht, er will noch weiter wachsen. „Ich denke, bis Ende des Jahres können wir unsere Mitgliederzahl und auch unseren Umsatz noch einmal verdoppeln.“

Retouren im Online-Handel

Kunden schicken mehr zurück

Viele Online-Händler stellen eine steigende Zahl von Rücksendungen fest. In einer aktuellen Umfrage des Forschungsinstituts ibi research an der Universität Regensburg gab jeder zweite Händler an, dass seine Retourenquote in den letzten Jahren gestiegen ist. Die Mehrheit rechnet mit einer weiteren Zunahme in den kommenden Jahren.

Auswahlbesteller

Die Rücksendungen sind aus Sicht der Händler vor allem darauf zurückzuführen, dass der Artikel dem Kunden nicht gefällt oder – in der Modebranche – er nicht passt. Dritthäufigster Retourengrund seien Auswahlbestellungen, bei denn Kunden bereits beim Kauf eine Rücksendung einiger Artikel einkalkulieren.

Unbestimmter Kostenfaktor

Die durchschnittlichen Kosten pro zurückgeschicktem Artikel schätzen die Online-Shop-Betreiber sehr unterschiedlich ein. Die Angaben sind breit gestreut und reichen von unter fünf bis 75 Euro. Mehr als jeder Dritte kann die Kosten nicht schätzen.

Hausmittel

Die Händler sehen durchaus Möglichkeiten ihre Retourenquote zu senken. Mit Abstand als am wichtigsten erachten sie in diesem Zusammenhand eine detaillierte Produktbeschreibung und -darstellung.

Prüfung selten

Mehr als 50 Prozent der von ibis research befragten Händler sagen, dass Sie Bestellungen nicht dahingehend überprüfen, ob der Kunde eine hohe Retourenwahrscheinlichkeit aufweist. Sie begründen das überwiegend mit einem zu hohen Aufwand.

Faktor Zahlungsverfahren

80 Prozent erfassen die Retouren je Zahlungsverfahren nicht. Im Schnitt schätzen die Anbieter aber, dass bei Vorkasse am wenigsten Retouren auftreten – beim Versand auf Rechnung dagegen liegt der Wert am höchsten.

Kostenloser Rückversand

Drei Viertel der Online-Händler planen mit Inkrafttreten der neuen EU-Verbraucherrecht-Richtlinie 2014 die Versandkosten bei Retouren auf den Kunden zu übertragen. Gleichzeitig gehen die meisten Befragten aber davon aus, dass ihre Kunden einen kostenlosen Rückversand erwarten.

Dabei setzt Goldberg vor allem auf das Geschäft in Europa. Vor etwa einem Jahr haben die Amerikaner das Start-Up-Unternehmen Casacanda in Berlin aufgekauft und dort ihre Europa-Zentrale aufgebaut. Heute ist Fab in 24 europäischen Ländern vertreten und macht dort 30 Prozent seines Umsatzes – mehr als die Hälfte davon kommt aus Deutschland. Auch deshalb will hier Fab noch in diesem Jahr sein Europa-Lager aufbauen.

Was Deutsche am meisten zurückschicken

Möbel/Heimtextilien

Die Faustregel des interaktiven Handels: Je näher das bestellte Produkt am Körper ist, desto höher ist die Rückgabequote (in Prozent). Möbel und Heimtextilien werden demnach nur in 12,2 Prozent retourniert.

Geschenkartikel

Von allen Online-Bestellungen aus der Kategorie Geschenkartikel gehen 12,8 Prozent wieder zurück.

Musik/DVD/Games

Etwa 13,2 Prozent der Bestellungen aus dem Bereich Musik/DVD/Games bleibt nicht beim Kunden und wird zurück zum Händler geschickt.

Bücher

Bücher werden auch nicht so oft wieder zurück geschickt. Die Quote liegt bei 13,4 Prozent.

Spielzeug

Auch Kinder können wählerisch sein. 14,8 Prozent des bestellten Spielzeugs wird retourniert.

EDV

Im Bereich EDV liegt die Rückgabequote bei 15,1 Prozent.

Unterhaltungselektronik

Gut 15,4 Prozent der bestellten Produkte aus der Kategorie Unterhaltungselektronik/Foto wird zurückgeschickt.

Haushaltselektronik

Haushaltselektronik wird in 15,6 Prozent aller Fälle wieder retourniert.

Sonstiges

Alles, was in keine andere Kategorie fällt, hat eine Rückgabequote von 16 Prozent.

Kleidung/Schuhe

Am häufigsten schicken Kunden im interaktiven Handel Kleidung und Schuhe wieder zurück. Die Quote liegt bei 28,5 Prozent.

(Quelle: Zeit, Nr. 43, Grafik S. 41)

Das wird dringend benötigt. Denn gerade bei den Lieferzeiten hat der junge Onlineshop noch Probleme. Oft müssen Kunden länger als eine Woche auf ihre Lieferungen warten, gerade in der Weihnachtszeit gab es große Schwierigkeiten, viele Geschenke erreichten die Käufer zu spät. Doch Jason Goldberg gelobt Besserung: „Schnelle Lieferzeiten sind im Moment unsere oberste Priorität.“ Rund zehn Millionen Dollar hat Fab in den Aufbau seines US-Lagers investiert, das Logistikzentrum in Deutschland soll ähnliche Dimensionen haben.

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