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24.07.2015

14:04 Uhr

Online-Shopping

„Ebay zerlegt sich derzeit selbst“

Ist Ebay out? Gibt es stärkere Alternativen oder ist die Auktionsplattform einzigartig? Wir haben unsere Facebook-Fans und Leser gefragt, wie sie die Zukunft von Ebay sehen. Das sind ihre Antworten.

Quartalszahlen

Kerngeschäft schrumpft: Ebay kämpft mit alten Problemen

Quartalszahlen: Kerngeschäft schrumpft: Ebay kämpft mit alten Problemen

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Düsseldorf Die Abspaltung von Paypal vom Mutterkonzern Ebay hatte an der Börse zu heftigen Reaktionen geführt – zumindest was den Marktwert der beiden, nun voneinander getrennten Unternehmen angeht. Am ersten Tag nach der Trennung kletterte der Paypal-Kurs am Montag bis Börsenschluss um mehr als fünf Prozent und legte auch am Dienstag weiter zu. Paypal wurde damit mit mehr als 49 Milliarden Dollar (umgerechnet 45 Milliarden Euro) bewertet – und überflügelt damit den ehemaligen Mutterkonzern.

Auf Facebook und der Handelsblatt-Homepage wollten wir von unseren Lesern wissen, was sie über die „3, 2, 1 – meins“-Plattform denken: Sind die guten Zeiten für Ebay vorbei? Gibt es längst bessere Alternativen oder ist der Abgesang ungerechtfertigt? Am Dienstag hatten wir bereits die ersten Reaktionen zusammengefasst. Doch es kamen noch weitere Kommentare hinzu.

Ebay spaltet Paypal ab: 3,2,1 – vorbei?

Ebay spaltet Paypal ab

3,2,1 – vorbei?

Ebay und Paypal gehen getrennte Wege: Ab heute werden die Unternehmen separat an der Börse gehandelt. Während Paypal bestens dasteht, kämpft Ebay mit Wachstumsproblemen und hat Mühe, mit der Konkurrenz Schritt zu halten.

Jan T. findet, dass die Kritik am Auktionshaus gerechtfertigt ist und schreibt auf Facebook: „Ebay hat sich durch ein unfaires Bewertungssystem und hohe Kosten für Privatverkäufer selbst ins Aus geschossen.“ Auch Kenneth G. findet die Alternative Amazon besser und mahnt das Thema Sicherheit an: „Zum Einkaufen ist Amazon um Längen besser, beim Verkaufen geht Ebay leider nicht konsequent gegen Betrüger und Scheinbieter vor. Was nützt es, wenn der Benutzer-Account gesperrt wird, die Täter aber einfach einen neuen eröffnen?“.

Fritz Y. kommentiert auf der Homepage: „Die Gebühren sind fast so hoch wie in einem richtigen Auktionshaus. Der Unterschied ist, dass ein richtiges Auktionshaus die Echtheit der versteigerten Artikel garantiert, während es bei E-Bay keine derartige gibt.“ Auch Cevin S. kritisiert: „Ebay zerlegt sich derzeitig selbst. Nur noch Powerseller mit dem schnellen Euro. Privat verschwindet langsam aber sicher.“

Markus K. differenziert zwischen Käufer- und Verkäufersicht: Er kritisiert die erhöhten Verkaufsprovisionen und die hohen Standards für Verkäufer, die Ebay aber nicht an sich selbst anlege, etwa im Kundenservice. Auch erkennt er Willkür: „Verkäufer sind der Willkür der Käufer schutzlos ausgeliefert. Durch das einseitige Bewertungssystem (Käufer können nicht neg. bewertet werden vom VK) und Paypal haben die Käufer die volle Macht. Einige nutzen das schamlos aus und sehen meinen Ebay-Shop als Selbstbedienungsladen an (Bewertungserpressung etc.). Da herrscht ein starkes Ungleichgewicht.“

Aber Markus K. macht auch deutlich, dass es keine wirklichen Alternativen gibt – Amazon habe auch Schwachstellen. Auch aus Käufersicht sei Ebay nicht zu kritisieren: „Aus Käufersicht empfinde ich Ebay jedoch nicht als Saftladen, da hat man ein hohes Maß an Sicherheit und es gibt eine größere Produktauswahl als bei Amazon sowie günstigere Preise (ohne Berücksichtigung von Prime).“

Alex H. will ebenfalls nicht in die Kritik einsteigen und schreibt auf Facebook: „Kenne keine vergleichbare Auktionsplattform. Habe die letzten Tage wieder einige Schnäppchen geschossen.“

Worauf man als Ebay-Verkäufer achten muss

Mindestgebot angeben

Wenn man sich einen bestimmten Preis für seinen Artikel wünscht, dann sollte man ein Mindestgebot angeben. Denn sollte der Artikel weit unter Wert „ersteigert“ werden, dann ist man als Verkäufer zur Herausgabe verpflichtet. So kann man sich verpflichten z.B. die ganze Kücheneinrichtung für nur 10 Euro abzugeben. Im wichtigen Urteil ging es um ein Auto, das weit unter Wert ersteigert wurde (Aktenzeichen: 223 C 30401/07, Amtsgericht München, Urteil vom 09.05.2008).

Nicht zu viel verkaufen

Wer private Dinge verkaufen möchte sollte aufpassen, dass es nicht zu viele werden. Denn ab einer nicht eindeutig definierbaren Grenze kann man als gewerblicher Nutzer und damit als Unternehmer eingestuft werden. Sollte dies eintreffen gelten strengere Regeln für den Ebay-Nutzer. Denn ein Unternehmer darf Privatkäufern gegenüber die Gewährleistungsrechte nicht ausschließen und muss eine Widerrufsbelehrung seinen Produkten hinzufügen. Tut er dies nicht, können teure Abmahnungen durch andere Unternehmer die Folge sein. Für die Schwelle des gewerblichen Nutzens hat die Rechtsprechung gewisse Kriterien entwickelt: Man gilt demnach als Unternehmer wenn man viele Bewertungen innerhalb eines kurzen Zeitraums erhalten hat, immer die gleichen Artikel oder regelmäßig neue Artikel verkauft. (Landgericht Berlin, Aktenzeichen: 103075/06)

Vorsicht bei bloßen Vermutungen

Dass man bei der Produktbeschreibung für falsche Angaben haftet, ist offensichtlich. Doch die Haftung reicht noch weiter: Wer übertriebene Angaben zu seinem Produkt macht, haftet für diese Angaben. Er muss dem Käufer dann ein Produkt mit den genannten Eigenschaften liefern. Kann er dies nicht, schuldet er Schadensersatz. Dieser kann ziemlich hoch ausfallen. So hatte z.B. Ein Verkäufer hatte ein „echt silbernes Teeservice“ angeboten und es für gut 30 Euro verkauft. Dabei sah dies nur silbern aus. Der Käufer forderte schließlich ein echtes Silberservice. Da der Verkäufer keins hatte, musste er schließlich Schadensersatz leisten: 450 Euro. Ähnliches kann auch bei Angaben wie „Lederjacke“ der Fall sein, wenn die Jacke nur optisch ledern ist. (Landgericht Frankfurt a.M., Aktz. 2-16 S 3/06, Urteil vom 31.01.2007)

Haftungsausschluss

Als privater Verkäufer kann man einen Haftungsausschluss vereinbaren. Dabei verwechseln jedoch häufig Nutzer den Unterschied zwischen Garantie und Gewährleistung. Eine Garantie ist ein freiwillig abgegebenes Versprechen, dass man verschuldensunabhängig für das Vorhandensein bestimmter Eigenschaften einstehen will. Die Gewährleistung ist dagegen die gesetzlich festgelegte Haftung für Fehler an der Kaufsache, die grundsätzlich jeden Verkäufer trifft. Als Verbraucher kann man diese Gewährleistung ausschließen, was die Regel bei Ebay ist. Die Gerichte machen es hier den Verbrauchern relativ leicht. Schreibt der Verkäufer nämlich: „Privatverkauf, keine Garantie“, dann wertet das Gericht dies laiengünstig als Ausschluss der Gewährleistung. (Landgericht Osnabrück, Aktz.: 12 S 555/05)

Vorzeitiges Beenden des Angebots

Normalerweise kann man eine Auktion bei Ebay nicht ohne Weiteres beenden. Sollte ersichtlich sein, dass man den gewünschten Preis nicht erzielen wird und daraufhin die Auktion beendet, kann der Käufer auf Schadensersatz klagen. Nämlich auf die Differenz des letzten Gebotes und des wahren Wertes des Artikels. (Aktenzeichen: 8 U 93/05)

Wird die angebotene Sache gestohlen, muss man grundsätzlich dem Käufer Schadensersatz statt der Leistung zahlen. Dem kann man sich allerdings entziehen, indem man in seinen Angebotsregeln bei Diebstahl ein Ende der Auktion vereinbart. Wird der angebotene Artikel dann wirklich mal gestohlen, endet die Ebay-Auktion nach Ansicht des BGH. Eine solche Klausel macht deshalb durchaus Sinn. (BGH, Aktenzeichen VIII ZR 305/10)

Eigene Bilder erstellen

Wer ein Produkt bei Ebay anbieten möchte, sollte immer ein eigenes Bild erstellen. Selbst wenn es sich um neue Originalware oder ein Markenprodukt handelt, darf man als Verkäufer nicht Bilder des Herstellers oder anderer Fotografen benutzen. Ein selbsterstelltes Bild liefert in der Regel auch einen besseren Eindruck über den Zustand des Artikels. Die Verwendung fremder Bilder stellt eine Urheberrechtsverletzung dar und kann Schadensersatzforderungen nach sich ziehen. Da man auch meist die Anwaltskosten tragen muss, kann dies mehrere hundert Euro kosten. (OLG Brandenburg, Aktenzeichen: 6 U 58/08)

Von

jos

Kommentare (3)

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Herr Marc Otto

24.07.2015, 16:14 Uhr

oky, als Käufer komme ich gerade bei gebrauchten Sachen um Ebay nicht herum.

Konkretes Beispiel: Geha Füller, die bis ca. 1965 hergestellt wurden. (Schreibt immer, auch wenn man ihn mal 8 h offen liegen läßt).

Bei Neuwaren ist Amazon,.. oft günstiger.

Aber Alibaba schlägt alle. allerdings hat man ca. 6 Wochen Lieferzeit.

Herr Stephan Gemke

24.07.2015, 17:12 Uhr

Für Maschinenteile und Industriegüter böte sich industrialboard.de an.

Lukas Becker

27.07.2015, 20:55 Uhr

www.spandooly.de ist hoffentlich bald eine gute Alternative.
Ebay war für mich als Privatperson vor einigen Jahren noch eine spannende Verkaufsmöglichkeit und auch das ein oder andere Schnäppchen ließ sich dort machen.
Meiner Meinung nach schafft sich dieser Marktplatz aber so langsam selbst ab.
Jede Neuigkeit ist mittlerweile eine schlechte Neuigkeit. Traurig eigentlich.

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