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15.05.2015

08:32 Uhr

Online-Shopping

Die digitale Gefahr für den Einzelhandel

Rund um die Uhr vom heimischen Sofa aus: Online einkaufen ist bequem. Da müssen sich Händler in den Einkaufstraßen viel einfallen lassen, um die Kunden noch zu locken. Vielen Ladenbesitzern fällt das schwer.

Einkaufen per App: Während das Phänomen des Online-Shoppings wächst und wächst, müssen sich stationäre Händler was neues einfallen lassen. dpa

Online einkaufen

Einkaufen per App: Während das Phänomen des Online-Shoppings wächst und wächst, müssen sich stationäre Händler was neues einfallen lassen.

BerlinWer zum Einkaufen noch das Haus verlässt, ist ziemlich von gestern. Das macht Oliver Samwer glauben. „Geschäfte sind Mittelalter“, stichelt der Investor, der den Online-Händler Zalando groß gemacht hat. „Sie wurden gebaut, weil es kein Internet gab.“ Bei dieser Provokation zuckte die Branche vor einem Jahr zusammen. Inzwischen wird aber deutlich: Viele Kunden wollen immer noch im Laden einkaufen - die Geschäfte dürfen nur nicht nach Mittelalter aussehen.

Lange weiße Regale, Neonlicht, möglichst viel Ware und wenige Verkäufer - solche Läden werden Kunden künftig seltener finden, meinen Fachleute. Der Handel müsse investieren. Der Druck ist gewaltig, wie der Kölner Handelsforscher Kai Hudetz berichtet. Jeder Fünfte komme seltener zum Einkaufen in die Innenstädte, weil er sich online eindecke.

Welche Produkte die Deutschen im Internet suchen

Do-it-yourself-Produkte

Do-it-yourself-Produkte

(Bauern, Garten, Heimwerken, Basteln)

über Google: 47 Prozent

über Amazon: 31 Prozent

über Ebay: 25 Prozent

(Alle Daten hat das Marktforschungsunternehmen Konzept & Markt in seiner Studie zum Online-Shopping erhoben.)

Elektro-Geräte

Elektro-Geräte (Haushalt, Büro, Unterhaltung)

über Google: 46 Prozent

über Amazon: 46 Prozent

über Ebay: 22 Prozent

Kfz-Teile & Zubehör

Kfz-Teile & Zubehör

über Google: 43 Prozent

über Amazon: 20 Prozent

über Ebay: 32 Prozent

Lebensmittel

Lebensmittel (und andere Dinge des täglichen Bedarfs)

über Google: 37 Prozent

über Amazon: 26 Prozent

über Ebay: 10 Prozent

Medien

Medien (Bücher, CDs, DVDs, Spiele etc.)

über Google: 32 Prozent

über Amazon: 57 Prozent

über Ebay: 18 Prozent

Medikamente & Arzneimittel

Medikamente & Arzneimittel

über Google: 33 Prozent

über Amazon: 6 Prozent

über Ebay: 4 Prozent

Mode, Schuhe, Accessoires

Mode, Schuhe, Accessoires

über Google: 28 Prozent

über Amazon: 22 Prozent

über Ebay: 16 Prozent

Reisen, Hotels, Flüge

Reisen, Hotels, Flüge

über Google: 39 Prozent

über Amazon: 3 Prozent

über Ebay: 3 Prozent

Sport- & Outdoorartikel

Sport- & Outdoorartikel

über Google: 35 Prozent

über Amazon: 26 Prozent

über Ebay: 16 Prozent

Tiernahrung & Zubehör

Tiernahrung & Zubehör

über Google: 26 Prozent

über Amazon: 10 Prozent

über Ebay: 7 Prozent

Wein & Spirituosen

Wein & Spirituosen

über Google: 21 Prozent

über Amazon: 8 Prozent

über Ebay: 6 Prozent

„Die Frage von Händlern ist immer: Herr Hudetz, Herr Hudetz, wann hört das endlich auf mit dem Online-Handel?“ Antwort: Jeder zehnte Euro werde online ausgegeben, in wenigen Jahren kann es jeder vierte sein. „Da ist noch jede Menge Eisberg unter Wasser.“ Klingt, als seien die deutschen Einkaufsstraßen die Titanic. Doch der Chef des Instituts für Handelsforschung kann ein wenig beruhigen: „Samwer hat Unrecht.“ Der Kunde sei komplizierter.

Ein Beispiel sind die zunehmend genutzten Möglichkeiten, online bestellte Kleidung im Laden abzuholen. „Das ist eigentlich das Schlechteste aus zwei Welten“, wundert sich Hudetz. Man probiert die neue Jacke nicht an, weil man online bestellt, und fährt dann doch in den Laden, um sie abzuholen.

Reine Online-Shopper gebe es nur wenige. Die Mehrzahl der Deutschen seien „selektive Online-Shopper“. Ihre wichtigsten Wünsche: Online prüfen, in welcher Filiale die begehrte Jeans oder der Fernseher vorrätig ist, und kostenfreies WLAN im Geschäft - da gilt Deutschland noch als Entwicklungsland. Zu groß die Sorge, dass die Kunden via Smartphone bei der Konkurrenz kaufen, wenn es dort billiger ist.

Wie der Laden der Zukunft aussieht? Viele Inhaber und Designer scheinen verunsichert. Helle und großzügige Räume, weniger Ware in den Regalen, dafür besser ausgeleuchtet, immer neue Aktionsflächen - klar, diese Kniffe kennen Kunden schon lange. Unvermeidlich auch die Heilssuche in mehr „Info-Displays“, die aber bitte nicht daher kommen wie das Fliesenschneider-Video im Baumarkt. Einer bringt es auf dem Punkt: „Aktuell stochern alle im Nebel.“

Kommentare (1)

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Herr Sascha Hartmann

15.05.2015, 19:50 Uhr

Die Situation ist wirklich verzwickt. Jedem Einzelhändler ist klar, dass er etwas tun muss. Leider wandeln nur wenige der Betroffenen Einzelhändler ihre Ängste in konkrete Aktivitäten um. Der eigene Onlineshop ist aufwendig, rechtliche Fallstricke mitunter gefährlich und die Versandabwicklung für kleine Boutiquen und Shops häufig eine Herausforderung. Trotzdem muss etwas geschehen. "Überleben" werden m.E. die Boutiquen und Läden, die ein für sich finanziell und organisatorisch realisierbares Konzept finden und konsequent umsetzen. Dabei müssen die Händler ebenfalls dazu bereit sein sich auch mit der vermeintlichen Konkurrenz aus der eigenen Stadt zusammen zu tun um gemeinsam etwas auf die Beine zustellen. Für den Mode-Einzelhandel könnte eine gemeinsame Verkaufs- und Vermarktungsplattform mit geringen Fixkosten und hoher Reichweite ein Mittel sein. Dabei muss das lokale Einkaufserlebnis mit gewohnten Onlineshopfunktiinen gekoppelt werden. Stylerella (www.stylerella.de) - ist eine solche Plattform. Hier bekommen Modeeinzelhändler einen einfach zu verwaltenden Onlineshop mit Zahlungsabwicklung. Eine standortbasierte Produkt- und Boutiquensuche verknüpft das lokale Einkaufserlebnis mit der Reichweite im Internet. Aber solche Konzepte leben davon, dass sich möglichst viele Boutiquen einer Stadt zusammentun und solchen Plattformen Leben einhauchen. Nur wenn das gelingt, können Kunden sowohl online als auch offline auf angenehme Weise das Angebote lokaler Anbieter entdecken und einkaufen.

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